Junge Musiker : Trainieren für das große Finale

„Hier zarter“: Ralf Kröger mit seinen Geigenschülern  Jun-Ying Poon und  Svenja zur Verth.
1 von 4
„Hier zarter“: Ralf Kröger mit seinen Geigenschülern Jun-Ying Poon und Svenja zur Verth.

Vier Geiger aus dem Kulturhof in Itzehoe bereiten sich vor auf den Bundesentscheid „Jugend musiziert“.

shz.de von
03. Juni 2014, 17:00 Uhr

Im Kulturhof liegt Musik in der Luft. Hinter jeder der zahlreichen Türen der Musikschule sind Instrumente zu hören – mal mehr, mal weniger harmonisch. Aber aus Raum Nr. 10 dringen keine Dissonanzen nach außen. Die vier jungen Geiger, die hier für einen großen Auftritt proben, beherrschen ihre Instrumente.

„Das ist jetzt Bundesliga – fast schon Champions League.“ Ralf Kröger hat ein Faible für Fußball-Metaphern. Und ein wenig erinnert der Geigenlehrer auch an einen Trainer an der Seitenlinie, während er vor der breiten Fensterfront auf und ab schreitet und motivierend mit seinen Schülern spricht. „Das könnt ihr noch besser. Wir bewegen uns jetzt auf hohem Niveau. Oma und Opa von nebenan hören die kleinen Unterschiede nicht, aber die Bundesjury schon.“ Die Bundesjury – das ist das Jurorenkomitee des Wettbewerbs „Jugend musiziert“.

Jährlich zeigen die besten Nachwuchsmusiker Deutschlands im klassischen Bereich bei „Jugend musiziert“, was sie können. Vor dem Bundeswettkampf gibt es lokale und regionale Vorentscheide. Die Preisträger treten auf öffentlichen Konzerten vor großem Publikum auf.

Svenja zur Verth und Jun-Ying Poon haben sich für die Endrunde vom 5. bis 12. Juni in Braunschweig und Wolfenbüttel in der Kategorie Streicher-Ensemble ebenso qualifiziert wie Mette Jensen und Niko Dammann – in verschiedenen Altersgruppen. Nun bereiten sich die beide Duette mit Ralf Kröger auf den entscheidenden Auftritt vor. Normalerweise üben sie nicht alle vier gemeinsam. An diesem Nachmittag schon – die Presse ist zu Besuch.

Nach dem Stimmen der Violinen beginnen Jun und Svenja zu spielen. Niko und Mette hören zu. Ein Stück des Komponisten Bartolomeo Campagnoli, „zum Aufwärmen“, sagt Ralf Kröger. Den beiden Itzehoern ist anzumerken, dass sie sich bereits seit Oktober vergangenen Jahres gemeinsam vorbereiten. „Das Zusammenspiel klappt gut bei uns“, sagt Svenja. Die 16-Jährige und ihr ein Jahr jüngerer Partner verstehen sich mit wenigen Worten und Blicken. Ein kurzes Nicken und weiter geht es. Zwischendurch machen sie sich kurze Notizen in ihre Noten. Beide spielen im Stehen nebeneinander. Lehrer Kröger ist in Bewegung, dirigiert, klopft mit dem Bleistift den Takt, gibt kurze Kommentare wie „Nicht so vorsichtig“ oder „Hier zarter“.

Dann sind Mette und Niko an der Reihe. In der kurzen Pause zwischendurch ist deutlich Gesang aus einem anderen Raum zu hören. Kichern bei den Geigern – der Sänger trifft nicht jeden Ton. Nun wird aus Sergei Prokofjews Werk gespielt, ein russischer Komponist des 20. Jahrhunderts. „Nicht für jeden Geschmack geeignet“, meint Kröger. „Manchen Zuhörern muss man da sagen: Nein, das ist nicht falsch gespielt, das gehört so.“ Tatsächlich ist das Klangbild des Stückes ungewöhnlich mit schnellen Wechseln zwischen lauten, fast schlagzeugartigen Passagen und ruhigeren, einschmeichelnderen Teilen. Gerade durch diese Gegensätze gewinnt es eine beachtliche Dynamik.

Auch beim zweiten Streicherduett klappt das Zusammenspiel reibungslos. Während sie üben, klären die beiden Musiker kleinere Fragen zum Auftritt im Bundeswettbewerb, wie etwa den Zeitpunkt des Umblätterns der Noten. Sind sie aufgeregt vor dem wichtigen Auftritt? „Natürlich ist man etwas aufgeregt, aber mir bringt die Vorbereitung total viel Spaß. Und der Wettbewerb motiviert. Wir haben die ersten Runden geschafft und wollen nun noch weiter kommen“, sagt die 16-jährige Mette. Ihr 19-jähriger Spielpartner Niko, der schon mehrfach bei „Jugend musiziert“ teilgenommen hat, blendet für sich die Konkurrenzsituation weitgehend aus: „Ich versuche, mich auf mein Spiel zu konzentrieren. Einmal habe ich den Fehler gemacht, mir die anderen Teilnehmer vorher anzusehen. Die sind alle super gut, und dann sieht man sich selbst besonders kritisch.“

In der letzten Woche vor dem Wettbewerb wird täglich gemeinsam geübt. „Wie bei der Nationalmannschaft“, sagt Kröger. „Je näher das Turnier rückt, desto intensiver die Vorbereitung.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen