Traditionsreiches Gildefest

Sind gut auf das Gildefest vorbereitet: Ältermann Hermann Voss mit den Achtermännern an der Gildelade.
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Sind gut auf das Gildefest vorbereitet: Ältermann Hermann Voss mit den Achtermännern an der Gildelade.

476 Jahre „Oelixdörper Lustgill“: Morgen und Sonnabend finden Generalversammlung, Umzug, Königsschießen und Tanzvergnügen statt

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14. Mai 2015, 15:29 Uhr

„Dat is veer daag no Pingsten, un Oelixdörp fiert wedder de Gill...“, wird der Ältermann Hermann Voss seinen Gildebrüdern und Gildeschwestern morgen, um 19.30 Uhr zurufen. Traditionell am Freitag nach Pfingsten beginnt die „Oelixdörper Lustgill“ mit der Generalversammlung und anschließendem „Beerpröfabend“ in der Gaststätte „Unter den Linden“, die von den Schaffern und Achtmännern in frischem Grün geschmückt wurde. Auf der Generalversammlung stehen in diesem Jahr Wahlen und Ehrungen an. Bei Livemusik, zu der es ausschließlich Damenwahl gibt, wird bis Sonnenuntergang dann das Gildebier aus alten und neuen Zinnkrügen als Freibier verkostet.

Am Sonnabend, 30. Mai, treffen sich die Gilde-Mitglieder um 7.30 Uhr beim Gildewirt an der Gaststätte „Unter den Linden“, um mit Marschmusik den König Uwe Primus und seine Königin Anthea Stühmer abzuholen. Gestärkt durch ein Sektfrühstück marschiert die Gilde weiter zum Schießstand in den Wald, damit die Majestäten ihre Würde verteidigen können. Danach sind alle Gildebrüder und -schwestern zum Schießen aufgefordert. Bei zünftiger Blasmusik, Wein und deftiger Bratwurst werden dort einige gesellige Stunden verlebt, bevor die neuen Majestäten feststehen. Mit einem weiteren Umzug durch das geschmückte Dorf geht es wieder zurück zum Gildewirt.

Der nächste Höhepunkt lässt nicht lange auf sich warten. Um 20 Uhr beginnt der Königsball, auf dem zunächst die neuen Majestäten proklamiert und mit der Königskette ausstaffiert werden. Bis zum Sonnenaufgang wird fleißig zur Livemusik getanzt, wobei die Veranstaltung mit dem „Rasentanz“ beendet wird.

Die Oelixdörper Lustgill besteht schon seit 476 Jahren, gehörte zu den in der Reformationszeit aufkommenden Gilden. Sie wurde im Jahr 2004 für den Kulturförderpreis des Kreises Steinburg nominiert und damit für ihre Arbeit zur Überlieferung und Förderung der regionalen Tradition geehrt.

Schon in der Gründungszeit gehörte die Geselligkeit zu den besonderen weiteren Bestimmungen der Gilde, die deren Gründer Graf Johann zu Rantzau den Oelixdorfern 1539 gewährte. Diesem wurde am 16. Januar 1528 ein Teil des Kirchspiels Itzehoe, mit den Gemeinden Winseldorf, Schlotfeld, Oelixdorf und Kollmoor, verbunden mit der hohen und niederen Gerichtsbarkeit von Friedrich I. übertragen.

Da sich im Gegensatz zu einigen anderen Gilden in Oelixdorf und seinen Nachbargemeinden kein Versicherungsverein entwickelte, hat sich die Oelixdorfer Gilde mit ihrem geselligen Teil als kommunikatives Gemeindefest einen festen Platz im Dorfleben gesichert. Zu den Pflichten der acht Vorstandsmitglieder, deshalb „Achtmänner“ genannt und deren „Ältermann“, die jedes Jahr zu Aschermittwoch das Gildefest planen, gehört die Anwerbung der „Schaffer“. Früher waren dies Knechte, die bei der Reinigung der Stallungen des Vollbauern halfen, der als Gildewirt das jährliche Schankrecht bekam. Die genaue Buchführung und Protokollierung obliegt dem Gildeschreiber. Diesen Posten sollte grundsätzlich der amtierende Schulleiter inne haben, jedoch ohne Stimmrecht im Vorstand.

Einige Tage vor Pfingsten versammeln sich Vorstand und Schaffer zur „Weinprobe“ und zu letzten Absprachen. Am Sonntag vor Pfingsten wird in der Regel der Schießplatz gereinigt und die Gewehre eingeschossen. Am Freitag nach Pfingsten ist es dann so weit – die Gildefeier startet.  

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