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Zum Tag der Deutschen Einheit : Trabis in SH: Mit 26 Pferdestärken auf Steinburgs Straßen

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

25 Jahre nach der Wiedervereinigung sind Timo Lentfer aus Nortorf und Hartwig Schnack aus Wrist leidenschaftliche Trabi-Fahrer.

Er hat 26 Pferdestärken, ist klein und robust und erfreut sich immer noch großer Beliebtheit der Oldtimer-Fans: Rund 30.000 der „Pappschachteln auf vier Rädern“ sind heute noch auf Deutschlands Straßen unterwegs.

Einer von ihnen steht in Nortorf bei Wilster auf dem Hof von Timo Lentfer. Für den Foto-Termin muss Lentfer den Trabi allerdings aus dem Schuppen heraus schieben. „Der hat einen Motorschaden und ist im Moment nicht fahrbereit.“ Doch für den 23-Jährigen, der Geo-Technik im Harz studiert, steht jetzt schon fest: „Wenn ich mit dem Studium fertig bin und Geld habe, werde ich als erstes den Trabi wieder flott machen.“

Schon im Alter von 15 Jahren verliebte sich der leidenschaftliche Auto-Schrauber in das DDR-Fahrzeug. Er entdeckte ihn bei einer Geburtstags-Feier auf dem Hof eines Freundes in Wilster. „Ich fand den Trabi total cool.“ Für 150 Euro kaufte er den Kombi, Baujahr 1976, der schon damals nicht fahrtauglich war. „Bis zu meinem 18. Geburtstag habe ich ihn nach und nach restauriert.“ Lentfer baute einen neuen Motor ein, erneuerte die Technik und lackierte den Wagen neu. Ersatzteile zu bekommen, sei überhaupt kein Problem. „Die kriegt man relativ einfach im Internet.“ Teilweise würden sie von einem Nachfolger der Trabant-Werke in Zwickau neu hergestellt, teilweise gebe es Nachbauten aus China. In Ecklak entdeckte Lentfer einen weiteren ausgedienten Trabant, den er als Ersatzteillager ausschlachtete. Aus dem hinteren Teil der Karosserie baute er einen Strandkorb, der heute bei ihm im Garten steht.

Pünktlich zu Lentfers Führerscheinprüfung lief der Trabi. Drei Jahre lang war der Nortorfer damit auf Steinburgs Straßen unterwegs, fuhr täglich mit dem Auto zur Arbeit nach Itzehoe. „Das Fahrgefühl ist natürlich ein ganz eigenes. Das bringt richtig Spaß.“ Besonders im Winter habe der Trabi Vorteile: „Dank der schmalen Spurbreite bin ich nicht in den ausgefahrenen Spuren steckengeblieben.“ Die längste Fahrt führte den Nortorfer 300 Kilometer weit nach Blåvand in Dänemark. Nach knapp sechs Stunden sei er am Ziel gewesen. Mehr als 100 Stundenkilometer seien nicht drin. „Der schafft zwar auch 120, aber da denkst du, dass alle Schrauben wegfliegen.“

Immer wieder machte der Trabi jedoch auch Probleme: Mal sei nur die Zündkerze kaputt gewesen, mal sei ihm die Motorhaube um die Ohren geflogen, und vor zwei Jahren gab der Motor schließlich ganz seinen Geist auf.

Von diesen kleinen und großen Schäden kann auch Hartwig Schnack aus Wrist ein Lied singen. Seit vier Jahren fährt der 64-Jährige einen Trabi. Schrauben und Reparieren in der Garage ist seitdem sein Hobby geworden. „Das ist eigentlich relativ unkompliziert. In einer halben Stunde ist der Motor gewechselt.“ Schnack kam durch Zufall zu dem Trabi, als er vor vier Jahren einen mobilen Imbiss eröffnen wollte. „Ich war auf der Suche nach einem Fahrzeug mit Ladefläche, auf der ich einen Grill montieren konnte.“ In Thüringen wurde er fündig und kaufte das Fahrzeug von einem Fleischermeister. „Der ist klein. Der ist was Besonderes. Genau das brauche ich“, habe er sich damals gesagt.

Das Reparieren des Wagens brachte er sich selbst bei und montierte seinen Grill auf der Ladefläche. Heute ist der Trabi in bestem Zustand. Der Vorbesitzer habe ihm erzählt, dass der Trabi neu 25.000 Ostmark gekostet habe. Heute habe er einen Schätzwert von 15.000 Euro.

Donnerstags bis sonnabends steht Schnack mit seine Trabi-Grill auf dem Aldi-Parkplatz in Kellinghusen und ist regelmäßig auf Flohmärkten in Itzehoe, Wilster, Nortorf und Uetersen zu Gast. Unter einem Pavillon baut er hinter der Ladefläche seinen Verkaufsstand auf. „Die Leute sind immer wieder begeistert davon.“ Auf Nachfrage führt Schnack gerne den Wagen vor: „Sie werden sich wundern, wie bequem man in dem Auto sitzt“, sagt er stolz. Früher habe er sich nie vorstellen können, so ein Auto zu fahren. „Heute bin ich begeistert. In kürzester Zeit habe ich mich in den Trabi verliebt. Ich würde ihn nicht wieder hergeben.“

Der Trabant: Der erste Trabi wurde 1955 in den Sachsenring-Werken Zwickau hergestellt, der letzte im April 1990. Mehr als drei Millionen der zweitakt-motorisierten Fahrzeuge liefen vom Band. Das Modell wurde kaum weiterentwickelt und galt schon in den 80er Jahren als veraltet. Heute stehen die Trabis bei Oldtimer-Fans hoch im Kurs und sind vor allem in den neuen Bundesländern sehr beliebt. Viele Exemplare wurden als Eiswagen, Biertheke oder für andere Zwecke umgebaut. 1990 wurde das Ost-Auto zum Symbol der deutschen Wiedervereinigung. Dabei gab es neben dem Trabant und seinem Konkurrenten Wartburg noch eine ganze Reihe andere Automarken in der DDR, wie zum Beispiel Barkas, Robur, Multicar, Schwalbe oder Simson. Auch in den Fahrzeugwerken in Schönebeck, Ludwigsfelde und Zschopau wurden Autos hergestellt. (dpa)
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erstellt am 02.Okt.2015 | 19:59 Uhr

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