Demonstration : Toleranz – Itzehoe zeigt Flagge

Itzehoer aller Altersklassen fanden sich am Sonnabend auf dem Berliner Platz ein, um gegen Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren. Fotos: Voß (2)
1 von 3
Itzehoer aller Altersklassen fanden sich am Sonnabend auf dem Berliner Platz ein, um gegen Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren. Fotos: Voß (2)

Mehr als 200 Menschen beteiligten sich am Itzehoer Stadtspaziergang

shz.de von
19. Januar 2015, 04:51 Uhr

„Je suis Charlie“ – auch in Itzehoe macht sich die Debatte um Toleranz, Solidarität und Pressefreiheit breit. Das war spätestens am Sonnabend, ab 11.30 Uhr zu erkennen: Hunderte Menschen jeden Alters mit Frankreich-Fahnen, Transparenten mit Aufschriften wie „Ich bin Migrant“, „Itzehoe ist bunt“ oder „Je suis Charlie“ versammelten sich auf dem Berliner Platz, um mit einem Stadtspaziergang gemeinsam ein Zeichen für eine „tolerante und solidarische Gesellschaft“ zu setzen.

Andere Städte wie etwa Köln hätten sich bereits für Toleranz eingesetzt, nun kämen die jüngsten Ereignisse von Paris hinzu, da sei es „an der Zeit, auch in einer kleinen Stadt wie Itzehoe Flagge zu zeigen und ein Zeichen zu setzen“, sagte der Ortsvorsitzende der Grünen, Karl-Heinz Zander. Er hatte den Itzehoer Stadtspaziergang initiiert. Mehr als 200 Menschen schlossen sich an und gingen vom Berliner Platz über Oelmühlengang, Viktoriastraße, Bahnhofstraße und anschließend zurück durch die Feldschmiede wieder zum Berliner Platz. Der Spaziergang dauerte eine knappe dreiviertel Stunde, Polizisten sowie mehrere Ordner sorgten für einen reibungslosen Ablauf.

„Wir sind zufrieden mit unserer Demokratie“, sagte Zander. „Dafür sollten wir nun auch in Itzehoe auf die Straße gehen.“ Er sieht die Stadt als Vorreiter für eine solche Aktion in Schleswig-Holstein und hofft, dass andere Städte sich daran ein Beispiel nehmen.

Neben den Initiatoren waren viele weitere Vertreter politischer Gruppierungen anwesend wie etwa der SPD, der Linken, des Jugendparlaments Itzehoe sowie der Jungen Liberalen. Das Ziel der Aktion, eine breite Masse zu erreichen, erfüllte sich. „Nicht nur in Großstädten, auch wir in der Provinz wollen ein Zeichen setzen und für Toleranz einstehen“, erklärte Robert Friedrichs aus Itzehoe, der Mitglied der SPD ist.

Die Itzehoerin Heidi Reimers nahm ebenfalls am Stadtspaziergang teil. Sie finde es gut, „dass so etwas auch in Itzehoe gemacht wird, ich habe nichts dagegen, dass hier Migranten wohnen“.

Dirk Hachmann aus Vaale war der Meinung, wenn man auf dem Land die Möglichkeit der Meinungsäußerung bekäme, sollte man diese auch wahrnehmen. Normalerweise werde er über politische Ereignisse nur über das Fernsehen informiert. „Dann schimpft man, aber macht selber nichts.“ Deshalb wolle er die Initiatoren dieser Aktion unterstützen.

Doch nicht alle Itzehoer stehen zu der Demonstration. Ein Rentner-Ehepaar nahm nicht am Spaziergang teil. „Demonstrationen haben immer zwei Seiten“, meinen sie. Dadurch entstünden oft Krawalle, die man vermeiden könne.

Die Itzehoerinnen Margot Ames und Ursula Kunz-Fischer beteiligten sich ebenfalls nicht am Marsch durch die Innenstadt. Sie seien auf jeden Fall für Toleranz, allerdings sei „Ich bin Charlie“ ihrer Meinung nach kein Zeichen dafür. „Die Würde des Menschen ist unantastbar – diesen Grundsatz tritt Charlie mit Füßen“, so Kunz-Fischer. Die beiden sind der Meinung, überspitzte satirische Darstellung von Religionen sei menschenverachtend, da jeder eine andere Einstellung zu dem Thema habe.

Und auch die CDU Itzehoe hatte sich gegen eine Beteiligung an dem Spaziergang ausgesprochen. „Das ist Symbolpolitik“, sagte Ortsvorsitzender Markus Müller. „Wir halten in der derzeitigen Lage konkrete Hilfe für Flüchtlinge, die in unsere Stadt kommen und unserer Unterstützung bedürfen, für der guten Sache dienlicher als Demonstrationen.“ Dafür warb er bei den Grünen um Unterstützung.

Veranstalter Karl-Heinz Zander akzeptierte das Nein der Union, weil die Partei sich sonst deutlich gegen ausländerfeindliche Bewegungen positioniere. Und es sei ja bekannt, dass die CDU nicht so gerne auf die Straße gehe. Vom Zuspruch der Bevölkerung zeigte Zander sich begeistert. „Ich wäre auch mit 50 Leuten zufrieden gewesen.“Von so vielen Teilnehmern sei er geradezu überwältigt. Zander wünschte sich, auch auf Dauer ein Zeichen zu setzen, die Aktion solle nicht einmalig bleiben. Seine Idee, einer Art Initiative für die Demokratie in Zusammenarbeit mit anderen Parteien könne er sich nach dem heutigen Tag gut vorstellen, ebenso wie eine Wiederholung des Stadtspaziergangs.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen