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Schlachthof : Tönnies stellt sich der Bürgerkritik

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Schlachthofbetreiber verspricht weniger Lärm und Gestank nach der Modernisierung – und der Bürgermeister sieht nur Positives.

Der Schlachtkonzern Tönnies ist neuer Besitzer der Firma Thomsen in Kellinghusen. Im Rahmen einer Bürgerunterrichtung stellte der Schlachthofbetreiber sich jetzt den Störstädtern vor. Die Reihen im Bürgerhaus füllten außerdem Landwirte aus der Region sowie Stadt-, Kreis- und Landespolitiker. Nicht alle Besucher im brechend vollen Saal teilten die Meinung von Bürgermeister Axel Pietsch, die Ansiedlung sei „eine positive Sache für Kellinghusen“.

Einige Kritiker wandten sich grundsätzlich gegen den Schlachthof, andere bemängelten die geplante maximale Ausschöpfung der Schlachtkapazitäten. In der Mehrzahl machten jedoch Anwohner ihrem Ärger Luft. Lärm- und Geruchsbelästigungen hätten seit Aufnahme der Schlachtaktivitäten durch den neuen Besitzer deutlich zugenommen. Entnervt beklagten sie einen „mörderischen“ Mist- und Verwesungsgestank sowie eine Dauerbeschallung durch Kühlaggregate.

Tönnies-Vorstandsmitglied Frank Duffe stellte sich den Vorwürfen und versprach Besserung nach der Modernisierung der Schlachtanlage. Beifall erhielt er für die Aussage, die Firma Tönnies wolle nach dem Motto „aus der Region für die Region“ dem Standort verbunden sein. Zum Beweis für das Engagement verabredete er sich kurzfristig zum Schnupper-Rundgang mit betroffenen Bürgern. Nicht nur im Umweltschutz wolle Tönnies Vorreiter sein. „Wir stehen auch für unsere Mitarbeiter gerade.“ Gerüchte über extrem niedrige Stundenlöhne seien falsch. Auch die ausländischen Mitarbeiter würden gleichwertig entlohnt. „Wir sind nicht nur Branchenführer, wir repräsentieren die Branche auch nach außen“, unterstrich Duffe den Anspruch des Familienunternehmens. Direkt einzustellendes Personal für den technischen Bereich sowie Handwerker für den Schlachtbetrieb suche die Firma auch für den Standort Kellinghusen.

Wegen des Nachwuchsmangels im Fleischer-Handwerk gebe es auch ausländische Mitarbeiter. Gearbeitet werde an fünf Tagen die Woche jeweils 16 Stunden plus eine Frühschicht am Sonnabend. Die Schlachtziffern richteten sich nach der wirtschaftlichen Lage und Nachfrage, so Duffe. Auszugehen sei von einer Anzahl von 800  000 Schweinen pro Jahr, oder pro Tag 930 Rindern.

Unter laufendem Betrieb soll in den nächsten drei Wochen eine neue Rinderbetäubungsanlage eingerichtet werden. Genehmigt und nicht schwarz, wie aus dem Publikum verlautete, werde derzeit der ehemalige Verwaltungs- und Sozialtrakt abgerissen. Architekt Elmar Busse präsentierte die Planung für den Schlachthof-Umbau mit neuer Schlachthalle, zweigeschossigem Kühlraum, drei Bürogeschossen, energetischer Sanierung und verbesserter Zuwegung.

Birigt Schade vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) verdeutlichte das anstehende Planungsverfahren. Am Ende listete der Bürgermeister aus Sicht der Stadt Vorteile der Tönnies-Ansiedlung (einziger Schweineschlachthof im Land) auf: Tierschutz durch kurze Wege, Investitionen von 19 Millionen Euro, Gewerbesteuer bleibt vor Ort, mehr Kaufkraft durch neue Mitarbeiter.

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