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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 20:02 Uhr

Walfang : Tödlicher Kampf auf stürmischer See

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Der Kollmarer Walfang und Robbenschlag im 18. und 19. Jahrhundert: Seeleute suchten Reichtum und Glück – einige bezahlten mit ihrem Leben

In den bisherigen Teilen der Serie wurde über die Beteiligung von Kollmarer Bürgern am Walfang und Robbenschlag der Kollmarer Fregatte Kleen Collmar und von Glückstädter Schiffen berichtet. In dieser Folge geht es um Seeleute aus Kollmar, die auf Schiffen aus Hamburg und Altona und anderen Grönlandfahrern ihren Dienst verrichteten.

 

Die Grönlandfahrten des 17. und 18. Jahrhunderts waren ein schwieriges Unterfangen. Der Ertrag blieb oft gering und die Jagd nach Walen und Robben im rauen Nordmeer war für die Seeleute lebensbedrohlich. Viele, die ausfuhren, kehrten niemals heim. Trotzdem scheint es für Männer aus Kollmar attraktiv gewesen zu sein, auf den Segelschiffen anzuheuern, die Richtung Norden ausliefen. Wie die Heimatforscherin Wanda Oesau in ihren Büchern über die Grönlandfahrten berichtet, fuhren Kollmaraner Seeleute nicht nur auf Kollmaraner und Glückstädter Schiffen, sondern ebenso auf Hamburger und Altonaer Seglern, später auch solchen von Brunsbüttel, Elmshorn oder Flensburg.

Altonaer Schiffe, die von Glückstadt ins Nordmeer ausliefen, waren 1790 Christian VII (139 Commerzlasten – 1 Commerzlast= 2,6 Tonnen), Grönland (153,5 Commerzlasten), Königin Juliana Maria (91 Commerzlasten) und Konferenzrat v. Aspern (152,5 Commerzlasten) des Altonaer Reeders Hinrich Dulz.

Christian VII taucht erstmalig 1770 bei den Altonaer Schiffen auf, mit 100 Commerzlasten vermessen. Ab 1787 bis 1803 und wieder von 1815 bis 1822 war Barthold Meinert, der 1786 die Kleen Collmar geführt hatte, der Kommandeur.

Unter der „Equipage von Christian VII. von 1794“ (Besatzungsliste) finden sich „Halb-Part Clas Ottens von Colmar, Matros Fried. Kopmann von Kolmar, Matros Peter Kopman von Colmar und der (Schiffs-)Junge Hinr.Kopmann von Colmar.“ Auf der Grönland fuhr im gleichen Jahr 1794 der „Matros Jac.Hauschildt von Colmar“.


Teile der Besatzungen werden am Ertrag der Fahrten beteiligt


 

Ein Halbpartfahrer erhielt vor Reiseantritt ein Handgeld, von dem er seine Ausrüstung zu bezahlen hatte. Nach der Reise wurde er anteilig am Ergebnis, also am Fang, beteiligt. In der Kostenaufstellung von 1799 für den Walfänger Margaretha betrug das Handgeld eines Halbpartfahrers 36 Mark (drei Monatsgehälter, die auf den späteren Lohn angerechnet wurden). Pro Quardeele (circa 100 Kilogramm) eingebrachten Fang erhielt er zwölf Schilling. Dazu kamen pro Monat zwölf Mark Lohn. Bei einer Fahrtzeit der Margaretha von zwei Monaten und 15 Tagen und einer Ausbeute von 188, 5 Quardelen sowie ein halber Ancker (ca. 18 Liter) Tran hatte er 183 Mark und sechs Schillinge verdient. Davon hätte er sich eine solide neue Schaluppe kaufen können.

Der oben genannte Halbpart Fahrer Clas Ottens wird der 1754 geborene Claus Ottens gewesen sein, der bei der Volkszählung von 1803 für Klein Collmar als Besitzer einer Kate am Deich in Kollmar verzeichnet wurde (heutige Adresse Schulstraße 24).

Der Matrose Peter Koopmann könnte entweder der ca. 1760 geborene Sohn von Franz Koopmann und seiner Frau Sielcke, geborene Thormählen, oder der um 1770 geborene Sohn von Franz Koopmann und Cilia, geborene Brasch, gewesen sein.

Der „Matros Friedr. Koopmann“ und der „Junge Hinr.Kopmann“ sind ziemlich eindeutig die Söhne des Schiffers Hinrich Koopmann und seiner Ehefrau Ahlheit, geborene Fesefeldt, gewesen. Friederich wurde am 14. Juli 1775 geboren, war also 1794 alt genug, um als Matrose auf einem Grönländer zu fahren. Der am 18. November 1780 geborene Hinnerich hatte damals gerade das Alter, um als „Junge“ anzuheuern. 1806 war er „Schiffer auf Schleuer“, und 1823 wurde er in den Kirchenbüchern als „Grönlandfahrer auf dem Strohdeich“ bezeichnet.

Jacob Hauschildt, der auf dem Schiff Grönland Matrose war, wohnte 1803 bei dem oben erwähnten Claus Ottens zur Miete (heute Schulstraße 24).

1820 fuhr der 23-jährige Matrose Jacob Koopmann aus Colmar auf dem Brunsbütteler Grönlandfahrer Einigkeit von Brunsbüttel (132,5 Commerzlasten). In der „Monsterrolle“ (Musterrolle) werden sein Handgeld und sein Monatslohn mit 23 Mark angegeben, und einen Schilling erhält er pro Quardeele Ausbeute. Im Jahr darauf taucht er als Matrose Jacob Kaufmann in den Listen auf und bekam 15 Mark Handgeld, fünf Mark Monatslohn und fünf Schilling pro Quardeele Fangbeteiligung.

Das Alter des Matrosen passt nur zu dem am 10. März 1796 in Kollmar geborenen Jacob Hinrich Koopmann. Er war der älteste Sohn des „Schiffers und Käthners bey der Schleuse“ Sim Koopmann, der vermutlich 1790 zur Mannschaft der Prinz Carl zählte und in diesem Zusammenhang bereits in vorherigen Teilen der Serie erwähnt wurde.

Wanda Oesau berichtet auch über vier Elmshorner Grönlandfahrer zwischen 1817 und 1872: Flora, Stadt Altona, Magdalena Friederike und Johann Christoph. Für Elmshorner Reeder und Kapitäne war es schwierig, die voll ausgerüsteten und proviantierten Schiffe von Elmshorn über die Krückau auslaufen zu lassen. Deshalb wurden Proviant und Ausrüstung auch in Glückstadt oder vor Kollmar liegend an Bord gebracht. Das Journal des Schiffes Stadt Altona verzeichnet für den 15. März 1844: „Segelten aus der Krückau in die Elbe, in der wir unter Kolmar zu Anker gingen, nahmen zwei Ever voll Proviant und Reisebedürfnisse an Bord.“


Für Hinrich Kölln endet die Grönlandfahrt tödlich


Auf diesem Schiff fuhr 1862 auch Hinrich Kölln aus Collmar, über dessen tödliches Unglück das Schiffsjournal des Kommandeurs Claus Meyn berichtet:

„8. April: Zu 5 Uhr machten sieben Schlupen (Beiboote) Jagd auf die Robben. Es wurde aber 7 Uhr dick von Schnee. Der Wind wurde immer stärker, dass die Schlupen wieder an Bord müssen. Um 9 Uhr waren sechs mit 40 Robben an Bord. Der Wind ging auf Ost-Nordost und wurde wieder zum harten Sturm. Wir suchten und segelten mit dichtgereften Marssegel im Eise hin und her, um die eine Schlupe aufzusuchen. Wir konnten sie aber leider nicht finden. Selbige war besetzt mit sechs Mann, Joachim Gehr aus Neuendorf, Jacob Dittmar aus Neuendorf, Johann Wischmann aus Heede, Hinnrich Ort aus Esing, Hans Müller aus Lith, Hinrich Kölln aus Collmar. Ich befürchte, dass sie verunglückt sind, wenn sie sich nicht in oder auf dem Eise haben retten können, wozu aber wenig Hoffnung ist, denn der Sturm wütete furchtbar. Abends 8 Uhr fanden wir uns genötigt aus dem Eise zu gehen, um das Schiff zu retten.

20. April: Wir trafen das Schiff Weser von Bremen, Comdeur Westermeier, welcher meine Leute […] geborgen hatte. Ein junger Mensch mit Namen Hans Müller war am 15. April gestorben da an Bord. Den anderen fünf waren die Füße sehr ausgefrohren , vorzüglich J.Wischmann, H.Ort und H.Kölln. Ich nahm sie an Bord, und es wird dabei gethan was möglich ist.

10. Mai: Abends 5 Uhr starb Hinrich Kölln aus Collmar.

12. Mai: Vormittags setzen wir unsere Leiche auf Seemannsweise in das Meer, auf 71 Grad Nördlicher Breite.“

Bei Hinrich Kölln kann es sich nur um den am 11. Januar 1844 geborenen Sohn von Johann Kölln und Catharina, geborene Bahlmann, handeln. Johann Kölln kam aus Seester und hatte nach Kollmar geheiratet, wo er 1844 mit seiner Familie am Neuen Weg wohnte. Für den Grönlandfahrer Der junge Martin von Flensburg verzeichnete Wanda Oesau in der Mannschaftsliste von 1861 den Halbpartfahrer Peter Kruse von der Deichreihe und den Monatsfahrer Hinrich Nagel, Camperrege. Zu Peter Kruse lässt sich kein passender Kollmarer Namensvetter finden. Hinrich Nagel könnte identisch sein mit dem am 30. März 1822 geborenen Claus Hinrich Nagel. Dieser war ein Sohn des „Schiffers am Collmardeich“ Jacob Nagel, der 1821 Luise Elisabeth Schröder geheiratet hatte. Die Camperrege (Camperreihe) bildet die Verlängerung des Steindeichs zum Collmardeich hin. Die Grönlandfahrt jener Zeit war ein schwieriges Geschäft und ein beschwerliches Unterfangen. Jeder hoffte auf den großen Fang, doch meist blieb der Ertrag gering. Manches Schiff ging in Eis oder Sturm verloren, viele Seeleute wurden Opfer des Eismeeres. Und doch heuerten immer wieder Männer auf den Grönländern an, im Vertrauen auf ihre Kraft, einen fähigen Kommandeur und auf Gott. Darunter waren, wie in den vier Folgen über den Walfang berichtet wurde, auch viele Kollmarer Bürger, als Mannschaft, Kommandeur oder auch als Reeder.

 

 

 

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