verurteilt : Tödlicher Fehler – Geldstrafe für Gefängnisarzt

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Ein Häftling stirbt in der JVA Itzehoe an einer Überdosis Methadon. Der Gefängnisarzt muss 9600 Euro Geldstrafe zahlen.

shz.de von
19. März 2014, 05:00 Uhr

Die Methadon-
Dosis war zu hoch, die Hilfe kam zu spät: So starb im Januar 2011 ein 26-Jähriger aus Wedel in der Itzehoer Justizvollzugsanstalt. Das Amtsgericht hatte den Gefängnisarzt zu 20 000 Euro Geldstrafe verurteilt. In der Berufung vor dem Landgericht wurden daraus 9600 Euro.

Vier Tage lang wurde gegen den im Kreis Steinburg niedergelassenen Allgemeinmediziner (47) verhandelt. Er hatte den Häftling nicht zu Gesicht bekommen, sondern 14 Milligramm Methadon am Telefon verordnet. Zuvor hatte der 26-Jährige gegenüber einem als Sanitäter ausgebildeten Wärter eine höhere Menge des Ersatzstoffes angegeben, als er tatsächlich benötigte. Strafverteidigerin Johanna Dreher-Jensen vermutete darin gar einen verkappten Selbstmord des Wedelers.

Nach der Methadon-Gabe sank der Häftlig in tiefen Schlaf. Zweimal bekam der Gefängnisarzt Anrufe aus der JVA mit der Nachricht, dass der Mann nicht mehr aufzuwecken sei. Spätestens jetzt hätte der Mediziner erkennen müssen, dass der 26-Jährige komatös war, sagte die forensische Toxikologin Dr. Stefanie Iwersen-Bergmann als Sachverständige. ,,Ein nicht erweckbarer Patient erfordert eine weitere Abklärung. Wenn er nicht reagiert: 112, das lernt jeder Mediziner im Studium.“ Doch der Angeklagte entschied, der Häftling solle weiterschlafen.

Als er um 18.15 Uhr selbst im Gefängnis war und den Patienten sah, orderte er den Rettungswagen. Doch die Notärztin konnte um 19.04 Uhr nur noch den Tod des Wedelers feststellen. Dabei hätten ihm rechtzeitige Beatmung und die Gabe des Gegengifts Naxolon fast sicher das Leben gerettet, sagte die Sachverständige, die zudem schwere Behandlungsfehler erkannte. So habe der Arzt den Mann nicht persönlich untersucht und ihm gleich eine große Dosis Methadon verabreichen lassen, statt mit einer kleinen zu beginnen und notfalls nachzusteuern.

Der Angeklagte gab sein Monatseinkommen mit knapp 6000 Euro an und rechnete vor, was er davon alles bestreiten müsse – angefangen von der eigenen Wohnung über den Stiefbruder, dem er eine teure Behandlung in Deutschland zahle, bis zur Unterstützung der Eltern in der fernen Heimat. Die Kammer halbierte das erstinstanzliche Urteil.

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