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Norddeutsche Rundschau

18. August 2017 | 17:17 Uhr

Tödliche Gefahren im Schornstein

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Dohlennester auf Wohnhäusern am Janssenweg müssen entfernt werden / Bezirksschornsteinfeger warnt vor Gasaustritt

Misstrauisch beäugt werden die Männer um Bezirksschornsteinfeger Thomas Dolling, als sie sich an den Schornsteinen zu schaffen machen. Ein knappes Dutzend Dohlen behält jede Bewegung aus einem nahen Baum heraus genau im Blick. Ab und zu kommen ein oder zwei der allgemein als besonders klug geltenden Vögel herangeflogen, um sich das Treiben aus der Nähe anzusehen. Die Tiere scheinen zu bemerken, dass das, was die Männer vorhaben, nicht in ihrem Sinne ist.

Dafür aber im Sinne der Bewohner der Häuser am Janssenweg. „Wir sind hier, weil die Dohlen in den Schornsteinen mit dem Nestbau begonnen haben“, sagt Dolling. „Das ist eine unter Umständen tödliche Gefahr für die Menschen im Haus.“ Ungewöhnlich sei der Nestbau zu dieser Jahreszeit. Dass die Rabenvögel sich für Schornsteine interessieren, kommt durchaus häufiger vor. „Dohlen sind Höhlenbrüter. Viele Möglichkeiten zum Brüten haben sie daher bei uns im Flachland nicht“, erklärt der Schornsteinfeger aus Brokdorf, der für rund 90 Prozent der Haushalte in Glückstadt zuständig ist. „Allerdings haben die Tiere hier erst jetzt im Herbst mit dem Nestbau begonnen – außerhalb der Brutzeit. Warum, weiß ich nicht. Im Sommer bei unserer jährlichen Kontrolle war noch keine Spur von ihnen zu finden.“ Die Bewohner von gegenüberliegenden Häusern hatten die Aktivitäten der Dohlen beobachtet und den Eigentümer informiert.

„Zum Glück“, sagt Schornsteinfeger Björn Rathmann, Geselle im Betrieb von Thomas Dolling. „Hier wird mit Gas geheizt und da ist ein verstopfter Schornstein besonders gefährlich.“ Bei einem Kamin oder Ofen, der mit Holz befeuert wird, sei schnell die Wohnung verqualmt, wenn der Schornstein nicht funktioniere. Bei Gasheizungen aber seien die giftigen Abgase geruchslos und unsichtbar. „Das bemerkt man gar nicht, bevor es vielleicht zu spät ist.“

„Die Tiere brüten besonders gern in Schornsteinen über Gasheizungen“, ergänzt Dolling. „Die Abgastemperatur ist bei Gas etwas niedriger. Schön mollig, aber nicht unangenehm.“

Dolling und seine Helfer entfernen nun mit Hilfe eines Hubsteigers die angefangenen Nester und versehen die Schornsteine mit einer Metallplatte als Abdeckung. Der freibleibende Spalt ist mit einem Drahtgeflecht versperrt.

Grundsätzlich rät Dolling allen Hausbewohnern, deren Schornstein zugänglich für Vögel ist, die Tiere auf ihren Dächern im Auge zu behalten. „Dohlen können in sehr kurzer Zeit einen Schornstein verstopfen. Wenn alles passt, ist das innerhalb eines Tages möglich.“ Moderne Heizungen hätten oft eine Messeinheit für zurück strömende Abgase, die automatisch abschaltet, wenn der Schornstein nicht in Ordnung ist, aber viele ältere Anlagen haben laut Dolling keine solche Sicherung. „Da hilft nur wachsam sein.“

Die Dohlen aus dem Janssenweg werden sich nun neue Domizile suchen müssen. Der Mangel an Nistplätzen macht der Vogelart des Jahres 2012 in ganz Deutschland zu schaffen. An vielen Orten werden Nisthilfen für die Tiere aufgehängt - was auch den Vorteil hat, dass nicht Schornsteine die erste Wohnungswahl für die schwarz-gefiederten Stadtbewohner sein müssen.

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erstellt am 29.Okt.2014 | 15:31 Uhr

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