Zirkus Charles Knie in Itzehoe : Tigergebrüll in der Innenstadt

Der Tiger Kashmere ist im Wohnwagen von Tiertrainer Alexander Lacey groß geworden.
Der Tiger Kashmere ist im Wohnwagen von Tiertrainer Alexander Lacey groß geworden.

Zirkus Charles Knie gastiert auf den Malzmüllerwiesen mit Raubtiertrainer Alexander Lacey. Peta fordert Auftrittsverbot mit Wildtieren

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13. April 2018, 05:00 Uhr

„Eines Tages haben wir wie verrückt unser Tigerbaby Max gesucht. Wir haben überall nachgeschaut, bis wir ihn in der Waschmaschine gefunden haben“, erzählt Tiertrainer Alexander Lacey. Heute passt der drei Meter große Tiger dort nicht mehr rein, stattdessen tritt er mit seinen wilden Freunde, vom 13. bis 14. April, im Zirkus Charles Knie auf den Malzmüllerwiesen auf.

In seiner Show gehe es darum, die Intelligenz, Athletik, Harmonie und Freundschaft der Tiere zu zeigen und nicht ihn selbst als mutigen Mann in den Vordergrund zu stellen, sagt Lacey. Einen Sprung durch einen brennenden Reifen gebe es deshalb nicht, stattdessen einfache, natürliche Bewegungen der Tiere. Neben dem Tiertrainer treten im Zirkuszelt Artisten aus aller Herren Länder auf. Dazu gehören vier australische Brüder, die eine Handstand-Nummer zum Besten geben, der Clown Henry, die Tiershows von Mark Jama und seinen Lamas, Zebras, Pferden und Kängurus und auch das Live-Orchester sowie das Show-Ballett. „Wir haben in dieser Show die unterschiedlichsten Talente“, verspricht Pressesprecher Patrick Adolph.

Besonders stolz ist er auf die Löwen- und Tigerdressur von Lacey. Bis der heute 42-jährige Engländer jedoch so weit war und selbst mit den Tieren arbeiten durfte, musste er erst ein Mal fünf Jahre die Käfige schrubben. Seine Eltern besaßen zwei Zoos in England und später einen Zirkus. Der Vater trainierte die Löwen, die Mutter führte Kunststücke mit Polarbären auf. Alles was er wissen musste, haben sie ihm beigebracht, sagt Lacey. Der Umgang mit den Tieren baue auf Respekt auf, das Training brauche vor allem Zeit. Angst habe er nicht und bisher lediglich einen Kratzer abbekommen. „Das ist vor einer Woche in Stendal passiert. Ich bin zwischen zwei Weibchen gekommen, die paarungswillig waren. Um eine Infektion auszuschließen, bin ich zur Beobachtung eine Weile im Krankenhaus geblieben.“

Wegen Gefahren wie diesen kritisiert unter anderem die Tierschutzorganisation People for the Ethical Treatment of Animals (Peta) den Zirkus Charles Knie. Außerdem bemängeln die Tierschützer: „Es ist unerhört, dass im Jahr 2018 noch Tiger und Löwen in engen Käfigen von Stadt zu Stadt transportiert und mit der Peitsche dressiert werden“, sagt Peta-Fachreferentin Yvonne Würz. Es sei eine „regelrechte Stresstournee“, welche die Tiere des Zirkus mitmachen, da dieser durchschnittlich alle vier Tage den Ort wechselt. Aber auch ohne Transporte sei die Haltung nicht artgerecht. Peta fordert deshalb ein Verbot von Tieren im Zirkus.

Alexander Lacey ist der Meinung, dass es die falsche Botschaft ist, dass Tiere besser in der Wildnis aufgehoben sind, denn echte Wildnis sei kaum noch vorhanden. Auf den wenigen „Inseln“, die beispielsweise Großkatzen zur Verfügung stehen, gebe es vermehrt Krankheiten, Inzucht und geschwächte Populationen. Deshalb sei die Haltung der Zirkustiere auch ein Beitrag zum Erhalt der Arten. „Dafür ist Gefangenschaft die einzige Option“, sagt Lacey.

Auch Kritik an den Haltungsbedingungen will der Tiertrainer nicht gelten lassen und verweist auf häufige Kontrollen durch die Veterinärämter. „Wir sind quasi unter einem Mikroskop. Der Zirkus ist einer der am häufigsten kontrollierten Betriebe, die es gibt“, sagt der Tiertrainer.

Das bestätigt der für das Veterinärwesen im Kreis Steinburg zuständige Dezernent und Tierarzt Hans Treinies. „Jeder Zirkus hat eine Betriebsgenehmigung mit Auflagen für die Tierhaltung von dem Veterinäramt seines Heimatkreises.“ Deren Einhaltung werde ebenso wie die aller allgemeingültigen tierschutzrechtlichen Bestimmungen regelmäßig überprüft – gerade auch, wenn der Zirkus reise. „Und wir sind in engem Austausch. Aktuell gibt es beim Zirkus Charles Knie aus Sicht der Veterinärbehörden keine Beanstandungen“, so Treinies. Als Tierarzt sei er aber der Meinung, eine attraktive Zirkusshow ließe sich auch mit Haustieren, die besser für ein Leben im Zirkus geeignet seien, bieten. „Das ist aber meine persönliche Meinung – die geltende Rechtslage erlaubt auch die Dressur von Wildtieren.“ Dies zu ändern, sei nicht Sache der Amtstierärzte, sondern der Politik.


>Vorstellungen gibt es heute um 16 und 19.30 Uhr sowie Sonnabend um 19.30 Uhr und Sonntag um 11 und 15 Uhr. Am Sonnabend gibt es außerdem einen Tag der offenen Tür mit Raubtierprobe: Von 11 bis 13 Uhr, Eintritt kostenlos.

Eintrittspreise: 1. Loge 34 Euro (Ermäßigt 30 Euro), 2. Loge 32 Euro (Ermäßigt 28 Euro), Tribüne 26 Euro (Ermäßigt 22 Euro), Rang 15 Euro (Ermäßigt 12 Euro). Reservierungen ab 10 Uhr an der Zirkuskasse.

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