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Bauernhof in Dithmarschen : Tierquälerei: Prozess gegen Milchbauern verschoben

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Der Mann soll seine 700 Tiere vernachlässigt haben. Bei einer Razzia im Dezember 2014 musste der Tierarzt fünf Kühe einschläfern.

Süderheistedt/Meldorf | Der Prozess gegen einen Milchbauern aus Dithmarschen wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz ist geplatzt. Grund ist ein erfolgreicher Befangenheitsantrag der Verteidigung gegen eine Sachverständige, sagte am Montag der Direktor des Amtsgerichts Meldorf, Christian Korf. Jetzt müsse ein neuer Sachverständiger beauftragt werden. Der Prozess werde in einem neuen Anlauf noch in diesem Jahr starten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, seine mehr als 700 Kühe vernachlässigt zu haben.

Bei einer Razzia hatten Ermittler im Dezember 2014 erschreckende Zustände aufgedeckt. Viele der rund 700 Rinder auf dem Bauernhof in Süderheistedt waren abgemagert. Fünf Kühe musste der Tierarzt noch während der Durchsuchung einschläfern, um sie von ihren Leiden zu erlösen. Weitere 47 Tiere wurden untersucht und behandelt.

Ein Großaufgebot von Polizei, Ordnungsamt und Veterinärbehörden brauchte damals zwei Tage, um die Zustände in dem Betrieb zu dokumentieren: „Kollegen berichteten, es sah furchtbar aus - schreckliche Zustände“, sagte Polizeisprecherin Merle Neufeld.

Unter Auflagen durfte der Landwirt seinen Betrieb zunächst weiterführen. Der Bauer soll den Hof allerdings schon länger vernachlässigt haben. Nach Angaben der Polizei war der Gesundheits- und Pflegezustand vieler Tiere besorgniserregend, die Kälber waren zum Teil stark verschmutzt. Auch die Stallungen seien teils stark verdreckt gewesen, zu dunkel und zu eng. Bei der Geburt ihrer Kälber mussten die Kühe auf nacktem Betonboden stehen. Silagesäfte strömten laut Polizei ungehindert und in großen Mengen in angrenzende Gräben und Flüsse beziehungsweise versickerten auf Wiesen. Asbestabfälle und landwirtschaftliche Fahrzeugwracks lagen auf dem zum Teil verwilderten Gelände.

Die Behörden waren auf den Milchbauern aufmerksam geworden, nachdem eine „unverhältnismäßig hohe Sterberate von mehreren hundert Rindern und die Nichteinhaltung von ordnungsrechtlichen Auflagen“ bekanntgeworden war.

Auf dem Milch-Hof des Bauern waren bereits früher erhebliche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und gegen umweltrechtliche Bestimmungen festgestellt worden. Darauf erfolgten damals neben der Einleitung von Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren drastische Auflagen, die dem Landwirt mit festen Terminen zur Umsetzung bekanntgegeben wurden. Diese hatte der Landwirt jedoch nicht eingehalten, wie die Razzia im Dezember 2014 deutlich machte.

Die Behörden hatten anhand der Unterlagen und Bilder die Missstände aufgelistet und ein Strafverfahren wegen mehrerer, wiederholender Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und das Umweltrecht eingeleitet.

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erstellt am 12.Okt.2015 | 11:30 Uhr

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