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Norddeutsche Rundschau

24. Oktober 2017 | 03:21 Uhr

Itzehoe : Tierischer Besuch im Altenheim

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Seit mehr als zehn Jahren kommt Ursula Körner mit ihrem Hund zu Senioren – und öffnet verschlossene Herzen.

Ganz kurz kommt die Hundeschnauze an ihre Wange, als Ruth Liedloff sich herunterbeugt. Und ganz schnell leckt Ferry der Seniorin über die Haut. Ruth Liedloffs Gelächter schallt durch den Speisesaal des Itzehoer Cläre-Schmidt-Senioren-Centrums (CSSC). „Er hat mich geküsst“, sagt sie vergnügt. „Vom Hund geküsst, das ist mir auch noch nicht passiert.“ Und dann gibt es die nächste Streicheleinheit für den fünf Monate alten Collie-Rüden mit dem weichen Fell, der sich nun wieder ganz brav neben Liedloffs Stuhl setzt.

Einsamkeit und Lethargie haben keine Chance, wenn Ferry die Bewohner des Seniorenheims der DRK-Schwesternschaft Ostpreußen besucht. Jeden Freitagnachmittag kommt Frauchen Ursula Körner mit ihrem jungen Hund vorbei und sorgt jedes Mal für Aufsehen und freudige Gesichter unter den Bewohnern. Der Hundebesuch hat einen festen Platz im Kalender der Aktivitäten des Hauses zwischen Gymnastik-Kursen und Bingo-Nachmittagen und erfreut sich großer Beliebtheit.

Besuchshundedienste sind heute in Deutschland weit verbreitet in Einrichtungen für Senioren oder Menschen mit Behinderung. Die positive Wirkung der Tiere bestreitet kaum jemand. Doch als Ursula Körner vor mehr als zehn Jahren mit ihrem Hund Buddy damit anfing, gehörte sie zu den Pionieren auf dem Gebiet. „Die Idee kam aus unserer Mitarbeiterschaft“, berichtet Angela Eggers, Oberin der DRK-Schwesternschaft. „Wir sind immer auf der Suche nach innovativen Ideen, um unsere Pflege zu verbessern, und Kolleginnen hatten von erfolgreichen Hundeprojekten gehört.“ Über persönliche Kontakte fanden sich die ersten Hundebesitzer, die ehrenamtlich mit ihren Vierbeinern zu Besuch kamen. „Ich wurde dann angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, mitzumachen“, sagt Ursula Körner.

Sie hatte Lust und kam über zehn Jahre regelmäßig mit Collie Buddy. „Ihn mussten wir leider im Alter von über 13 Jahren einschläfern lassen“, sagt die Oldendorferin. Aber mit Nachfolger Ferry will sie die Arbeit, für die sie kürzlich beim Neujahrsempfang von Stadt und Kreis ausgezeichnet wurde, fortsetzen. Eine besondere Ausbildung bekommt Ferry nicht. „Learning by doing“ ist das Konzept, das Ursula Körner mit ihrem Hund verfolgt. „Ich habe mich mit meinem Tierarzt besprochen und führe ihn nun ganz langsam an die Aufgabe heran. Er ist ja schließlich noch ein Kind“, sagt sie über ihren Hund. Die Besuche im Heim hält Körner daher vorerst bewusst kurz. Einen professionellen Hundetrainer würde sie nur hinzuziehen, wenn Probleme auftauchen. Die seien aktuell aber nicht in Sicht.

Viel tun muss Ferry auch gar nicht. Einfach Hund zu sein, reicht schon für gute Stimmung. „Hunde sprechen Menschen auf einer emotionalen Ebene an“, sagt Angela Eggers. Das Gefühl des Fells, die Wärme, der Geruch und die Geräusche weckten oft Erinnerungen. Und öffneten manchmal verschlossene Herzen. „Es gab zum Beispiel eine Bewohnerin, die völlig verschlossen war und kein Wort sprach, obwohl sie schon länger hier war“, berichtet Ursula Körner. „Als ich sie mit Buddy besuchte, reagierte sie aber sofort auf den Hund.“ Schon beim zweiten Besuch habe die Frau dann angefangen, zunächst mit dem Hund zu sprechen. Im Laufe der Zeit redete sie dann auch mit dessen Frauchen und dem Pflegepersonal.

Natürlich sei das Konzept Besuchshund nicht für jeden Bewohner geeignet, erklärt Elke Kirchhoff-Rode, Pflegedienstleiterin im CSSC. Schließlich möge nicht jeder Mensch Hunde. „Wir zwingen niemandem etwas auf.“ Die Besuche werden stets im Terminkalender angekündigt, und jeder entscheide selbst, ob er teilnehme. Bei dementen oder bettlägerigen Bewohnern schaue das Pflegepersonal nach Rücksprache mit den Angehörigen, ob man einen Kontakt mit den Vierbeinern vorsichtig anbahne.

„Wenn es gut läuft, dann liegt der Hund auch schon mal mit im Bett und lässt sich durchkraulen“, sagt Ursula Körner. Sie will ihre ehrenamtliche Arbeit mit Ferry fortsetzen. „Solange es mir und dem Hund gut geht, kommen wir immer wieder gern vorbei.“

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