zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 10:48 Uhr

Verkehr : Tiefer, breiter, schöner

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Tuning ist für Autoliebhaber wie Luigi Di Leone ein Muss

von
erstellt am 08.Apr.2015 | 15:52 Uhr

Als Luigi Di Leone an diesem Vormittag mit seinem Fiat Barchetta auf das Gelände des TÜVs in Itzehoe-Wellenkamp fährt, ist er nervös. „Ich habe schon etwas Bammel“, gesteht der 56-Jährige. Denn der rote, gut 20 Jahre alte Sportwagen des Glückstädters hat einige Veränderungen hinter sich. Und die sollen nun offiziell abgenommen werden. Dafür ist Diplom-Ingenieur Bernd Mathiszick zuständig. Der Sachverständige wird das so genannte Tuning genau unter die Lupe nehmen.

Zusätzliche Front- und Heckspoiler, Seitenschweller sowie neue Felgen und Reifen − darum geht es an diesem Vormittag. „Im Normalzustand ist das Auto nicht komplett“, findet Di Leone. Deswegen hat er in den Zweisitzer auch neue Sitze − passend zur Wagenfarbe − eingebaut. Doch für die Sitze hat Mathiszick keine Augen. Der 53-Jährige beginnt zunächst mit der Dokumentation, macht Fotos, macht sich Notizen. Schnell wird klar: Für Felgen und Reifen liegt kein Gutachten vor. Dieses oder eine sogenannte allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) würden den Prüf-Prozess beschleunigen. So muss der Sachverständige im Büro auf den Seiten des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) recherchieren. Sind die Reifen für das Fahrzeug bereits geprüft? Wie sieht es mit Einpresstiefe, Größe und Tragfähigkeit der Felgen aus? Doch nach kurzer Zeit befindet Mathiszick: Alles in Ordnung. Erstes Aufatmen bei Luigi Di Leone. Zwar sei alles vorschriftsgemäß ein- und umgebaut, doch man wisse ja nie.

Es folgt Teil Zwei der Prüfung, Spoiler und Schweller. Für diese Teile hat der Glückstädter Gutachten mitgebracht. Sie stammen aus Österreich. Mathiszick überprüft ihre Gültigkeit. „Alles okay.“ Bleibt ein letzter Test. „Ich prüfe Spoiler und Schweller auf Festigkeit“, erläutert der TÜV-Mitarbeiter. Nachdem er auch hier nichts auszusetzen hat, kann Di Leone endgültig durchatmen. Sein roter Flitzer hat es geschafft. Echte Zweifel habe er daran zwar nicht gehabt, so der Glückstädter, doch „leicht feuchte Hände“ habe er trotzdem jedes Mal.

Jedes Mal – denn der 56-Jährige tunt seine Fahrzeuge bereits seit Jahren. Derzeit besitzen er und seine Frau Liane fünf Autos. Vier der Marke Fiat und einen Golf. Volkswagen? „Eine Ausnahme“, gesteht Di Leone, denn eigentlich setzt der aus Bari stammende Italiener ganz auf Wagen aus seiner Heimat − außer Fiat hatte er auch schon Fahrzeuge von Alfa Romeo und Lancia. Das Tuning scheint der Familie im Blut zu liegen. Denn auch die 56 Jahre alte Liane Di Leone teilt die Leidenschaft ihres Mannes. Und auch die drei Kinder sind „Autofreaks“, einer habe sogar schon einen Tuning-Preis gewonnen, so die 56-Jährige.


Erst die Sicherheit, dann die Optik


Vor der Optik steht allerdings die Sicherheit an erster Stelle, da sind sich sowohl TÜV-Prüfer Mathiszick als auch Tuning-Liebhaber Di Leone einig. Vieles macht der Glückstädter selber, doch hin und wieder erhält er auch professionelle Hilfe. „Wir haben in der Familie einen Kfz-Mechatroniker“, berichtet er. Zudem ist er Mitglied im Club „Barchetta Nord“, deren Mitglieder sich auch regelmäßig unterstützen. Bevor Luigi Di Leone allerdings vom Gelände des Itzehoer TÜV fahren darf, händigt Bernd Mathiszick ihm noch die Unterlagen samt Prüfbericht aus. Mit diesen muss der 56-Jährige nun noch zur Zulassungsstelle.

Für Mathiszick ist die Arbeit damit erledigt. Eine Arbeit, die aus weit mehr als der reinen Begutachtung des Fahrzeugs besteht. „Gerade die Dokumentation ist sehr anspruchsvoll“, sagt der 53-Jährige, der einer von vier TÜV-Abnahme-Ingenieuren in der Region ist. Ein Drittel seiner Arbeitszeit verbringe er damit. Denn: „Die Abnahme muss lückenlos dokumentiert werden.“ Und das mit Fotos und Text. Den abschließenden Bericht bestätigt der Sachverständige mit seiner Unterschrift und einem Siegel. Zehn Jahre müssen die Unterlagen anschließend archiviert werden.

Der Fiat Barchetta? Für Mathiszick, der seit 1991 beim TÜV ist, ein Routinefall. Doch grundsätzlich sei seine Arbeit immer auch mit einem gewissen Maß an Überraschung verbunden. „Man weiß nie, was genau umgebaut und ob es ordentlich gemacht wurde.“ In rund zehn Prozent der Fälle müsse er deswegen sagen: „Das geht nicht.“ Ein Schicksal, das Luigi Di Leone erspart bleibt.

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen