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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 16:02 Uhr

Itzehoe : Thomas Theisen schmeißt hin

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Formal muss der Kandidat für das Amt des Bürgermeisters allerdings zur Wahl antreten. Mitbewerber zeigen sich überrascht

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2015 | 12:22 Uhr

Der Tag beginnt gestern mit einem politischen Paukenschlag: „Ich trete von der Kandidatur als Bürgermeister zurück“, sagt Thomas Theisen. „Das geschieht allein aus persönlichen und familiären Gründen, bitte haben Sie Verständnis, dass ich dazu nicht weiter Stellung beziehen möchte“, sagt Theisen unserer Zeitung. Er bedauere seinen Rückzug. „Aber es geht eben nicht anders.“

Das habe er auch dem Gemeindewahlleiter mitgeteilt. „Das stimmt – aber Herr Theisen kann gar nicht von der Kandidatur zurücktreten“, sagt Holger Pump. Das verbiete das Wahlgesetz. „Nach der Zulassung durch den Gemeindewahlausschuss am 25. September müssen alle Kandidaten auch bei der Wahl am Sonntag, den 8. November, antreten“, so Pump. „Damit soll verhindert werden, dass Bewerber sich es ein paar Tage vor der Wahl noch wieder anders überlegen.“ Die Wahlzettel seien schon gedruckt, die ersten Briefwahlunterlagen würden verschickt.

Beim Landeswahlleiter wird keine Statistik geführt, wie häufig so ein Rückzug schon vorgekommen ist, da das Sache der Gemeinden sei, so Hans-Jürgen Thiel aus dem Innenministerium. „Es hat aber schon mal den einen oder anderen Fall gegeben.“ Eine Bürgermeisterwahl könne nur beim Tod eines Kandidaten verschoben werden, dann würden auch neue Wahlzettel gedruckt. „Herr Theisen muss antreten – was er aber im Fall seine Wahl machen wird, das bleibt natürlich seine Entscheidung“, sagt Holger Pump.

Theisen wird gestern von der Nachricht überrascht, dass sein Rückzug rechtlich nicht möglich ist. „Ich kann mich ja nicht über das schleswig-holsteinische Gemeindewahlrecht hinwegsetzen. Für den Fall, dass ich gewählt werden sollte, werde ich die Wahl dann nicht annehmen – diese Verantwortung werde ich übernehmen.“

Theisen hat den Wahlkampf bereits eingestellt, seine Internetseite stillgelegt. „Ich verstehe, dass jetzt manche Menschen in der Stadt enttäuscht sind.“ Das gelte vor allem für die Itzehoer Bürger, die ihm ihre Zustimmung ausgedrückt hätten, weil sie mit seinem Konzept etwas anfangen konnten. Vor allem seinem Unterstützer-Team dankte der 54-Jährige, der sein politisches Engagement aber nicht komplett aufgeben will. „Obwohl ich aus Münsterdorf komme, habe ich seit über 20 Jahren die Politik in Itzehoe verfolgt und werde das auch weiter tun.“ Er sei in Kontakt mit verschiedenen Interessenverbänden und Parteien, wolle sich einmischen. Zur öffentlichen Vorstellung der Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters am Mittwoch, 14. Oktober, 19 Uhr, im Theater, will er allerdings nicht kommen. Und eine Wahlempfehlung für einen der beiden Gegenkandidaten will er auch nicht geben.

Die reagieren gestern mehr als überrascht. „Ich bin sprachlos“, sagt Amtsinhaber Andreas Koeppen. Er nehme den Wahlkampf aber nach wie vor ernst, der laufe wie geplant weiter. Wie der andere Kandidat Martin Wnuck wünscht der Sozialdemokrat Thomas Theisen alles Gute „und dass sich bei ihm alles wieder regelt“.

Wnuck zeigt sich „fassungslos. Ich bedauere sehr, dass es jetzt nur noch zwei Kandidaten gibt.“ Für die Wähler wäre es besser gewesen, wenn sie die Wahl zwischen möglichst vielen Bewerbern gehabt hätten. „Da wären vielleicht noch mehr Leute zur Wahl gegangen, die das sonst nicht machen“, meint Wnuck, der bei der jüngsten Wahl knapp fünf Prozent der Stimmen erzielen konnte. Er sieht für sich einen Vorteil: „Meine Chancen haben sich durch den Rückzug von Thomas Theisen zumindest nicht verschlechtert.“

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