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Lautstärke-Test in Itzehoe : Test mit dem Smartphone: Wie laut ist es in der Stadt?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Laut ist es nicht nur in der Silvesternacht - aber wo gibt's den meisten Krach? Die Ergebnisse des Tests in Itzehoe sind überraschend.

shz.de von
erstellt am 01.Jan.2016 | 16:34 Uhr

Es hat ordentlich gekracht in der Silvesternacht. In der Spitze wurden im Itzehoer „Bermuda-Dreieck“ bei startenden Raketen, explodierenden Böllern, Musik und Rufen 121,7 Dezibel gemessen. Doch ist das viel? Und ist das schon bedenklich für die Gesundheit der Ohren?

Lärm kann krank machen - denn wenn es laut ist, schüttet der Körper Stresshormone aus, der Blutdruck steigt und das Herz schlägt schneller. Durch Lärm wird auch das Risiko für einen Herzinfarkt erhöht, schreibt die Apotheken-Umschau.

„Wir haben immer wieder nach Silvester rund eine Hand voll Menschen, die mit einem Lärmtrauma zu uns kommen“, sagt Jürgen Hertzsch, Hals-Nasen-Ohrenarzt im Medizinischen Versorgungszentrum am Prinzesshofpark. Das seien aber Unfälle, etwa wenn ein Böller direkt neben dem Ohr explodiert. „Das allgemeine Geknalle ist für die meisten Menschen aber kein gesundheitliches Problem – auch nicht wenn es ein paar Stunden lang dauert“, sagt der Fachmann.

Allerdings gebe es ein Problem, wenn der Mensch noch länger Lärm ausgesetzt ist – etwa am Arbeitsplatz. „Alles, was chronisch ist, ist ungesund – allerdings hat der Gesetzgeber meist recht gute Lärmschutzverordnungen erlassen“, sagt Hertzsch. Trotzdem kann Lärm krank machen: Es gebe Untersuchungen laut denen Menschen, die an viel befahrenen Straßen wohnen häufiger von Herzinfarkten betroffen sind als solche, die in ruhigeren Gebieten lebten. Allerdings könnten sich die Menschen an den Krach im Alltag gewöhnen. „Sie blenden den Lärm aus.“

Doch wie laut ist es in Itzehoe im Alltag? Ein Lautstärke-Test - gemessen an verschiedenen Stellen der Stadt - soll Aufschlüsse geben.

„Sie wollen etwas hören, was laut ist? Kein Problem, da können Sie jederzeit vorbeikommen“, sagt Birgit Reese, Erzieherin in der Kindertagesstätte Juliengadeweg. Und die Lütten in der Gruppe 4 geben dann gleich mal ordentlich Gas. Auf 105 Dezibel schlägt die Anzeige des Smartphones aus. Ein Spitzenwert. „Zum Glück ist es nicht immer so“, sagt Birgit Reese, die allerdings der Lärm auch nicht krank macht. „Das gehört einfach zu meinem Job dazu – und es ist ja nicht immer so laut.“ Mit einem leisen Bimmeln einer kleinen Glocke sorgt sie binnen Sekunden für Ruhe unter den Kindern.

Auch die Feuerwehrleute in Itzehoe müssen Lärm abkönnen. 100 Dezibel ergibt die Messung des Martinshorns mit dem Handy. „In unseren alten Helmen hatten wir einen eingebauten Hörschutz, der hat viel abgehalten“, sagt Feuerwehrsprecher Julian Stöver. Doch auch so sei der Lärm zu ertragen. „Bei den neuen Fahrzeugen sind die Hörner unten angebracht, wir sitzen also auf dem Lärm. Und im Auto ist es auch nicht so laut wie draußen.“ Was allerdings überrascht, ist der Trockner in einer Autowaschanlage: Mit 103 Dezibel ist er lauter als das Martinshorn.

Und gibt es auch ganz stille Plätze in Itzehoe? Nicht wirklich: In der Mitte des Friedhofes Brunnenstraße steht ein Stein auf dem steht: „Dem Gedenken der Toten, die in Frieden ruhen“. Allerdings liegt die Ruhe hier bei 42 Dezibel. Wenn es in einem normalen Raum ruhig ist, liegt der Grundlärmpegel bei 40 Dezibel. Selbst in einem stillen Schlafzimmer in der Bismarckstraße um 5.30 Uhr morgens kann man noch 31 Dezibel messen.

Wenn es in der Fußgängerzone lauter wird, weil mehrere Menschen sich unterhalten, schlägt das mit 80 Dezibel zu Buche. Auch wer sich ins Stör Carree auf der Suche nach Ruhe zurückzieht, bekommt 55 Dezibel auf die Ohren, wenn Musik läuft. Auch ohne Lieder ist es nur zwei Dezibel leiser. Und selbst an der Stör gibt es einen Grundpegel von über 40 Dezibel. Schneidet im Dönerladen der Besitzer Salat, kommen beim Gast 80 Dezibel an – genauso viel wie an einer normalen Durchgangsstraße.

Und auch wenn viele Itzehoer sich an den dauerhaften Geräuschpegel gewöhnt haben, gebe es eine natürlich Reaktion, sagt Hals-Nasen-Ohrenarzt Jürgen Hertzsch: „Lärm löst bei Menschen erst einmal einen Fluchtinstinkt aus, weil wir Gefahr wittern.“

 

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