zur Navigation springen

Breitbandausbau in Steinburg : Telekom ärgert Zweckverband

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Im Rennen um das schnelle Internet in Steinburg sieht das kreisweite Bündnis den Glasfaser-Ausbau in ländlichen Bereichen gefährdet.

von
erstellt am 27.Okt.2017 | 12:30 Uhr

Der Breitbandausbau im Kreis Steinburg ist auf der Zielgeraden, doch bei den letzten Gemeinden läuft nicht alles rund. Probleme bereitet dem Zweckverband Breitband Steinburg die Telekom, die dem Verbund künftige Kunden abspenstig macht. „Wir haben Sorge, das gesteckte Ziel, den gesamten Kreis ans schnelle Internet anzuschließen, nicht zu erreichen“, sagt Verbandsvorsteher Ernst-Wilhelm Mohrdiek. Dabei geht es vor allem um die Bereiche Wilster, Kollmar und Kiebitzreihe, wo die Vermarktung über die Stadtwerke Neumünster noch nicht angelaufen ist. Gemeinsam mit Landrat Torsten Wendt appelliert er an die Bürger, sich dem Steinburger Solidarprojekt anzuschließen. Denn nur der Zweckverband mit seinem Partner Stadtwerke garantiere, dass nicht nur die größeren Siedlungsgebiete, sondern der gesamte ländliche Raum mit Glasfaser versorgt werde.

„In vielen Gemeinden, die der Zweckverband erschließt, taucht wie von Zauberhand auch die Telekom auf“, sagt Wendt. Allerdings nur in den größeren Kommunen, wo es sich wirtschaftlich lohne. Die ländlichen Gebiete einschließlich Außenbereiche würden nur durch den Zweckverband erschlossen. Daran habe die Telekom kein Interesse. Er wolle nicht den freien Wettbewerb bekämpfen, sehe die Aktivitäten des Unternehmens bis hin zu fragwürdigen Werbeanrufen bei Bürgern, wie er selbst erfahren habe, aber skeptisch. Auf Unverständnis stoße bei den Bürgern – zurzeit vor allem in Wilster und Kollmar – die doppelte Bautätigkeit. Erst baue die Telekom, dann der Zweckverband.

Zukunftsträchtig, so Verbandsvorsteher Mohrdiek, sei vor allem die Zweckverband-Variante mit einem Glasfaseranschluss bis ans Haus. Die Konkurrenz würde auf das so genannte Vectoring setzen. Dass heißt, auf den letzten Metern zum Haus würden Kupferkabel verlegt, das schmälere die Leistung. Dies könne nur eine Zwischenlösung sein. „Denn in Zukunft wird noch mehr Datenvolumen gebraucht“, sagt Mohrdiek. Als Stichworte nennt er Heim- und Telearbeit, Telemedizin oder Internet-TV. Die Stadtwerke Neumünster, die im Auftrag des Zweckverbandes das kreisweite Netz bauen und 20 Jahre auf Pachtbasis betreiben werden, spürten die Entwicklung bereits. Bei Beginn des Ausbaus hätten die Kunden überwiegend Leistungspakete mit einer Downloadgeschwindigkeit von 50 Mbit bestellt, heute sei das 250-Mbit-Produkt der Bestseller. „In wenigen Jahren wird ein Gigabyte Standard sein.“ Für Torsten Wendt gehört das schnelle Internet mittlerweile zur Daseinsvorsorge – ähnlich wie Wasser und Strom.

Nicht nur Steinburg klage über Probleme mit der Telekom, andere Kreise seien ebenfalls betroffen. Die kommunalen Spitzenverbände beschäftigten sich mit Thema, ebenso wie der Bund. Doch dort sei die Reaktion eher zwiespältig, so Mohrdiek. Zum einen bezuschusse der Bund den flächendeckenden Ausbau mit Glasfaser, zum anderen sei er Hauptaktionär der Telekom.

Das Unternehmen sieht sich allerdings nicht als Buhmann im Wettbewerb um den Breitband-Ausbau, schon gar nicht als Bremser im ländlichen Raum. „Keiner treibt den Breitbandausbau so sehr voran wie die Telekom. Allein in diesem Jahr werden wir weitere drei Millionen Haushalte an das superschnelle Netz anschließen. Wir investieren derzeit pro Jahr rund fünf Milliarden Euro in Deutschland – das ist Rekord“, sagt Firmensprecherin Stefanie Halle auf Anfrage. Seit 2010 seien im Schnitt rund 25 000 Kilometer pro Jahr hinzugekommen. „Mit mehr als 455 000 Kilometern haben wir das mit Abstand größte Glasfasernetz in Deutschland.“

Die Telekom setze auf Vectoring, weil nur so auch die Menschen in den ländlichen Gebieten zeitnah schnellere Anschlüsse bekommen könnten. „Es ist schlichtweg unmöglich, schon heute Glasfaser überall bis in die Häuser zu verlegen. Dafür gibt es weder die Tiefbaukapazitäten noch die finanziellen Mittel“, so Stefanie Halle.“ Und übrigens auch keine Nachfrage. Die Telekom habe sich verpflichtet, 80 Prozent der Haushalte mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde zu versorgen. „Das setzen wir um und das schließt Rosinenpicken per se aus.“ Der Vectoring-Ausbau basiere auf Glasfaser. Die Glasfaserkabel würden dafür bis zu den Kabelverzweigern verlegt, den grauen Kästen am Straßenrand. Von dort aus könne die Glasfaser dann in einem zweiten Schritt weiter zu den Haushalten gebracht werden.

Und zu dubiosen Werbeabrufen heißt es von Seiten der Telekom auf Nachfrage: „Wir dürfen Kunden nur anrufen, wenn wir ihre Genehmigung dazu haben. Das ist die so genannte Konzerneinwilligungsklausel. Wenn diese vorliegt, haben wir die Autorisierung die Kunden anzusprechen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen