Arbeitsmarkt : Teilzeitarbeit gegen Strukturproblem

Leisten in Wort und Tat Strukturarbeit: (von li.) Monica Kotte, Prof. Dr. Frigga Haug, Dr. Christoph Hutter,  Astrid Nielsen und Doris Schneider
Leisten in Wort und Tat Strukturarbeit: (von li.) Monica Kotte, Prof. Dr. Frigga Haug, Dr. Christoph Hutter, Astrid Nielsen und Doris Schneider

Frauen und Beruf: Auf einer Tagung in Itzehoe werden neue Modelle diskutiert.

shz.de von
18. Juni 2014, 17:30 Uhr

Sie beraten aus verschiedenen Perspektiven und mit unterschiedlichen institutionellen Hintergründen – von der Personalentwicklung über Schulvertretung bis zur Bürgermeisterin: Um „die einzelne Frau, die gesellschaftliche Struktur und die gesamte Region“ drehte sich die Tagung „Gut beraten!“ der Beratungsstelle Frau & Beruf, die im Itzehoer Kreishaus stattfand.

„Es muss über Arbeit als menschliche Tätigkeit nachgedacht werden“, betonte Prof. Dr. Frigga Haug, Diplomsoziologin und Hochschullehrerin an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik. Sie stellte im Rahmen ihres Einstiegsvortrags die „Vier-in-einem-Perspektive“ vor. Fürsorglichkeit und liebende Tätigkeiten, Selbstentwicklung, Lernen, Kunst und Politik dürften auch im Arbeitsalltag nicht zu kurz kommen, erklärte sie. Das gehe im Modell: „Teilzeitarbeit für alle“, wobei sie von einem Arbeitstag mit sechzehn Stunden ausgeht, welche im Idealfall gleichmäßig auf alle vier Dimensionen des Lebens, nämlich Erwerbsarbeit, Familienarbeit- und Persönlichkeitsbildung, lebenslanges Lernen sowie politisches Engagement) zu verteilen seien.

Ihre Sichtweise sorgte im Anschluss an die Impulsreferate für eine rege Podiumsdiskussion mit ihren zwei Mitreferenten Monica Kotte, Diplompädagogin aus Bremerhaven, und Dr. Christoph Hutter, Diplompädagoge und Theologe aus Lingen. Hutter vertrat dabei die Ansicht, dass Probleme an der Schnittstelle von Familie und Beruf keine Individualprobleme oder gar eine individuelle Unzulänglichkeit darstellen, sondern Strukturprobleme seien.

Referentin Monica Kotte sprach über die „Dimensionen von Kooperation und Vernetzung“. Sie wünschte sich für die hauptsächlich weiblichen Tagungsteilnehmerinnen, kämpferisch voranzugehen und sich nicht aufgrund anstehender Kürzungen zurückzuziehen. Die Tagung sei gut dafür, um sich dafür einzusetzen, dass die notwendige Strukturarbeit weiterhin geleistet würde. Dies geschehe derzeit nicht ohne Hindernisse. Die Beratung werde zukünftig im Zusammenhang mit der Zusammenlegung der Beratungskreise Steinburg und Dithmarschen personell weiter eingeschschränkt, bemerkte Gerlinde Böttcher-Naudiet, Vorsitzende im Ausschuss für Soziales Familie und Gesundheit, die darin eine missliche Entwicklung sieht.

Wie sich die Personalverteilung im Beraterteam von Frau & Beruf in den Kreisen Dithmarschen und Steinburg zukünftig genau verändern wird, entscheidet sich an diesem Freitag in Kiel. Petra Tiedemann, die bislang im Kreis Dithmarschen berät, wird dann vermutlich mit Astrid Nielsen auch für den Kreis Steinburg tätig sein, während die Beratungsstelle von Doris Schneider im Kreis Steinburg entfällt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen