zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

21. November 2017 | 14:54 Uhr

SPielmannszug : Taktgefühl statt Notenständer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Borsflether Spielmannszug verlässt sich bei Konzerten auf das richtige Gehör. Ernst-Albert Sierck übernimmt den Vorsitz des Vereins.

„Und noch mal – auf Drei!“ Johanna Mangelsen, Übungsleiterin beim Borsflether Spielmanns- und Fanfarenzug, gibt den Takt vor. Zusammen mit Meike Thoms, Angelika Schütt, Annika Albertsen und Monika Denker-Hülsemann sitzt sie im Saal des „Aukrugs“, am Tisch nebenan warten die Trommler auf ihren Auftritt. Es ist Übungsabend, wie jeden Donnerstag. Die Spielleute studieren ihr neues Stück, den „Kasashock“ ein. Nach zwei, drei Versuchen ist die Ausbilderin und zweite Stabführerin mit dem Ergebnis ihrer Flöte spielenden Frauen zufrieden und sie wendet sich den Männern zu. „Im Gegensatz zu Musikkapellen spielen wir bei unseren Auftritten ohne Noten. Deshalb dauert es auch etwas länger, bis alle alles auswendig gelernt und im Kopf hat.“

Bei 30 Stücken und zwei bis drei neuen Liedern pro Jahr könne dies schon eine echte Herausforderung sein. Dass es aber auch ohne Noten geht, beweist Hans Mester (74). Er gehört zu den Gründungsmitgliedern, spielt die Trommel und gibt unumwunden zu, von Noten noch nie etwas verstanden zu haben. „Ich spiele nach Gehör.“

Auch Spielkollege Rainer Boltzen (71) trommelt, ohne dabei auf die Noten zu blicken. Das Konzept geht auf – Leiterin Johanna Mangelsen ist von der Kasashock-Trommelbegleitung sichtlich begeistert. In „Echtzeit“ solle das neue Lied dann noch peppiger klingen. Denn bei der Probe wird bis auf Malte an der großen Trommel nur Holzbretter geklopft. „Alles andere wäre zu laut“, erklärt Mangelsen im Hinblick auf andere Aukrug-Gäste, die dort in Ruhe ihr Feierabend-Bier genießen wollen.

Seit 1960 gibt es den Borsflether Spielmanns- und Fanfarenzug nun schon. Seinerzeit hatten die Kremper in ihrer damaligen Lederfabrik Trommeln und Pfeifen entdeckt. „Weil niemand sich im Ort für die Instrumente zu interessieren schien, kam dem damaligen Wehrführer der Feuerwehr, Fritz Bratzke, der Gedanke, einen Feuerwehrspielmannszug ins Leben zu rufen“, erinnert sich Hans Mester. Zusammen mit dem Glückstädter Martin Lott als „Einstudierer“ schob Bratzke das bis heute erfolgreiche Konzept an.

Geübt wurde zunächst im Frühstücksraum der Firma Peters am Borsflether Büttel. Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatten die Spielleute dann knapp ein Jahr später anlässlich der Hochzeit von Uwe Arps. Der Spielmanns- und Fanfarenzug Borsfleth gehört nach wie vor mit zur örtlichen Feuerwehr und ist entsprechend ein wichtiger gesellschaftlicher Baustein innerhalb der kleinen Störgemeinde. Deshalb tragen die Musiker bei ihren Auftritten auch eine Feuerwehr-Uniform, sind aber bis auf Holger Boltzen und Wehrführer Heiko Mohr keine aktiven Brandbekämpfer.

An der Spitze hat es kürzlich einen Führungswechsel gegeben. Weil die bisherige Vorsitzende Christina Schmidt-Paulsen bald Mutter wird und deshalb kürzer treten will, hat der bereits seit 1970 dem Verein angehörende Spielmann Ernst-Albert Sierck erst einmal das Zepter übernommen. Dem 71-Jährigen stehen Malte-Christian Schlichting als zweiter Vorsitzender und die langjährige Kassenwartin Dörte Lorenzen zur Seite. Hartmut Sierck gab seinen Posten als Schriftführer nach 27 Jahren an seine Nichte Janina Lorenzen (20) ab. „Janina spielt bei uns nicht nur die große Trommel, sondern ab sofort auch eine große Rolle beim Führen des Protokolls“, so Sierck. Als aktiver Musiker bleibt der 48-jährige Glückstädter dem Spielmannszug weiterhin treu.

19 aktive Mitglieder hat der Spielmannszug im Moment. „Trotzdem sind uns neue Mitglieder immer willkommen, denn wir können nie genug Mitstreiter haben“, sagte Ernst-Albert Sierck mit Blick auf Urlaubs- und Krankheitszeiten oder andere Befindlichkeiten innerhalb seines Teams. Eine hinsichtlich des demographischen Wandels vielleicht sinnvoll erscheinende Fusion mit anderen kleineren Spielmannszügen sei derzeit bei den Borsflethern aber noch keine Thema. Für die Spielleute beginnt die Saison auch in diesem Jahr wieder traditionell am 1. Mai mit einem Platzkonzert im Kaffee- und Biergarten des Aukrugs. Weitere Auftritte wie zum Kremper Gildefest, dem Glückstädter Vogelschießen und Borsflether Dorffest stehen ebenfalls fest. „Natürlich sollen auch Geselligkeit und Spaß dank einer Ausfahrt sowie dem Grillfest nicht zu kurz kommen“, verspricht Hartmut Sierck.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen