Neuerscheinung : Tageszeitung als Geschichtsbuch

Den Umschlag des Buches hat Stephanie Ebel entworfen.
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Den Umschlag des Buches hat Stephanie Ebel entworfen.

Die Schleswig-Holsteinische Frage beschäftigte die Politik des 19. Jahrhunderts. Lehrer Hauke Petersen erfüllt die Geschichte mit Leben. Er hat Ausschnitte aus der Glückstädter Fortuna zusammengetragen.

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05. November 2020, 17:00 Uhr

Die Tageszeitung ist Spiegel des Zeitgeschehens. Das gilt nicht nur für gegenwärtige Ereignisse, sondern auch für vergangene. Dieser Auffassung ist zumindest der pensionierte Lehrer Hauke Petersen, der die „Glückstädter Fortuna“ quasi als Geschichtsbuch benutzt. Anhand alter Ausgaben dieser Lokalzeitung versuchte er, politische Strömungen im Schleswig-Holstein des 19. Jahrhunderts zu rekonstruieren und die trockenen historischen Fakten mit Leben zu erfüllen. „Als Zeitung vermag die Glückstädter Fortuna dem heutigen Leser wohl am besten einen Eindruck von jener Zeit zu geben. Sie bietet ihm ein farbenfrohes und lebendiges Bild“, so Petersen.

Konkret beschäftigt sich der Historiker mit den verschiedenen Einstellungen zur „Schleswig-Holsteinischen Frage“ zwischen 1863 und 1866. Dabei ging es um die unterschiedlichen Vorstellungen der ehemaligen beiden Herzogtümer Schleswig und Holstein zueinander, zu Dänemark und zum Deutschen Bund, in dem die vielen deutschen Fürstentümer zwischen 1815 und 1866 zusammen geschlossen waren. Hauke Petersen: „Die Vielschichtigkeit dieser Probleme hat dazu geführt, dass die Geschichte Schleswig-Holsteins nur schwer zu durchschauen ist.“

Die Beiträge der Glückstädter Fortuna bringen Licht in das Dunkel der Historie: Ein besonders schillerndes Bild der Zustimmung und Begeisterung für den Herzog Friedrich von Augustenburg, der an die Spitze eines selbstständigen Schleswig-Holsteins treten wollte, spiegele sich zum Beispiel um die Jahreswende 1863/64 im Anzeigenteil der Fortuna wider, wenn es heißt: „Beim Fotographen E. Carstens sind Porträts des Herzogs von Schleswig-Holstein zu haben.“ Oder: „In der Buchhandlung von Eduard Fabricius ist Schleswig-Holsteinische Literatur vorrätig.“

Der Norddeutsche Schützenverein, Abteilung Glückstadt fordert die Bewohner Glückstadts und des Lübschen Rechts auf, die von ihm durchzuführende Geldsammlung zur Unterstützung der Schleswig-Holsteinischen Sache zu fördern. Ein weiteres Thema ist der Gesangsverein „Concordia“. Dieser zeigt ein Vokal- und Instrumentalkonzert an, dessen Reinertrag zum „Besten Schleswig-Holsteins“ bestimmt ist.

Die Gesellschaften „Union“ und „Bürgerharmonie“ teilen mit, dass sie ihre Wintervergnügungen eingestellt haben, um die Geldmittel an den schleswig-holsteinischen Nationalfonds zu geben.

Andererseits ruft ein Damenkommitee zu einer wöchentlichen Schilling Sammlung auf. Weitere Themen: Lotterien werben, indem sie Gewinnanteile für Schleswig-Holstein zur Verfügung stellen. Und die Fortuna selbst verweist auf die Predigt „Die Vaterlandsliebe“ von Pastor H. Harder in Herzhorn, die im Verlag des Herrn Fabricius erschienen ist.

Die Grundlage des jetzt veröffentlichten Buches ist die Examensarbeit, die Hauke Petersen 1973 für seine Realschullehrer-Prüfung im Fach Geschichte verfasste. Diese Arbeit hat der Lehrer jetzt mit dem Ziel überarbeitet, die Problematik der „Schleswig-Holsteinischen Frage“ einer breiteren Öffentlichkeit vor Augen zu führen.

Die Glückstädter Fortuna erscheint seit 1740 und ist die älteste Zeitung Schleswig-Holsteins. Seit 1970 ist sie selbstständiger Teil der Norddeutschen Rundschau. „Mag die Fortuna früher politisch auch unbedeutend gewesen sein, so informiert sie ihre Leser doch über wichtige Begebenheiten in aller Welt“, meint Hauke Petersen.

Das Buch mit dem langen Titel „Die ,Glückstädter Fortuna’ als Spiegel politischer Strömungen in Schleswig-Holstein“ ist in der Bücherstube Am Fleth erhältlich. Die Titelseite hat die Kommuniktionsdesignerin Stephanie Ebel entworfen.

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