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Kinderbetreuung : Tagespflege: Vertrag mit Kommunen ist geplatzt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Alle haben neue Regelung für die Finanzierung unterschrieben – nur die Stadt Itzehoe nicht.

Die Enttäuschung steht Karin Kretzschmar ins Gesicht geschrieben: Mit einem öffentlichen-rechtlichen Vertrag sollte ab 1. März die Finanzierung der Kindertagespflege im Kreis Steinburg auf neue Beine gestellt werden. „Für alle Beteiligten wäre das eine Win-win-Situation“, ist die Leiterin der Kreisjugendamtes von einem großen Wurf überzeugt. Tatsächlich haben in seltener Eintracht die Bürgermeister sämtlicher 106 Gemeinden im Kreisgebiet und auch die der Städte Glückstadt, Kellinghusen und Wilster die Vereinbarung unterschrieben. Nur die Unterschrift der Stadt Itzehoe fehlt. „Das kann wirklich keiner verstehen“, findet Karin Kretzschmar. Die Umsetzung des Vertrages müsse nun auf unabsehbare Zeit ausgesetzt werden.

Im Kern geht es darum, wie der Einsatz der insgesamt 129 beim Kreis registrierten Tagesmütter bezahlt werden soll. Da der Kreis einspringen muss, wenn eine Gemeinde Rechtsansprüche auf einen Platz in einer Kindertagesstätte nicht erfüllen kann, wurden die Kosten abzüglich der Elternbeiträge bisher über die Kreisumlage auf alle Kommunen umgelegt. Künftig sollte es eine Drittel-Regelung gelten: 1,60 Euro pro Kind und Stunde müsste die jeweilige Wohnortgemeinde übernehmen, 1,60 Euro die Eltern, wobei hier häufig noch eine Sozialstaffel greift, den Rest zahlt dann der Kreis.

Für Karin Kretzschmar liegen die Vorteile für die Gemeinden auf der Hand. Sie müssten nicht zwangsläufig eine nur schwer zu kalkulierende Zahl von Kita-Plätzen vorhalten. „Das kommt die Gemeinden viel teurer. Von den Kosten her liegen da Welten dazischen.“ Gleichzeitig kämen sie aber in den Genuss eines flexiblen Angebots der Kinderbetreuung. Die Finanzierung über die Kreisumlage komme gerade eine Stadt wie Itzehoe teuer, weil diese einen proportional sehr hohen Anteil übernehmen müsse, so die Jugendamtsleiterin weiter. Vorteil auch für viele Eltern: Der Kreis organisiere eine Betreuung mit qualifizierten Tagesmüttern. „Das sind alles Fachkräfte“, betont Kretzschmar. Es gebe für ihre Arbeit eine Aufsicht und eine Betriebserlaubis. Und: „Eltern müssen nicht tiefer in die Tasche greifen als bisher.“

Generell, so Karin Kretzschmar weiter, werde kreisweit gesehen die vom Gesetzgeber geforderte Betreuungsquote erreicht. Insbesondere bei der Betreuung der unter Dreijährigen könne es aber schnell zu Engpässen kommen. Problem der Städte und Gemeinden: Eine in einem Jahr erfolgte Investition könnte sich ein Jahr später schon als Fehlinvestition entpuppen, wenn nicht die erwartete Kinderzahl angemeldet wird. „Hier können Tagesmütter ein gleichwertiges Angebot liefern.“

Karin Kretzschmar betont, dass die Gemeinden mit dem Vertrag auch keinerlei weitere Verpflichtungen eingingen. Auch komme eine Tagespflege nur dann überhaupt in Betracht, wenn keine Kita-Plätze zur Verfügung stünden. „Warum die Stadt Itzehoe das nicht unterschreibt, ist für mich unverständlich.“

Auf Nachfrage unserer Zeitung versichert Itzehoes Bürgermeister Dr. Andreas Koeppen, dass die Stadt ja nicht grundsätzlich gegen die Vereinbarung sei. Zuvor allerdings solle eine detaillierte Bedarfsanalyse für die Kinderbetreuung innerhalb der Stadtgrenzen erstellt werden. Das allerdings werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Weil zunächst der städtische Haushalt genehmigt werden müsse, habe man noch keinen Gutachter dafür bestellen können. Koeppen: „Wir wollen eine eigene Analyse über den Bedarf in unserer Stadt. Das ist auch der Wunsch der Politik.“ Aktuell verfüge die Stadt über ein gutes Angebot. „Wir wollen aber auch keine Leerstände produzieren“, betont er noch einmal die Bedeutung einer genauen Erhebung mit entsprechenden Prognosen.

Bis Itzehoe sich den Überblick verschafft hat, gelten kreisweit die bisherigen Regelungen weiter. Das heißt: Kosten für Tagesmütter werden über die Kreisumlage auf alle umgelegt.

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erstellt am 24.Feb.2015 | 15:52 Uhr

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