"Tafel" - keiner geht mit leeren Händen

Helfen im 'Tafel'-Laden: Anita Baumgart (li.) und Birge Eskildsen. Foto: Götz
Helfen im "Tafel"-Laden: Anita Baumgart (li.) und Birge Eskildsen. Foto: Götz

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12. August 2009, 10:12 Uhr

Itzehoe | "Massenansturm bei der Tafel, Bedürftige müssen mit leeren Händen weggeschickt werden" - Nachrichten wie diese machen in vielen Städten die Runde. In Itzehoe sieht die Welt zum Glück noch ein bisschen besser aus. "Wir mussten noch nie sagen, dass die Letzten nichts mehr kriegen", sagt Birge Eskildsen. Zwar sei gerade ein Spender abgesprungen. "Aber es reicht noch." Zudem könne die "Tafel" nicht die Vollverpflegung übernehmen, "es kann nur ein Zubrot sein", betont Anita Baumgart.

Die beiden ehrenamtlichen Helferinnen sind von Anfang an dabei, haben die Itzehoer "Tafel" Ende 1999, Anfang 2000 mit aufgebaut. Bei den ersten Ausgaben kamen rund 60 Personen. Inzwischen sind es mittwochs um die 70 und freitags 200 bis 230. Versorgt werden allerdings weit mehr. "Das sind Haushalte", betont Anita Baumgart. "Da hängt ja immer noch eine Familie mit dran. Die größte umfasst neun Personen."

Damit alle versorgt werden können, ist die "Tafel", die vom Roten Kreuz und der DRK-Schwesternschaft Ostpreußen getragen wird, auf Spenden angewiesen. Von montags bis freitags fahren die Helfer Spender im gesamten Kreis - außer Glückstadt, denn dort gibt es eine eigene "Tafel" - an. Verbrauchermärkte, Bäcker, aber auch Einzelhandelsgeschäfte gehören dazu.

Wie im Supermarkt wird das Angebot in den Räumen an der Großen Paaschburg aufgebaut - von Brot über Gemüse, Milchprodukte und Wurst bis zu Schokolade. Nur Alkohol gibt es nicht - auch nicht in Pralinen. "Und hier kommt keiner rein, der Alkohol konsumiert hat", betont Birge Eskildsen. Knapp sind Körperpflege-Artikel. "Davon könnten wir mehr brauchen."

Wer zur "Tafel" kommt, erhält eine Nummer. Die Reihenfolge der Ausgabe rotiert, so dass jeder mal Erster ist. Neid oder Streit kommt selten auf. Auch mit den Anwohnern gibt es keine Probleme - obwohl die Schlangen vor der Tür oft lang sind. "Vielleicht sind die Menschen hier etwas toleranter", sagt Anita Baumgart mit Blick auf das gute Miteinander, das in Großstädten oft anders aussieht.

Die beiden Frauen und ihr 65-köpfiges Helferteam haben im Lauf der Jahre viele Schicksale miterlebt, gesehen, wie Menschen anfangs noch optimistisch waren und dann doch beim Alkohol oder in "falschen Kreisen" landeten. Und sie wissen, dass sie mit ihrer Arbeit vielen Menschen helfen. Aber das Schönste, darin sind sich die beiden einig, ist, wenn jemand kommt, seine Nummer abgibt und sagt: "Ich hab Arbeit!"

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