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Gedenkplatte : Tafel erinnert an Lägerdorfer Unruhen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Beim Aufstand am 23. Oktober 1923 in Lägerdorf wurden drei Einwohner erschossen. Gemeinde und Heimatverband stifteten eine Gedenkplatte

Arbeitslosigkeit, Hunger, Not und eine ausufernde Inflation infolge des Ersten Weltkrieges führten Anfang der 1920er Jahre an vielen Orten in Deutschland zu Demonstrationen der Bevölkerung – so auch im Kreis Steinburg. Drei Tote forderte eine Schießerei bei den Lägerdorfer Unruhen am 23. Oktober 1923. Die Opfer waren Marie Ressel, Mutter von sieben Kindern, Oberlandjäger Ingwer Boysen und der Demonstrant Karl Paul Huhnke. An diesen schwarzen Tag erinnert jetzt eine Gedenktafel am Ort des Geschehens, dem ehemaligen Café Janson, heute Gaststätte Roseneck, in der Rosenstraße.

Zur Enthüllung in Anwesenheit der Lägerdorfer Gemeindevertretung, der Initiatoren der Aktion und des Gastwirtspaares Ute und Jagjeet Chabbra würdigte Bürgermeister Heiner Sülau die Recherchearbeit von Uwe Erickson, Harald Karstens und Hermann Schwichtenberg zu dem Fall vor 92 Jahren, der mehrere Gerichtsprozesse nach sich zog und weit über Lägerdorf hinaus für Aufsehen sorgte. Die auf Hochdeutsch und Plattdeutsch beschriftete Tafel wurde finanziert von der Gemeinde und dem Heimatverband. Die Übersetzung ins Plattdeutsche hatte Marianne Ehlers, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Niederdeutsch im Heimatverband, übernommen. Der Grafiker Michael Herold und die Firma Templin fertigten die Informationstafel an.

Hermann Schwichtenberg vom Arbeitskreis Kultur- und Regionalgeschichte im Heimatverband Kreis Steinburg wies in seiner Festrede auf Zeitungsartikel und Berichte von Zeitzeugen und Historikern hin. Auf die Lägerdorfer Unruhen gehe unter anderem das Buch „Rotes Herz im grauen Ort – 125 Jahre Sozialdemokratie in Lägerdorf“ ein, an dem Fritz Arnold Kunkelmoor, Ingolf Streich und Norbert Voß gearbeitet haben. Dort wird der Aufstand vom 23. Oktober 1923 sehr genau beschrieben. Nach dem siegreichen Aufstand der Hamburger Arbeiter strömten überall im Ort die Einwohner aus ihren Wohnungen, die Lage spitzte sich auch in Lägerdorf zu. Auf der oberen Stufe des Eingangs zum Café Janson stand die 34-jährige Elise Augustat. Sie war ab 1929 Mitglied der KPD-Bezirksleitung Wasserkante und dort Leiterin der Frauenabteilung. Von 1930 bis 1933 saß sie für die KPD im Reichstag. Augustat wollte eine Rede halten, doch sie wurde von mehreren schießbereiten Landjägern umringt, die sie verhaften wollten. Die Demonstranten versuchten, ihnen die Karabiner zu entreißen, wobei sich mehrere Schüsse lösten. Dabei wurden der 20-jährige Karl Huhnke und der Landjäger Ingwer Boysen erschossen. Das Handgemenge und die Schießerei weiteten sich aus, dabei wurde auch Marie Ressel getötet. Schließlich erschien eine Hundertschaft des Itzehoer Militärs, die mit Maschinengewehren in die Menge schossen. Schlagartig kehrte Ruhe ein, mehr als 30 Menschen wurden verhaftet.

Der örtliche KPD-Vorsitzende Max Hoche verschwand anschließend aus Lägerdorf, er wurde eine Zeitlang im Lockstedter Lager (später Hohenlockstedt) versteckt, bevor er in Pinneberg eine Familie gründete. Später soll er als Trotzkist in Russland erschossen worden sein.

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erstellt am 29.Nov.2015 | 15:28 Uhr

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