zur Navigation springen

Multiresistente Keime : Täglicher Kampf gegen die Keime

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Immer mehr multiresistente Erreger gefährden Patienten und Mitarbeiter – wie das Klinikum Itzehoe vorsorgt.

Sie sind ein Problem, dem sich heute jede Einrichtung des Gesundheitswesens stellen muss: Gegen so genannte Multiresistente Erreger (MRE) helfen viele bisher wirksame Medikamente nicht mehr. Und die Zahl der Bakterien-Arten, die mit herkömmlichen Antibiotika nicht mehr bekämpft werden können, steigt. Auch im Klinikum Itzehoe betrachtet man die Entwicklung mit Sorge, sieht sich aber entsprechend der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse gut vorbereitet: Der Hygiene wird ein immer größerer Stellenwert eingeräumt.

„Als die Antibiotika entdeckt wurden, waren viele durch Bakterien verursachte Erkrankungen beherrschbar“, erklärt Michael Kappus, Chefarzt des Klinikums. „Dass die Erreger sich anpassen, wurde aber in der Medizin viele Jahre lang nicht ausreichend berücksichtigt.“ Die Folge war ein oft sehr unbedachter Einsatz der vermeintlichen Wunderwaffe Antibiotika in der Humanmedizin, aber auch in der Massentierhaltung. Durch Mutationen entstandene resistente Keime konnten sich dadurch zügig verbreiten, weil sie gegenüber ihren nicht-resistenten Artgenossen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil haben. Dass die mikroskopisch kleinen Organismen auch noch über die Fähigkeit verfügen, genetische Informationen auszutauschen, beschleunigte die Entwicklung zusätzlich.

Heute muss bei operativen Eingriffen mit Wundinfektionen gerechnet werden, die sich nicht durch Antibiotika bekämpfen lassen. Die dafür oft verantwortlichen multiresistenten Staphylokokken (MRSA) sind aber inzwischen nicht mehr das einzige Risiko, dem sich Mediziner stellen müssen. „Es gibt eine ganze Reihe von Erkrankungen wie Infektionen der Atem- oder Harnwege, die durch multiresistente Keime ausgelöst werden“, sagt Kappus. „Sie stellen vor allem für geschwächte Patienten eine Gefahr da.“ Noch gebe es so genannte Reserveantibiotika, die gegen viele Erreger wirksam seien – aber wie lange, könne niemand sagen. „Und die Forschung hat kaum neue Antibiotika in der Pipeline.“

Die medizinische Forschung suche daher nach Strategien, um mit den MREs leben zu können, so Kappus. „Im Klinikum Itzehoe haben wir diese Erkenntnisse konsequent umgesetzt“, sagt Tilo Jonas. Der Arzt leitet das fünfköpfige Team der Abteilung Krankenhaushygiene. Man habe ein ganzes Bündel an Maßnahmen ergriffen, um das Risiko von Infektionen mit MREs für Patienten zu senken. Die bringen die gefährlichen Erreger oft selbst mit. „Selbstinfektion ist ein Thema“, sagt Kappus. Etwa zwei Prozent der Bevölkerung sind Träger von MREs – oft ohne es zu wissen. „Das Immunsystem hat diese Bakterien ganz normal im Griff. Erst wenn es zu Eingriffen kommt oder der Patient geschwächt ist, werden sie zum Problem.“

Bei Risikogruppen wie beispielsweise Landwirten oder Mitarbeitern im Gesundheitswesen werden daher im Klinikum Schnelltests bei der Aufnahme gemacht, erklärt Jonas. „Man muss den Feind erkennen, um ihn bekämpfen zu können.“ Werden MREs festgestellt, bekommen die Patienten eine je nach Befund abgestimmte Behandlung, um das Risiko zu kontrollieren. Vor allem werde aber auch das Krankenhauspersonal intensiv geschult, etwa im Bereich der Handhygiene, um Übertragungen zu vermeiden. Auf jeder Station gebe es inzwischen Hygienebeauftragte. Auch Patienten und Besucher werden entsprechend aufgeklärt. „Wir liegen da in vielen Bereichen über den Vorschriften von Weltgesundheitsorganisation und Robert-Koch-Institut“, sagt Jonas.

Durch die konsequente Arbeit seien in den vergangenen Jahren gute Ergebnisse erzielt worden, sagt Kappus. „Wir haben keine wesentliche Steigerung bei den Fallzahlen, obwohl die Resistenzen zunehmen. Und Gott sei Dank haben wir auch kein ausbruchsartiges Geschehen wie beispielsweise in Kiel vor einiger Zeit erlebt.“ Ausruhen, da sind sich die Mediziner einig, könne man sich auf diesen Erfolgen aber nicht, weil die Entwicklung stets weitergehe. Multiresistente Erreger werden auf unabsehbare Zeit ein wichtiges Thema bleiben.

zur Startseite

von
erstellt am 18.Mai.2017 | 15:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen