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Tabu-Thema Demenz: Eine Familie vor der Zerreißprobe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

von
erstellt am 19.Okt.2014 | 16:24 Uhr

Auf Einladung vom Verein Leselust war Martina Rosenberg (Foto) aus Oberbayern nach Wilster gekommen, um ihr Buch „Mutter, wann stirbst du endlich“ vorzustellen. Darin beschreibt sie aus ihrer Sicht, wie die Pflege der kranken Eltern zur Zerreißprobe wird.

Leselust-Vorsitzende Birgit Böhnisch begrüßte Martina Rosenberg als „starke Frau“. Die freie Journalistin möchte das Tabuthema Demenz in den Vordergrund bringen und auf die Situation der pflegenden Angehörigen aufmerksam machen. „Wir waren eine ganz normale Familie mit einem ganz normalen Verhältnis zueinander“, berichtete die Autorin. Ihre Geschichte begann vor etwa zehn Jahren, als bei der Mutter eine schleichende Persönlichkeitsveränderung einsetzte. Ein Fast-Küchenbrand und die Gleichgültigkeit der Mutter gaben der Tochter zu denken, ließen aber eine beginnende Demenz noch nicht erkennen. „In den nächsten eineinhalb Jahren gab es immer mehr Vorkommnisse, aber erst in der Klinik sagte uns ein Arzt die Diagnose – vaskuläre Demenz.“

Die Gespräche innerhalb der Familie, mit dem Vater und Geschwistern verliefen äußerst schwierig. „Man sollte frühzeitig, solange es noch geht, darüber sprechen und versuchen, kommende Situationen vorab zu klären“, sagt Martina Rosenberg heute. Ihre Mutter konnte sich immer schwerer artikulieren, war in ihren Bewegungen stark eingeschränkt. Der Vater hatte keine Geduld, konnte mit der sich immer weiter zuspitzenden Problematik nicht umgehen. Die Tochter versuchte, ihren Eltern zu helfen, Entscheidungen zu treffen und dabei ihre eigene Familie und den Beruf zu bewältigen.

Die Eltern nahmen diese Hilfe nicht an, die Probleme häuften sich, die Nerven lagen blank und von den Brüdern war kaum Hilfe zu erwarten. „Die 24-stündige Verfügbarkeit mit spontanen Hilfeforderungen zermürbten und waren mit der Zeit kaum noch auszuhalten“, schilderte Martina Rosenberg. Sie bekam selbst gesundheitliche Probleme, litt an Schlafmangel und sah fast viel zu spät ein, dass es so nicht weiter geht. Sie zog mit ihrer Familie aus der Wohnung im Elternhaus aus und gewann zumindest räumlichen Abstand.

Mittlerweile sind die Eltern verstorben und Martina Rosenberg hat ihre Geschichte aufgeschrieben, um anderen Angehörigen Mut zu machen und vielleicht auch zu helfen. Sie hat viel von sich und ihrer Familie preisgegeben, aber nie die Namen genannt oder Bilder veröffentlicht. „Damit habe ich einigen Medien vor den Kopf gestoßen und auch auf einen Multiplikator für die Bestsellerliste verzichtet“, erzählte Rosenberg.

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