Tiere auf Sylt : Sylt soll 56000 Euro für Meerschweinchen zahlen

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Im Herbst 2013 wurden 150 verwahrloste Meerschweinchen auf Sylt sichergestellt. Im Kreis Stormarn wurden die Tiere aufgepäppelt. Die Kosten dafür soll nun das Amt Landschaft Sylt erstatten.

shz.de von
31. Juli 2015, 04:30 Uhr

Krank, verdreckt, halb verhungert und manche mit Frostbeulen und schon ohne Fell: Eine Rettungsaktion für rund 150 Meerschweinchen aus einer Wohnung auf Sylt könnte jetzt ein juristisches Nachspiel haben. Der Vorsitzende des schleswig-holsteinischen Tierschutzbundes, Holger Sauerzweig-Strey aus St. Margarethen, sitzt auf Rechnungen von rund 56  000 Euro. So viel hat die vorübergehende Unterbringung der geretteten Nager gekostet. Sauerzweig-Strey erwartet eine Kostenübernahme durch das Amt Landschaft Sylt. Dort sieht man sich allerdings nicht in der Pflicht – und weist die Rechnungen zurück.

Das Tierdrama reicht zurück bis in den Spätherbst 2013. Der auf Sylt lebenden Halterin waren die Meerschweinchen offenbar über den Kopf gewachsen. Der örtliche Tierschutzverein hatte Hinweise von untragbaren Zuständen bekommen und wurde aktiv. Auch das Ordnungsamt der Amtsverwaltung wurde eingeschaltet. Leiterin Gabriele Gotthardt berichtet von einer ersten Rettungsaktion im November. Sie betont allerdings: Die Tiere seien weder behördlich sichergestellt worden, noch habe es eine Abgabeverfügung gegeben. Das Ordnungsamt sei lediglich beratend tätig geworden.

Tatsächlich lag die Federführung wohl bei den Tierschützern. Die kümmerten sich laut Gabriele Gotthardt im Einvernehmen mit der Halterin um den Abtransport und die Unterbringung der Tiere. Weil die dabei besprochenen Vorgaben wohl nicht eingehalten worden waren, hatte es im Dezember 2013 dann noch eine zweite Aktion gegeben. In einem Fall, so die Ordnungsamtsleiterin nach einem Blick in ihre Akten, sei sogar die Polizei mit vor Ort gewesen. Aber auch hier, so sagt sie, habe das Ordnungsamt lediglich Hilfestellung geleistet. „Wir müssen in solchen Fällen auch immer mit dem mildesten Mittel anfangen“, schildert sie weiter. Allein schon wegen eigentumsrechtlicher Fragen sei eine amtliche Sicherstellung von Tieren nur im äußersten Notfall sinnvoll.

Der Tierschutzverein sorgte dann für die Tiere. Ein Schwung von 82 Meerschweinchen landete schließlich in Rehhorst im Kreis Stormarn. Dort hatte das Tierheim Bad Oldesloe auf einen entsprechenden Hilferuf hin spontan die Bereitschaft zur Übernahme der Haustierchen erklärt. Asyl fanden die Meerschweinchen dann bei einer Hundetrainerin, die die Kleinen liebevoll wieder aufpeppelte. Zum Nulltarif gab es das allerdings nicht. In einem Bericht unserer Zeitung listete die Meerschweinchen-Mama damals den wöchentlichen Nahrungsbedarf auf: 50 Kilogramm Möhren, 70 Stück Eisbergsalat, 70 Salatgurken, fünf Kilogramm Äpfel und 40 Kilogramm Trockenfutter. Hinzu kamen 200 Kilogramm Streu und 24 Kilogramm Heu – pro Woche. Dabei gelten diese Zahlen nur für einen Teil der untergebrachten Tiere. Hinzu kamen noch Kosten für die tierärztliche Betreuung.

Unterm Strich summierten sich die Ausgaben auf 56  000 Euro. „Das halten wir natürlich den örtlichen Tierheimen von der Hand“, erklärt Holger Sauerzweig-Strey die Kostenübernahme durch den Landesverband. Für ihn ist der Fall klar: Die Tiere waren in Not, Behörden eingeschaltet, die Unterbringung musste organisiert werden. Im Normalfall würden die Ausgaben für gerettete oder sichergestellte Tiere von den jeweils zuständigen Ämtern übernommen. Die holen sich das Geld im Zweifel dann von den Tierhaltern wieder. Sauerzweig-Strey: „Bei der Abwicklung mit den Behörden ist das für den Tierschutzbund in der Regel eine Nullnummer.“

Der oberste Tierschützer das Landes hat jetzt einen Anwalt eingeschaltet. „Wir arbeiten derzeit an einer Strategie“, will er weitere Details zur Vorgehensweise noch nicht verraten. In der Sylter Amtsverwaltung sieht man einem möglicherweise drohenden Rechtsstreit gelassen entgegen. Auch Akteneinsicht sei bereits gewährt worden. Die Initiative sei damals von örtlichen Tierschützern ausgegangen. „Wir haben sie nur zu den Terminen begleitet“, so Gabriele Gotthardt. Der Tierschutzbund könne sich allenfalls auf privatrechtlichem Wege, sprich: bei der damaligen Halterin, schadlos halten.

Die Meerschweinchen selbst dürfte der Streit ums Geld ohnehin wenig interessieren. Sie sind allesamt längst in liebevolle Hände abgegeben worden.

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