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Landwirtschaft : Susanne Lühr: „Ich bin gerne Bäuerin“

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

41-Jährige Herzhornerin bewirtschaftet gemeinsam mit Auszubildenden einen Hof in Herzhorn-Lesigfeld

Herzhorn | „Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt...“ Der Text dieses Volksliedes trifft auf die heutige Landwirtschaft nicht mehr zu. Die Arbeit auf dem Bauernhof hat sich grundlegend geändert. Die Handarbeit spielt eine untergeordnete Rolle und ist in vielen Bereichen durch den Einsatz der Technik ersetzt worden. Zunehmend spielt auch die Büroarbeit mit der Dokumentation der Betriebsabläufe eine Rolle. Der klassische Familienbetrieb, auf dem ein Landwirtsehepaar zusammen mit den Eltern und Kindern den Hof bewirtschaftet hat, kommt immer seltener vor. Landwirte schließen sich zu Betriebsgemeinschaften zusammen, nutzen die Leistungen von Lohnunternehmen oder beschäftigen Arbeitnehmer auf ihren Höfen. So ist es keine Sensation mehr, dass auch eine Frau einen landwirtschaftlichen Betrieb führen kann – wie auf dem Lühr-Hof in Herzhorn.

Susanne Lühr (41) ist seit 2008 Betriebsleiterin eines 88 Hektar großen Hofes in Herzhorn-Lesigfeld. Als Landwirtschaftsmeisterin führt sie den Betrieb zusammen mit dem Auszubildenden Maurice Klein (16). Ihre Mutter Wiebke Lührs und Lebenspartner Michael Kalkow, der anderweitig beschäftigt ist, unterstützen sie. Bei Arbeitsspitzen werden Aushilfen und Lohnunternehmen eingesetzt.

Susanne Lühr hält 140 Rinder und 700 Schweine, zudem betreibt sie Ackerbau. „So ein bunter Betrieb wird immer seltener, da die Entwicklung zu spezialisierten Einheiten geht“, sagt die Landwirtin. „Aber ich liebe gerade diese Vielfalt und Abwechslung in meiner Arbeit. Die körperliche Arbeit in der Landwirtschaft ist leichter geworden, da in fast allen Bereichen Technik eingesetzt wird, aber hinzugekommen ist eine ganze Menge Papierkrieg.“

So muss jedes Kalb innerhalb von sieben Tagen nach der Geburt mit einer Ohrmarke gekennzeichnet und per Internet an den Landeskontrollverband gemeldet werden. Mit der Post bekommt sie dann einen Rinderpass zugeschickt, der beim Verkauf des Tieres mitgegeben werden muss. Der Abgang muss auch innerhalb von sieben Tagen gemeldet werden und der neue Besitzer hat das Tier bei sich anzumelden. „Dann gibt es auch schon mal Fehlermeldungen, wenn das Abgangsdatum und das Zugangsdatum nicht übereinstimmen.“ Die Ohrmarken beginnen mit der Staatskennung DE und dem Ländercode 01 für Schleswig-Holstein und es folgt eine achtstellige individuelle Ziffernfolge. Bei Susanne Lühr erhalten die weiblichen Kälber einen Namen. Bis zum 1. Juli dieses Jahres beginnen alle Namen mit dem Buchstaben R, sodass das Geburtsjahr vom Namen abgeleitet werden kann. Das Kalb Rhein stammt aus der Flussfamilie von der Mutter mit dem Namen Havel.

Neben dem Bestandsregister für die Rinder muss jährlich ein Sammelantrag bis zum 15. Mai an das Landwirtschaftsministerium eingereicht werden, in dem auch die Nutzungsarten der bewirtschafteten Flächen erfasst werden. Dieser Antrag dient zur Berechnung der ausgezahlten Prämien. Bei falschen Angaben und Verstößen werden die Prämien gekürzt. Der Sammelantrag wird dieses Jahr erstmalig per Internet eingereicht und ist so aufwändig, dass Susanne Lühr dafür die Hilfe eines Mitarbeiters vom Beratungsring in Anspruch nehmen will. Dokumentiert werden muss auch, wenn Tiere Medikamente bekommen, der Einsatz von Spritzmitteln und die Dünge- und Humusbilanz des Betriebes. „Manchmal ist der ganze Papierkram schon nervig, denn ich möchte lieber für die Tiere da sein – egal, ob am Sonntag oder Alltag. Papier darf nicht wichtiger werden als die Arbeit auf dem Hof.“

Der Betrieb von Susanne Lühr ist zertifiziert. Sie kann damit nachweisen, dass alle Vorgaben des Gesetzgebers eingehalten werden und die Tiere artgerecht gehalten werden. Dafür wird der Betrieb alle drei Jahre durch externe Kontrolleure für die Bereiche QM (Milcherzeugung) und QS (Schlachttiererzeugung) überprüft. „Das früher alles besser war, glaube ich nicht, denn die Tiere werden heute viel gesünder in Laufställen gehalten, können sich frei bewegen und werden durch Spaltenböden und Lüftung hygienischer gehalten“.

Der Auszubildende Maurice Klein kommt aus Hamburg. Er ist im ersten Lehrjahr und besucht zwei Tage in der Woche die Berufsschule in Itzehoe. Die Berufsperspektiven für ausgebildete Landwirte sind gut, da viele Betriebe, die in großen Einheiten wirtschaften, Fachpersonal auf den Höfen brauchen.

Zurzeit werden die Grünlandflächen gedüngt und abgeschleppt, um die Maulwurfshügel einzuebnen. Die Vegetation ist dieses Jahr durch den milden Winter zirka drei Wochen weiter als im vergangenen Jahr. Mitte April wird der Mais gedrillt.

Susanne Lühr: „Wenn ich fünf Stunden auf dem Trecker gesessen habe, dann habe ich dazu keine Lust mehr und freue mich auf das Melken, denn die Arbeit mit den Tieren ist abwechslungsreicher und macht mir mehr Spaß. Doch die Verwaltungsarbeiten gehören zur Betriebsführung einfach dazu. Sonst darf man nicht Bauer werden – und ich bin gerne Bäuerin.“

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