Imagefilm : „Super geiles“ Feuerwehr-Video

„Super Spreitzer, super kräftig, super Hydraulik, super geil.“ Die Feuerwehr setzt ihre Geräte in Szene.
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„Super Spreitzer, super kräftig, super Hydraulik, super geil.“ Die Feuerwehr setzt ihre Geräte in Szene.

Brunsbütteler Kameraden produzieren Image-Video und ernten Erfolg im Internet/ Ideengeber Simon Hilpert spricht über Chancen und Gefahren

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20. Juli 2014, 07:59 Uhr

Sie verbreiteten sich wie ein Lauffeuer und erhielten viele Klicks: Die „Cold Water Challenge“-Videos. Kürzlich gerieten Freiwillige Feuerwehren landesweit wegen der feucht-fröhlichen Spaß-Videos in die Kritik. Auch die Wehren am Standort Brunsbüttel waren mit von der Partie.

Doch weitaus mehr Klicks – insgesamt schon über 4300 – erhielten sie für ein anderes Video, das auf der Internet-Plattform Youtube zu sehen ist. Das Lied „Super geil“ von Friedrich Liechtenstein dichteten die Feuerwehr-Kameraden kurzerhand um zu „Super Teil, super geil“ und setzten Geräte aus dem Feuerwehralltag in Szene. Simon Hilpert (34), Gruppenführer der Freiwilligen Feuerwehr Brunsbüttel, ist einer der Ideengeber, Kameramann und Stimme im Video. Er erzählt, was er von Imagefilmen bei der Feuerwehr hält.

Herr Hilpert, wie kamen Sie auf die Idee zu diesem etwas anderen Videodreh?

Das Video war als Alternative zu einem Vortrag anlässlich unseres 25. Jubiläums gedacht. Wir wollten etwas über die technische Hilfeleistung erzählen. Die Feuerwehr unterscheidet ja zwei Tätigkeiten, die Brandbekämpfung und die technische Hilfeleistung. Über das Video „Super Geil“ kam der Gedanke auf „Super Teil“.

Und wie kam das an dem Abend an?

Sehr gut. Selbst Leute, die diese Werbung nicht kannten, fanden das Video gut und witzig. Meine Befürchtung war: Wer das Original nicht kennt, der kann ja die ganzen Gags nicht verstehen. Doch dann war die Nachfrage da, wann wir denn das Video online stellen wollen.

Kürzlich gerieten die Freiwilligen Feuerwehren landesweit wegen ähnlicher Videos in die Kritik. Auch Brunsbüttel hat bei der „Cold Water Challenge“ mitgemacht, richtig?

Das stimmt. Die Feuerwehr Brunsbüttel hat’s gemacht, die Feuerwehr Brunsbüttel Ort hat’s gemacht – das ist eine andere Ortswehr, die auch zur Gemeindefeuerwehr Brunsbüttel gehört. Die Jugendfeuerwehr hat’s gemacht und auch die Löschgruppe Süd.

Sind diese Imagefilme, die auf der Videoplattform Youtube im Internet veröffentlicht werden, ein neuer Trend bei der Feuerwehr?

Eigentlich fing das schon vor einigen Jahren an, dass Feuerwehren plötzlich einen sogenannten Imagefilm machten, um das Leben eines freiwilligen Feuerwehrmanns dazustellen: In ihrer Freizeit beim Rasenmähen und dann kommt ein Einsatz. So funktionieren die meisten Imagefilme, die einfach Werbung machen sollen, um neue Mitglieder zu gewinnen.

Gilt das auch für das „Supergeil, super Teil“-Video?

Mitgliederwerbung war eigentlich gar nicht die Intention bei unserem Film. Einige sagten aber: Mensch, das ist ja fast ein Imagefilm. Ob man sich aber als junger Mensch angesprochen fühlt, deswegen zur Feuerwehr zu gehen, das weiß ich nicht.

Wie bewerten Sie selbst die Kritik des Landesfeuerwehrverbands, die „Cold Water Challenge“-Aktionen hätten bedenkliche Ausmaße mit erheblichen Gesundheitsrisiken angenommen?

Meine persönliche Meinung ist: Der Hinweis ist absolut notwendig gewesen, um manche Feuerwehren wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen. Die Feuerwehrunfallkasse ist der Träger bei Unfällen. Wenn da nun etwas passiert, ist das keine Feuerwehrtätigkeit. In dem Fall würde die Kasse nicht zahlen. Was ich nicht ganz nachvollziehen kann, ist die Meinung des Feuerwehrverbandes, dass ein Imageschaden entstanden sei.

Im Internet wurden die Filmclips tatsächlich tausendfach angeklickt. Das „Cold Water Challenge“-Video der Feuerwehr Brunsbüttel Ort hat bis heute 3323 Klicks erzielt. Das „Super Teil, super geil“-Video wurde sogar schon 4300 mal abgespielt.Wie erklären sie sich den Erfolg?

Ich glaube diese Filme funktionieren, weil sie den Humor ansprechen. Es gibt auch Imagefilme von anderen Feuerwehren, die eher an das Gewissen appellieren. In Richtung: Stell dir vor es brennt, und keiner kommt. Diese Videos hinterlassen ein eher bedrückendes Gefühl: Oh Mensch, gut das es die Feuerwehr gibt.

Halten Sie solche erklärenden Videos als Imagefilme für wirksamer?

Nein, beides hat seinen Reiz. Wer nichts mit der Feuerwehr zu tun hat, der will sich solche Aufklärungsvideos nicht ständig angucken und sehen, was das alles für stille Helden sind, weil sie zu jedem Unfall und jedem Feuer fahren.

In „Super Teil, super geil“ haben sie einen ganz klaren Fokus auf die Geräte gesetzt. Liegt darin vielleicht ein Mehrwert des Videos?

Ja, das denke ich schon. Das Video zeigt einen Verkehrsunfall. Verkehrsunfälle sind nie nett, auch wenn es nur Blechschaden ist. Wir haben den Fokus auf die Technik gelegt. Wir wollten in keinster Weise, dass der Eindruck entsteht, dass da ein Opfer oder Geschädigte gezeigt werden. Deshalb haben wir bewusst darauf verzichtet, in dem Unfallauto eine Person oder eine Puppe zu zeigen.

Und wie sind sie praktisch

vorgegangen?

Vom Aufbau her haben wir uns am Originalvideo orientiert, das Ganze zusammengeschnitten und nachvertont.

Hatten Sie denn jemanden, der sich mit filmischen Mitteln auskennt?

Darum haben wir uns ganz am Schluss Gedanken gemacht. Es kam letztendlich dazu, dass wir eine gute Fotokamera verwendet haben. Die haben mittlerweile eine Videofunktion in HD. Bei Regen haben wir uns eine Plastiktüte über den Kopf gezogen. Das war anfangs schon improvisiert. Wir haben einen Nachmittag und einen Vormittag gedreht.

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