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Erste Hilfe lernen : „Super, der Patient atmet noch“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Eine Aktion von Klinikum und Rettungsdienst: 180 Gemeinschaftsschüler aus Wilster üben sich in der Wiederbelebung.

Die Jungs packen auch schon mal beherzt zu: „Nicht ganz so kräftig“, mahnt Laura Maske zu etwas mehr Rücksichtnahme. Schließlich könnte die Person ja auch gerade im Sterben liegen. Die Mitarbeiterin des Klinikums Itzehoe gehörte gestern zu einem Team, das gemeinsam mit der Rettungsdienst Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) Schülern der 7. und 8. Klassen der Gemeinschaftsschule Wilster mit dem Thema Wiederbelebung vertraut machte. Der Hintergrund für die Aktion ist ganz einfach: Bei einem plötzlichen Herzstillstand können die Überlebenschancen des Betroffenen durch die Anwendung einfacher Wiederbelebungsmaßnahmen verdreifacht werden – wenn man weiß wie.

„Das ist wirklich toll“, urteilt Katharina Becker über die Aktion. Die Klassenlehrerin der 7a sitzt am Rande im Klassenzimmer auf einem Stuhl und kann sich über durchweg engagierte Schützlinge freuen. Als Lehrerin frischt sie alle zwei Jahre ihre Kenntnisse in Erster Hilfe auf. Aber hier kann auch sie noch viel dazulernen. „Wir haben ja auch Schulsanitäter“, weist sie auf eine Gruppe besonders ausgebildeter Schüler hin, die sich in insgesamt 60 Stunden haben ausbilden lassen und bei Veranstaltungen wie dem Lauftag zur Verfügung stehen. „Eine gute Unterstützung für uns Lehrer.“ An diesem Vormittag geht es allerdings vorwiegend um Wiederbelebung. Katharina Becker fällt da spontan die unglaubliche Geschichte von dem Mann ein, der im Vorraum eines Geldinstituts leblos auf dem Boden gelegen hat – und zahlreiche Kunden stiegen auf dem Weg zum Geldautomaten einfach über ihn drüber.

Das dürfte den Wilsteraner Gemeinschaftsschülern jetzt erst recht nicht passieren. „112 wählen, dann drücken, dann pusten“, fasst Ausbilder Dirk Zöllner die drei Schritte zusammen, die man im Notfall beachten muss. Derweil setzten die Siebtklässler das Programm am praktischen Beispiel weiter um. Da wird im richtigen Rhythmus der Herzmuskel bewegt, bei Bedarf gibt es eine Mund-zu-Mund-Beatmung. Damit der Patient auch korrekt liegt, packen sich die Schüler auch noch wechselseitig in die stabile Seitenlage. Die Ausgangslage war immer ganz klar: „Stellt Euch vor, ihr geht spazieren und seht einen Herrn im Alter von vielleicht 45 Jahren, der sich plötzlich an die Brust greift und umfällt.“ Hier noch einmal die Sofortmaßnahme: Notruf 112, dann drücken, dann pusten.

Bereits im vergangenen Jahr war die Gemeinschaftsaktion von Klinikum und RKiSH erfolgreich mit 700 Schülern an vier Schulen im Kreis Steinburg durchgeführt worden. In diesem Jahr waren es sogar neun Schulen mit insgesamt 1500 Schülern. Neben Ärzten und Notfallsanitätern beteiligten sich auch die Schüler der Krankenpflegeschule des Klinikums an der Aktion. Gestern Nachmittag gab es im Itzehoer Holstein Center noch eine Abschlussveranstaltung für die „Woche der Wiederbelebung“.

„Wir wollen das regelmäßig anbieten“, kündigt Dirk Zöllner an. Er beklagt, dass dem Thema Erste Hilfe in Deutschland viel zu wenig Bedeutung beigemessen werde. In anderen europäischen Ländern stehe das Thema auf dem Lehrplan. Positive Folge: In 70 von 100 Fällen werde betroffenen Menschen umgehend geholfen. In Deutschland liege das Verhältnis bei 30 zu 100. „Das ist wie in der Steinzeit.“ Zöllner hat zudem beobachtet, dass Kinder aus Krisengebieten auf dem Gebiet der Erste Hilfe sehr viel besser Bescheid wüssten. Auch in der Heimat vieler Flüchtlingsfamilien stehe das Thema Erste Hilfe ganz obenan. „In Deutschland hingegen stehen in solchen Fällen 100 Leute herum und gucken zu“, sieht Zöllner hier noch erheblichen Nachhol- und Handlungsbedarf.

Derweil haben sich die Schüler wieder die Puppe geschnappt, die abwechselnd fachmännisch bearbeitet wird. „Super, er atmet noch“, bescheinigt Laura Maske einem ihrer Probanden, dass er alles richtig gemacht hat.

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erstellt am 03.Feb.2017 | 17:00 Uhr

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