Süßes Gold der fleißigen Bienen

An der Honigschleuder erklärt Gabriele Struck (links) Britta Hauer die Arbeit.
An der Honigschleuder erklärt Gabriele Struck (links) Britta Hauer die Arbeit.

Imkern wird immer beliebter / Projekte mit Kellinghusens Gemeinschaftsschule und Rafiki-Partnergemeinde Mrimbo

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17. Juli 2018, 15:19 Uhr

Ist der Wachsdeckel von den Waben entfernt, fließt der süße Honig. Im Bienengarten des Imkervereins Kellinghusen und Umgebung herrscht emsiger Betrieb. Als wüssten sie, dass zum Deutschen Imkertag geladen ist, umschwirren die Insekten mit dem gelb-schwarz geringelten Hinterteil ihr Zuhause.

Auch die Besucher geben sich die Klinke der Kleingartenpforte in die Hand. Imkern als Hobby steht derzeit hoch im Kurs, bei den Vereinsimkern gibt es Infos über Bienenhaltung und Honiggewinnung. Und wer mag, kann sich gleich für einen Imkerlehrgang anmelden.

Im Honigraum des Vereins zeigt Gabriele Struck die ersten Schritte der Honigernte. Mit einer speziellen Gabel kratzt die Imkerin die Wachsverschlüsse von den Waben. „Der Verschluss ist einen Zeichen für die Reife“, erklärt Struck. „Gleichmäßig drehen“, ermuntert sie Besucherin Britta Hauer zum Kurbeln an der Honigschleuder. Schon nach den ersten Drehungen fließt der Honig aus den eingehängten Rahmen durch zwei Siebe in einen Eimer. Was die meisten Laien nicht wissen: „Die Wachsdeckel sind ein tolles Kaugummi“, sagt Imker Eckard Ranft. In großstädtischen Bioläden werde das Naturprodukt bereits teuer verkauft.

In dem Metallbehältnis, ein sogenannter Hobbock mit 40 Kilogramm Fassungsvermögen, muss der Honig jetzt ein paar Tage stehen. Wenn der enthaltene Zucker zu kristallisieren beginnt, wird immer wieder gerührt. „So entsteht die cremige Konsistenz“, sagt Ranft. Rapshonig mit einem hohen Traubenzuckergehalt könne allerdings steinhart werden. „Akazienhonig hat wenig und bleibt lange flüssig.“

In der Kleingartenanlage an der Quarnstedter Straße stehen den Imkern zwei Parzellen zur Verfügung. Acht Völker finden in der Umgebung ausreichend Nahrung. „Bienen fliegen bis zur drei Kilometer, da erreichen sie leicht die umliegenden Rapsfelder“, so Ranft. Vielfältige Tracht böten aber auch die Flächen der Laubenpieper in unmittelbarer Nachbarschaft. Von den Kleingärtnern hat Ranft die Geschichte von einer Bestäubung per Hand gehört. „Da wurden Gurken und Tomatenpflanzen mit Q-Tipps bestäubt.“ Damit ist es jetzt vorbei. Seitdem in der Anlage die Bienen summen, freuten sich die Hobbygärtner über schwer tragende Obstgewächse.

Neben Ranft sorgen die Vorstandsmitglieder Marco Stieper, Gabriele Struck, Frauke Norden, Uwe Haupt und Ernst Thieß für das Wohlergehen der Bienenvölker. Lange Zeit fristete ihr Hobby ein Nischendasein. „Aktuell bemerken wir aber ein steigendes Interesse“, erklärt Ranft und meint damit nicht nur die begeisterten Besucher am Imkertag.

Zu den jüngeren Teilnehmern der Lehrgänge, die der Verein rund ums Jahr in Theorie und Praxis anbietet, zählen Schüler der Gemeinschaftsschule. Bienenstöcke, beziehungsweise Magazinbeuten als Behausung für die Honigproduzenten hat Ranft auch auf dem Schulgelände platziert. Sobald das Wetter offen ist, gehe es mit der praktischen Arbeit los. „Das ist wichtig, damit die Teilnehmer die Angst verlieren“, sagt Ranft. „Unsere Bienen sind aber nicht gefährlich“, schiebt er hinterher.

Pracseda Towo, derzeit aus der Rafiki-Partnergemeinde Mrimbo in der Störstadt zu Gast, kann sich bei dieser Aussage ein Lächeln nicht verkneifen. Die „Zähmung“ der tansanischen Bienen war ein heikles Stück Arbeit. Zum Imkern ins Dorf geholt hatte Ranft die wild lebenden Insekten in einer nächtlichen Aktion, die nicht ganz stichfrei ausging. Bei seiner nächsten Tansania-Reise im September wird er einen Schaukasten im Gepäck haben. Damit soll das Wissen der von ihm angelernten Imkerkollegen vertieft werden. „Mit einem Flyer in der Landessprache wollen wir außerdem noch mehr Menschen für die Imkerei interessieren“, so Ranft. Denn das Bienen-Projekt, welches auch von den Volunteers um Marcus Wack unterstützt wird, liefert viel mehr als Honig. Das reiche vom Beutenbau bis hin zur Produktion von Kerzen und Salben. Alles Waren, die dann auf dem Markt von Mwika verkauft werden können und Einkommen sichern.

„Jetzt kümmere ich mich aber um die Bienen im Kleingarten“, kommt Ranft auf den Imkertag zurück. Es ist Kaffeestunde, Zeit für ein leckeres Stück Bienenstich.

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