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Fledermausschutz : Südlage und freie Einflugschneise

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Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Kreis Steinburg finanziert neue Nistkästen für Fledermäuse. Durch moderne Bauweisen finden die Flugsäuger immer weniger Schlupflöcher.

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erstellt am 10.Sep.2014 | 17:00 Uhr

Fledermäuse haben es schwer eine passende Unterkunft zu finden. Nachdem bereits im Stadtpark seit Jahren künstliche Nistkästen für die kleinen Flugsäuger hängen, sollen nun auch in Glückstadt-Nord neue Unterschlupfe die Wohnungsnot der Tiere lindern.

Wie kaum eine andere Tiergruppe sind Fledermäuse in ihrer Lebensweise vom Menschen abhängig. Sie besiedeln am liebsten Dachböden und unterschiedliche Hohlräume an menschlichen Bauwerken. „Leider verschwinden durch moderne Bauweisen und Sanierungen immer mehr Fledermausquartiere“, erklärt Dr. Sybille Petersen, Vorsitzende des Naturschutzbundes (NABU) Glückstadt. Moderne Häuser haben aus energetischen Gründen kaum noch Spalten und Nischen. Was bei sich bei den Heizkosten positiv auswirkt, wird für die nachtaktiven Flugakrobaten zum ernsten Problem: Sie finden nur schwer geeignete Plätze zum Schlafen und zur Aufzucht ihrer Jungen. Geeignete natürliche Quartiere wie etwa Baumhöhlen sind selten.

In einer gemeinsamen Aktion haben die Stadtverwaltung und die Naturschutzbehörde des Kreises Steinburg nun fünf Nistkästen angeschafft, die in den Grünanlagen zwischen Jahnstraße und Stettiner Straße platziert werden. „Wir haben uns ganz bewusst für verschiedene Modelle entschieden, damit unterschiedliche Fledermausarten angesprochen werden“, sagt Esther Patyk vom städtischen Bauamt. Neben flachen Kästen mit rauher Oberfläche aus Holzbeton, die vor allem als geschützte Tagesquatiere dienen sollen, wurden auch voluminösere Kästen beschafft, die kleine Höhlen nachbilden und von den Tieren als „Wochenbett“ benutzt werden können.

15 verschiedene Fledermausarten leben in Schleswig-Holstein. Welche im Bereich Jahnstraße auf die Jagd nach Insekten gehen, weiß niemand genau. „Anwohner haben uns berichtet, dass sie hier regelmäßig Fledermäuse im Flug beobachten, aber um welche Arten es sich handelt, ist unklar“, erklärt Sybille Petersen, die die Behörden bei der Aktion beraten hat. „Alle Arten haben aber wichtige Funktionen im Ökosystem und sind daher auch streng geschützt. “ Besonders nützlich ist laut Petersen die Bechsteinfledermaus. Sie beherrscht, anders als die meisten anderen Arten, den sogenannten Rüttelflug. In der Luft stehend können die Tiere so Insekten und Spinnen im Blätterdach der Bäume wahrnehmen und diese gezielt aus der Vegetation jagen. „Sie sind daher wichtig für die Bekämpfung von Baumschädlingen.“ Aber auch andere Fledermäuse haben ihren Nutzen: Sie vertilgen zum Beispiel lästige Mücken, die besonders in der Nähe stehender Gewässer wie im Gebiet an der Jahnstraße schnell Überhand nehmen.

Aufgehängt werden die neuen Unterkünfte an glatten, geraden Bäumen in einer Höhe von mindestens fünf Metern, damit Fressfeinde, wie zum Beispiel der Steinmarder, es schwer haben, die Schlafstätten der nachtaktiven Flugakrobaten zu erreichen. „Außerdem werden die Kästen nach Möglichkeit immer nach Süden ausgerichtet, weil es dort wärmer ist. Alle Fledermausarten haben gemeinsam, dass sie die Wärme lieben“, erklärt Petersen. Auch eine „freie Einflugschneise“ sei wichtig.

Die Kosten von rund 300 Euro für die Anschaffung der Nistkästen wurden aus Ausgleichsmitteln finanziert, die zweckgebunden für Naturschutzmaßnahmen zur Verfügung stehen. Sie werden zum Beispiel von Windparkbetreibern beim Bau neuer Anlagen gezahlt.

In den nächsten Tagen wird die Feuerwehr die Fledermauswohnungen aufhängen. Dann wird sich zeigen, ob der ein oder andere neue Mieter die Quatiere bezieht. Sybille Petersen: „Wir werden das im Auge behalten.“



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