Suchtkrankenhilfe hilft Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen

Sie beschreiten neue Wege: Die Mitglieder der Suchtkrankenhilfe Glückstadt wollen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen helfen.
Sie beschreiten neue Wege: Die Mitglieder der Suchtkrankenhilfe Glückstadt wollen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen helfen.

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22. Juli 2015, 17:59 Uhr

„Es ist ein zartes Pflänzchen, welches wir gesetzt haben. Aber in der Hoffnung, dass es sprießt und gedeiht.“ Was Helmut Lucht blumig umschrieb, könnte zu einem wichtigen Beitrag zur Bekämpfung von Sucht werden. Denn der Verein der Suchtkrankenhilfe Glückstadt hat es sich schwerpunktmäßig als Projekt zur Aufgabe gemacht, seine Arbeit Menschen mit Migrationshintergrund näher zu bringen. „Das wird eine Fleißarbeit und die ist auch nicht von heute auf morgen zu bewältigen“, erklärte Vorsitzende Ingrid Schulz. Als ersten Schritt sahen daher die Mitglieder die Erstellung von Flyern, die jetzt in verschiedenen Sprachen – Russisch, Türkisch, Italienisch, Polnisch, Englisch und Deutsch – vorliegen. Eine Version in arabischer Sprache ist in Vorbereitung. Unter dem Motto „Nicht warten – handeln“ stellt der Verein seine Arbeit und Ziele vor und gibt Telefonnummern preis.

Den Anstoß dazu gab ein Abend, an dem viel Plattdeutsch gesprochen wurde – für teilnehmende Emigranten nicht zu verstehen. Auf Grund dieser Erfahrung wuchs die Erkenntnis: „Wir müssen etwas tun, die Tabuisierung beiseite zu schieben, um zur Integration beizutragen“, berichtete Helmut Lucht. Der Flyer wird an prägnanten Stellen der Stadt ausgelegt.

Diplom-Sozialberater Thorsten Schmidt erklärte dazu: „Bundesweite Studien haben gezeigt, dass der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in der Selbsthilfe relativ gering ist. Gründe liegen darin, dass es diese Selbsthilfe in den Herkunftsländern nicht gibt, sprachliche Barrieren, Schambesetzung und Tabuisierung von bestimmten Lebensthemen haben sich im Kulturgut verankert.“

Ali Celik und Fatma Ötztürk von der muslimischen Gemeinde der Glückstädter Sehzade Camii-Moschee bestätigten genau diese Thesen: „Es ist der Stolz, der viele zurück hält, über den Schatten zu springen. Damit ist es ganz schwer, aus dem Sog der Sucht heraus zu kommen.“ Aber um genau diesen Weg zu beschreiten, dafür bietet die Suchtkrankenhilfe Information und Beratung.

„Aufgrund unserer eigenen Abhängigkeiten und selbst gemachten Erfahrungen besprechen wir in den Gruppenabenden unsere Probleme“, sagt Helmut Lucht und erinnerte an einen viel zitierten Leitsatz: „Nur Du allein schaffst es – aber Du schaffst es nicht allein“.

Thorsten Schmidt: „Menschliche Wärme, Raum für Zeit und Gefühle, den Mut und die Möglichkeit, sich auszusprechen, sind hier gegeben.“ Damit Mitbürger mit Migrationshintergrund eben diese Gefühle auch und gerade in ihrer Muttersprache übermitteln können, stehen in den Beratungsstunden der Suchtkrankenhilfe Übersetzer bereit.

Bürgermeister Gerhard Blasberg: „Es ist mutig, mit dem Anliegen an die Öffentlichkeit zu gehen und die Sicht auf eine Krankheit in ihren verschiedensten Formen – und darum handelt es sich – frei zu geben. Meinen Respekt.“

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