Hilfe für Flüchtlingsfamilie : Suche nach Parterre-Wohnung in Wilster

Die kleine Marah (9) muss täglich aus dem zweiten Obergeschoss nach unten und wieder hinauf getragen werden.
Die kleine Marah (9) muss täglich aus dem zweiten Obergeschoss nach unten und wieder hinauf getragen werden.

Eine sechsköpfige syrische Familie lebt im zweiten Obergeschoss eines hohen Stadthauses. Die schwer behinderter Tochter, die auf einen Spezialrollstuhl angewiesen ist, muss täglich die schmale Treppe runter und wieder hinauf getragen werden.

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25. Oktober 2020, 17:13 Uhr

Wilster | Marah ist neun Jahre alt und schwer behindert. Sie kann nicht laufen, müsste eigentlich ständig in einem Spezialrollstuhl sitzen, damit ihr Rücken gerade gehalten werden kann. Doch der Rollstuhl ist schwer, mehr als 15 Kilo, und Familie Altwitati wohnt im zweiten Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses mitten in der Innenstadt Wilsters – mit hohen Räumen. Darum suchen die Eltern und ihre vier Töchter eine im Parterre gelegene Mietwohnung oder ein Miet-Haus, in dem es für Marah ein Zimmer im Erdgeschoss gäbe.

Der Rollstuhl ist einfach zu schwer

Ihre derzeitige Wohnung sei sehr schön, aber die enge Treppe mit ihren vielen Stufen setzt die Familie um Marah täglich vor große Herausforderungen. Den Rollstuhl durch das enge Treppenhaus bis hinauf zur Wohnung zu tragen, ist einfach zu schwer. Ihr Vater trägt Marah morgens die vielen Treppenstufen hinunter, damit sie mit dem Schulbus zur Steinburgschule gebracht werden kann, und nachmittags, wenn sie zurückkehrt, wieder hinauf. Obwohl sein Rücken schmerzt – Folge von Misshandlungen durch Polizisten und Soldaten in seinem vom Krieg zerstörten Heimatland Syrien.

Froh, eine Zuflucht gefunden zu haben

Die Familie lebte in Damaskus, musste fliehen – erst in den Sudan, dann nach Ägypten. Aus dem dortigen Flüchtlingslager wurden Ahamad Allaham Altwitati, seine Frau Marwa Aldebss und die Töchter Haya, Hala (beide 17), Aya (11) und Marah aufgrund deren schweren Behinderung im Dezember 2019 durch die UN nach Deutschland gebracht. Über das schleswig-holsteinische Landesaufnahmeprogramm für 500 besonders schutzbedürftige Flüchtlinge aus Ägypten und Äthiopien kamen sie in den Norden – und am 7. Januar dieses Jahres nach Wilster, erklärt der Knud Jüstel, Flüchtlingsbeauftragte des Amtes Wilstermarsch. Der Fokus des Landesaufnahmeprogramms richtet sich auf die Aufnahme von Opfern, die traumatisierende Gewalt erfahren mussten. Familie Altwitati ist froh, in der Marschenstadt eine Zuflucht gefunden zu haben.

Wilster ist wunderbar Anas Aldous, Freund der Familie
 

Und in Anas Aldous und dessen Familie Freunde, die ihnen zur Seite stehen. Auch Anas Aldous musste mit Frau und Kindern aus Syrien fliehen. Sie leben seit Dezember 2013 bereits in Wilster. „Ich habe gute Arbeit bei der Firma Reese in Brunsbüttel gefunden“, erzählt er. Er und seine Familie sind froh, in der Marschenstadt ihr Zuhause gefunden zu haben. „Wilster ist wunderbar“, betont Aldous, dessen Familie die Altwitatis im Alltag so gut es geht zur Seite steht. Freundschaft ist entstanden. „Wir unterstützen gern“, fügt Anas Aldous hinzu.

Alles hat bislang gut geklappt

Die Altwitatis seien auch schon sehr gut angekommen. Alles habe bislang ganz gut geklappt. Die Schulanmeldung für die Kinder – die Zwillinge besuchen das Regionale Berufsbildungszentrum, Aya die Fehrsschule und Marah die Steinburgschule. Auch eine Krankenversicherung gibt es, so dass die Familie ärztliche Behandlung erhält. Und wenn die Eltern ihre Aufenthaltserlaubnis in Händen halten, sind auch umfangreichere Untersuchungen für Marah möglich. Gerade gab es eine gute Nachricht: Die Eltern dürfen jetzt einen Deutschkurs besuchen.

Es ist nicht leicht, für eine große Familie eine Wohnung zu finden Knud Jüstel, Flüchtlingsbeauftragter
 

Nun hoffen sie auf eine Wohnung im Erdgeschoss . „Es ist nicht leicht, für eine große Familie eine Wohnung zu finden“, sagt Knud Jüstel. Sehr gerne würden die Altwitatis im Raum Wilster bleiben. Schon wegen der freundschaftlichen Beziehung zu Familie Aldous. Aber eben auch, weil sich Eltern und Töchter in Wilster wohlfühlen. „Sie können hier normal leben, die Kinder können die Schule besuchen, Freunde finden und einfach Spielen gehen“, übersetzt Anas Aldous die Antwort Ahamad Allaham Altwitatis auf die Frage, was das Leben für die Familie in Wilster bedeutet. Das friedliche Leben, die Sicherheit und damit verbunden das gute Gefühl für Frau und Kinder, dass der Ehemann und Vater, wenn er aus dem Haus geht, auch wiederkommt.

Wer der sechsköpfigen Familie helfen und eine Parterre-Wohnung oder ein Haus zur Miete anbieten kann, melde sich bei Knud Jüstel unter 04823/6568 oder per E-Mail unter kjuestel@t-online.de

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