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Ölförderung in Pinneberg : Suche nach dem schwarzen Gold

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

„Es war pechschwarz und warm, wenn es aus der Tiefe kam“, sagt Hans Böge aus Lutzhorn. Er hat während der 50er-Jahre für die Dea im Kreis Pinneberg nach Erdöl gebohrt. Über seine Arbeit hat Böge Spannendes zu berichten.

shz.de von
erstellt am 03.Nov.2014 | 10:16 Uhr

Er kennt die Lutzhorner Ölfelder wie seine Westentasche – und ist einer der letzten Zeitzeugen, die von der Arbeit an den Bohrstellen und Pumpen berichten können. Hans Böge (84) aus Lutzhorn hat von 1954 bis 1958 für die Deutsche Erdöl AG – kurz Dea (siehe Info-Kasten) – an den Bohrtürmen zwischen Brande-Hörnerkirchen, Bokel und Lutzhorn gearbeitet. Böge wechselte Bohrköpfe, stand an der Bremse und sorgte dafür, dass das schwarze Gold kontrolliert abgepumpt werden konnte. „Ich habe dort viele interessante Erfahrungen gesammelt und habe gern auf dem Ölfeld gearbeitet“, sagt der Lutzhorner rückblickend.

Böge hatte sich nach dem Zeitzeugenaufruf dieser Zeitung Ende September gemeldet. Kurz zuvor hatte die Explorations- und Produktionsgesellschaft PRD Energy erklärt, sich bei der Rohstoffsuche im Kreis Pinneberg auf alte, stillgelegte Ölfelder konzentrieren zu wollen. Dazu zählt das etwa 300 Hektar große Erdölgewinnungsfeld Brande im Norden von Barmstedt. Im Juni 1954 wurde dort erstmals Öl gefunden.

Sechs Arbeiter hätten damals in drei Schichten an den Bohrtürmen ihren Dienst getan, so Böge. Dazu sei ein Obermeister gekommen. „Damals ist die Ölförderung anders als heute sehr positiv aufgefasst worden“, sagt er über die Stimmung in den 50er-Jahren. Über Bohrleiter Heinrich Naehl sei er an seinen Job gekommen: „Ich bin beim Arbeitsamt gewesen, als der Obermeister von der Dea auch gerade vor Ort war“, erzählt der gelernte Maschinist. Im Dezember 1954 habe er mit der Arbeit begonnen. „Jeder musste alles können“, sagt er über seinen Job.

Auf alten Karten der Dea sind insgesamt 24 Bohrstellen zwischen Brande-Hörnerkirchen, Bokel und Lutzhorn eingetragen, an viele davon kann sich Böge noch erinnern. Bei den ersten zwei Bohrungen in Lutzhorn habe man keinen Erfolg gehabt. Daher sei man nach Brande zurückgegangen und habe sich von dort aus wieder bis Lutzhorn vorgearbeitet. „Alle 600 Meter haben wir gebohrt, in Lutzhorn waren alle fündig“, so Böge.

Vier bis sechs Wochen habe es gedauert, die erforderliche Tiefe von etwa 2000 Metern für eine Bohrung zu erreichen. Alle drei Tage habe der Bohrkopf gewechselt werden müssen. „Da haben wir das ganze Gestänge dann wieder herausgeholt“, so Böge. Jede Stange sei 9,30 Meter lang gewesen. Bis zu einer Tiefe von 400 Metern habe man mit einem großem Durchmesser gebohrt und das Loch verrohrt und zementiert. „Bis 1100 Meter ging es durch Lehm, dann kam das Kreidegestein, da wurde es schwierig.“ Von diesem Zeitpunkt an hätten die Arbeiter alle zwei Tage den Bohrer wechseln müssen.

Per Spülung sei der Schutt, der beim Bohren entstand, aus dem Loch geholt worden. Die Spülung habe dabei auch dem Druck aus der Tiefe als Gegengewicht entgegengewirkt. Sei man auf Öl gestoßen, hätten die Arbeiter zuerst das Gestänge entfernt und das Loch weiter verrohrt. „Eine Spezialfirma hat anschließend die Spülung herausgepumpt, danach fing das Öl an zu laufen.“ Vorher sei am Ende des Lochs noch ein Ventil angebracht worden. „In der ersten Zeit lief das Öl von alleine. War der Druck weg, kamen die Pferdekopf- oder Hammerpumpen“, so Böge. „Es war pechschwarz und warm, wenn es aus der Tiefe kam“, so Böge. Eine Temperatur von 30 bis 35 Grad habe das schwarze Gold gehabt. „Das Loch wurde an eine Pipeline angeschlossen, die zum Ölbahnhof nach Dauenhof führte“, erzählt Böge. „Von da aus ging es per Zug in die Raffinerie nach Heide.“

Für damalige Verhältnisse hätten die Arbeiter auf den Ölfeldern gut verdient, sagt der 84-Jährige. Anfangs habe er 320 Mark im Monat erhalten, „und das wurde laufend mehr.“ Sei eine Bohrung fündig gewesen, hätten die Arbeiter eine Prämie bekommen.

Pfingsten 1958 sei in Lutzhorn Schluss mit den Arbeiten gewesen. Die letzte Bohrung in der Gemeinde soll dabei die tiefste im Feld gewesen sein. 2150 Meter tief reichte das Loch. „Die Anlage ist dann nach Ostholstein gebracht worden, dort haben wir weiter nach Öl gesucht“, berichtet der Lutzhorner. Dort sei wesentlich tiefer gebohrt worden – zum Teil bis zu 4500 Meter.

Noch bis zum Jahr 1963 habe er für die Dea nach Öl gebohrt, so Böge. Dann sollte die Anlage wieder ihren Standort wechseln – dieses Mal nach Süddeutschland. „Ich wollte aber in Lutzhorn ein Haus bauen, damit war dieses Kapitel für mich beendet“, sagt er über seinen Job.

Viele Arbeiter, die in den 50er-Jahren auf den Bohrtürmen gearbeitet hätten, seien mittlerweile verstorben. Auch von der Ölförderung, die in den 80er-Jahren ihr Ende fand, ist heute in der Region kaum noch etwas zu sehen. „Es ist alles dicht gemacht worden“, sagt er über die Bohrlöcher.

 

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