Kunsthaus : Subtiler Kunst-Humor auch in Rosa

Hoda Tawakol mit Christiane Opitz.
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Hoda Tawakol mit Christiane Opitz.

Hoda Tawakol und Thorsten Brinkmann stellen im Glückstädter Palais für aktuelle Kunst aus

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22. Juli 2014, 05:00 Uhr

Tabubrüche und Maskeraden – die neue Ausstellung im Palais für aktuelle Kunst (PAK) stellt die Arbeiten Hoda Tawakols den Installationen Thorsten Brinkmanns gegenüber. Oder ist es eher eine Ergänzung? Immerhin gibt es in beiden Ausstellungsteilen ein rosa Zimmer. „Das war eher Zufall, nicht so vorgedacht. Aber jetzt ist es ein toller Effekt“, sagt Kuratorin Christiane Opitz. Überhaupt sei es ein Vorteil, mit mehreren Kuratoren zu arbeiten, man bekomme von allen immer nur das beste“, lobte PAK-Vorstand Vincent Schubarth die neue Schau. Man bemühe sich derzeit um eine Verlängerung, da während der vorgesehenen Laufzeit bis 17. August kein Besuch mit Schülern möglich sei. Und für diese seien die beiden Konzepte und ihre Art, das Haus einzubeziehen, sehr reizvoll. „Ich glaube, ich fände hier für ein ganzes Jahr Stoff“, pries der Pädagoge, der am Detlefsengymnasium Kunst unterrichtet, die Vielfalt und den subtilen Humor der beiden Hamburger Künstler.

Hoda Tawakol verbindet die westlichen Kulturen Deutschlands und Frankreichs, in denen sie aufgewachsen ist, mit denen des Nahen Ostens und Ägyptens, woher ihre Eltern stammen. Sexualität, Fetische, Phallussymbole – und die bislang in der Kunst kaum thematisierten Mashrabiyas, die filigran verzierten arabischen Holzgitter, die die Sicht der Frauen von innen aus dem Haus zulassen, aber von außen nach innen abschirmen. Tawakol provoziert mutig mit hautähnlichen Stoffen und anzüglichen Formen, mit Sinnlichkeit und schwellenden Kurven, auch mit Schleiern und Masken. Ihr rosa Zimmer verweist auf den Titel ihrer Schau „Le palais des concubines“ und auf weibliches Verstecken und Aufbegehren. Subtil sind auch die verfremdeten Barbiepuppen mit ihren ummantelten Körpern, erweiterten Brüsten und Adern gleichen Nähten. Tawakol kritisiert mit „kalkuliertem Tabubruch“, wie Christiane Opitz den westlichen Blick auf östliche Konventionen und die Verzerrungen in der Beziehungs-Symmetrie einordnet, alle Unterordnungen, verzeichnet aber zugleich deren Raffinesse und Subversivität.

Thorsten Brinkmanns dominantes rosa Zimmer – der gesamte obere Ausstellungssaal erhielt eine neue Wandbemalung – zieht die Besucher gleich beim Betreten in den Bann. Etwas schwülstig wirkt es, soll es auch. Richard Wagner ist das Thema und dessen heimliche Vorliebe für Travestie, die er in einem mysteriösen abgeschotteten Zimmer seiner Bayreuther Villa ausgelebt haben soll. Brinkmann versammelt in diesem Ambiente mit Skulpturen, umfunktionierten Alltagsobjekten (Plastik-Spielzeugfiguren etc.), Fotografien und Masken viele Motive Wagners, vor allem aus den Nibelungen. Plastik-Siegfried steht einem Miniaturdrachen gegenüber, Bezüge zu dessen Zauberschwert und Wagner selbst greift eine Rauminstallation mit Büste und rosa Nachthemd auf. So setzt sich der „Ring der Nibelungen“ in einem inszenierten Assoziations-Ring fort. Meistens übertreibt Brinkmann die Posen, entfremdet die Gestalten in den historischen oder legendenhaften Zusammenhängen, zeigt sich in gesichtslosen Selbstporträts, mysteriösen Masken oder mit zerbeulten Accessoires und verhüllenden Stoffen als ‚falscher’ Held. So hat das Scheitern bei ihm oft „eine humoristische Komponente, die der pathetischen Geste altmeisterlicher Kompositionen einerseits huldigt, sie andererseits demontiert“, wie Christiane Opitz ausführte.

Brinkmann beschäftigt sich zunehmend mit historischen Themen, da auch Museen seine auf die jeweilige Umgebung und ihre Themen reagierenden Installationen anfragen. Er befasst sich dann intensiv mit den Zusammenhängen und gelangt selbst zu einem anderen, erweiterten Geschichtsbewusstsein, wie er im Gespräch erläuterte. Die Betrachter seiner Arbeiten nimmt er über die entlarvenden Dekonstruktionen auf andere Ebenen mit und in andere Dimensionen – und das mit viel Augenzwinkern. Seine Schau „Post Poshly Positures“ spielt nicht nur mit piekfeinen Posituren, sondern auch mit unserer Ehrfurcht vor großen Posen.

Die Arbeiten beider Künstler, die sich international bereits einen Namen gemacht haben, wurden von renommierten Hamburger Galerien entliehen. Tawakol und Brinkmann verfolgen einen, wenngleich auch sehr unterschiedlichen, politischen Standpunkt. Somit sind die Kontraste letztlich doch auch Korrelate.

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