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Norddeutsche Rundschau

15. Dezember 2017 | 00:04 Uhr

Land unter : Sturmflut: Fährgäste sitzen fest

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Ausläufer des Sturmtiefs Gonzalo setzen Glückstädter Außenhafen unter Wasser. Vieh in Kollmar muss aus Deichvorland geholt werden

von
erstellt am 23.Okt.2014 | 05:00 Uhr

Karin Döbber hatte ihren Humor bewahrt. Gestern saß die 56-Jährige sechs Stunden am Fähranleger fest. Der Fährverkehr war zwischen 11 Uhr und 16.30 Uhr wegen der Sturmflut eingestellt worden. Döbber nahm es gelassen: Der Kiosk hatte geöffnet. Dort konnte sie die Stunden überbrücken bei Currywurst und viel Kaffee. Über Hamburg wollte sie nicht fahren. „Der Wagen ist voll bepackt, ich ziehe gerade um.“ Unschön war nur, dass in Cuxhaven ein Handwerker wartete. Die Gespräche mit ihm regelte sie per Handy.

Ähnlich ging es auch drei Mitarbeitern einer Bohrfirma aus Celle, die für einige Wochen in der Nähe von Wilster gearbeitet hatten und nun mit drei Traktoren auf dem Rückweg Richtung Niedersachsen waren. „Eigentlich sollten wir heute Nachmittag auf der nächsten Baustelle bei Schwarmstedt sein. Nun sind wir etwas gestrandet“, sagte Heiner Eder. „Mit dem Trecker können wir nicht durch den Elbtunnel und bis wir in Lauenburg über die Brücke sind, fährt die Fähre wohl wieder.“ Nun erwarteten die drei Männer einen deutlich längeren Arbeitstag bis zur Ankunft an ihrem Ziel. „Das ist die Natur, da kann man nichts machen.“

Auch die Treckerfahrer versorgten sich bei Suse Winkler im Kiosk mit Zeitungen und Kaffee. Sorgen, dass der Container mit dem Kiosk weggespült werden könne, machte sich Winkler nicht. Ihre Kunden waren an diesem Tag Neugierige, aber vor allem diejenigen, die festsaßen und auf die Fähre am Abend warten mussten.

Der Fährbetrieb war eingestellt worden, weil der Anleger in Wischhafen weit schlimmer überflutet war als der in Glückstadt. „Das Wasser geht über das Ufer. Der Druck ist unglaublich“, sagte Fähr-Chefin Hildegard Both-Walberg gestern Mittag über die Wassermassen. „Der Sturm ist vorbei, aber jetzt kommt das Wasser.“ Bereits morgens hatte ihr ein Mitarbeiter gemeldet: Noch eineinhalb Stunden nach dem Hochwasser sei das Wasser aufgelaufen.

Die Fähren lagen fest vertäut, die Besatzung blieb an Bord. „Sie müssen ja nicht gegen Wellen kämpfen“, sagt Hildegard Both-Walberg. Gegen 16.30 Uhr wurde der Fährverkehr wieder aufgenommen. Bis dahin mussten viele Lastwagenfahrer und Herbstferien-Urlauber umdrehen und andere Wege nehmen. „Bitter für viele. Aber das ist die Natur.“ Informiert wurde über den Verkehrsfunk im Radio.

Ruhig verlief die erste Sturmflut des Winterhalbjahres im Glückstädter Hafen. Bei einem Pegelstand von etwa zwei Metern über dem mittleren Hochwasser waren zwar weite Teile des Außenhafens überflutet, größere Schäden oder Gefährdungen gab es aber nicht. „Es ist alles im grünen Bereich“, sagte Dirk Brandenburg, leitender Ingenieur des für den Außenhafen zuständigen Landesbetriebes für Küstenschutz (LKN). „Bevor wir im Hafen wirklich Probleme kriegen, muss das Wasser noch mindestens einen Meter höher steigen.“ Gelassen nahm auch Frank Schnabel, Geschäftsführer von Brunsbüttel Ports und Glückstadt Port die erste Sturmflut. „Die Sicherheit im Hafen ist gegeben.“

Die Flut lockte am Nachmittag viele Schaulustige an den Außenhafen. Den Hafenbesuchern bot sich ein ungewohntes Bild: Der große Containerfrachter Kappeln war völlig von Wasser umgeben. Befürchtungen von einigen Passanten, das Schiff könne sich losreißen, konnten die Experten vom LKN nicht nachvollziehen. Moderne Schiffe verfügten über automatische, hydraulische Winden, die dafür sorgten, dass der Frachter auch bei steigendem Wasserstand fest an seiner Position bleibe.

Auch an den Deichen entlang der Elbe blieb die Lage ruhig. „Das ist noch kein Wasserstand, der uns beunruhigt“, sagte Siegfried Bornholdt vom LKN. Auch der Oberdeichgraf der Krempermarsch, Hans-Hermann Magens, blieb gelassen: „Salopp gesagt: Bei Wasserständen unter drei Metern über normal bewegen wir uns noch nicht aus dem Sessel.“

Harm Meinert, Deichgraf von Kollmar, sah die Lage ebenfalls gelassen: „Es gab hier keine besonderen Vorkommnisse. Die Tiere, die im Vorland grasen, haben wir schon morgens geholt.“

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