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Katastrophenschutz : Sturmflut: 430 Helfer üben Ernstfall

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Vom Bergepanzer bis zur Wasserrettung: Für eine Ausbildungsübung an den Elbdeichen wurden vom Katastrophenschutz alle Register gezogen.

Wie kommt der Sand in den Sack, wie läuft eine Evakuierung von Mensch und Tier bei einer Hochwasserlage ab oder wie flicke ich einen sturmflut-lädierten Deich? Steinburgs Landrat Torsten Wendt, sein mit Katastrophenlagen betrautes Team sowie andere Interessierte im Rahmen einer LÜKEX-Ausbildungsübung nutzten das Fachwissen der Experten von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW) sowie Deutscher Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und der Bundeswehr, um Antworten auf die Fragen zu bekommen. An insgesamt fünf Arbeitsstellen übten gleichzeitig Einsatzgruppen aller Feuerwehren der Ämter Horst-Herzhorn, Wilstermarsch, der Städte Glückstadt und Wilster sowie das THW und die DLRG beziehungsweise die Technischen Einsatzleitung (TEL) des Kreisfeuerwehrverbandes Steinburg praxisnah den Ernstfall. Gleichzeitig wurde der den Feuerwehren ins Haus stehende Digitalfunk einem erneuten Praxistest unterzogen.

Grund des Ganzen: Auf die Sturmflut „Xaver“ vom Dezember 2013 folgt jetzt im kommenden Jahr „LÜKEX“. Hierbei handelt es sich nicht um den Namen einen Orkantiefs mit der Folge einer sehr schweren Sturmflut, sondern vielmehr um eine mehrtägige länderübergreifende strategische Krisenmanagementübung. An dieser werden sich alle Küstenanrainer in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern inklusive der Niederlande und Dänemark beteiligen. Der Zeitpunkt von „LÜKEX“ und des für den Kreis Steinburg vorgesehenen Übungsszenarios stehen noch nicht fest.

Um 8:30 Uhr hatten die eingesetzten Kräfte ihre Bereitstellungsräume in Glückstadt, Horst und Brokdorf besetzt. Anschließend verteilten sich die rund 430 Katastrophenhelfer auf ihre vorgesehenen Einsatzstellen. Diese befanden sich in Glückstadt, Borsfleth, Wilster und am Störsperrwerk.

So hatten Mitarbeiter des Landesbetriebes für Küstenschutz (LKN) am Rande des Glückstädter Spülgebietes den alten und heute die zweite Deichlinie darstellenden Landesschutzdeich mit sturmflutähnlichen Schäden präpariert. LKN-Mitarbeiter erklärten den dort eingesetzten Feuerwehrleuten, wie leichte Risse in der Deichoberfläche mit großflächigem Gittervlies vor heranrauschenden Sturmflutwellen zumindest etwas gesichert werden können. Einige Meter weiter musste ein „richtiger“ bereits eingetretener Deichschaden in Form einer Böschungssicherung mit Faschinen, Pfählen und Sandsäcken geflickt werden.

Kein leichtes Unterfangen für die Retter: Denn während sie die Bedienung der Zwei-Mann-Ramme noch hinbekamen, verlangte die Vier-Mann-Ramme schon viel Kraft und Fingerspitzengefühl. Dies galt auch für den Einsatzabschnitt Störsperrwerk. Dort stand die Sandsackbefüllung auf dem Programm. „Wir haben hier alle Möglichkeiten dargestellt, wie Sand in den Sandsack kommen kann“, meinte Carsten Dempel von der Feuerwehrbereitschaft Steinburg. Diese reichten von einem Trichter oder verkehrt herum in eine querliegende Leiter gesetzte abgeschnittene Pylonen. Während ein Feuerwehrmann oben Sand hineinschaufelte hielt ein zweiter Mann den zu füllenden Sandsack darunter. Ein mühseliges und zeitraubendes Unterfangen.

Auf größeres Interesse stieß deshalb auch die automatische auf einen Abroll-Container verlastete Sandsackfüllmaschine des THW-Pinneberg. Diese braucht zwar deutlich mehr Personal, schafft dafür aber auch bis zu 3000 Sandsäcke in der Stunde. Während sich Landrat Thorsten Wendt die Vorzüge der Sandsackfüllmaschine mit Worten erklären ließ, waren Kreispräsident Peter Labendowicz und Kreiswehrführer Frank Raether neugieriger. Sie füllten einige Sandsäcke, wobei nur die erste Ladung nicht in dem Sack landete.

Auf großes Interesse aller Beteiligten stieß der am Störsperrwerk vorgefahrene schwere Bergepanzer des Spezial-Pionierbataillons. Dieses dank eines aufsetzbaren Tauchschachtes auch bis zu drei Meter unter der Wasseroberfläche einsetzbare Gerät kommt nach Angaben von Oberleutnant Uwe Mischik zum Einsatz, wenn Gewässerübergänge hergestellt, Erdbewegungen geschlossen oder Hindernisse aus dem Weg geräumt werden müssen.

Die nächste Station der Landrat-Delegation, der auch der Dezernent für Ordnungs-, Veterinär- und Gesundheitswesen des Kreises Steinburg, Dr. Hans Treinis, sein Stellvertreter bei Katastrophenlagen, Holger Pump, und der Grünen-Landtagsabgeordnete Bernd Voss angehören, war die Borsflether Seite des früheren Fähranlegers über die Stör nach Wewelsfleth. Dort hatte der kompakte Wasserrettungszug der DLRG Pinneberg mit diversen Fahrzeugen und Einsatzbooten Stellung bezogen. Deren Aufgabe bei der LÜKEX-Ausbildungsübung: Eine wasserseitige Deichsicherung mit einer Folie – die aber nur bei „normalen“ Elbhochwasserlagen zum Einsatz kommt. Diese Aufgabe gestaltete sich am Sonnabend nicht gerade einfach, weil bei der Planung die mittags herrschende Ebbe mit entsprechender Verschlickung des Übungsterrains unterschätzt worden war. Man sei der einzige Wasserrettungszug in Schleswig-Holstein, bestätigte der Zugführer der Technik/Logistikgruppe, Jochen Möller, dem Landrat. „Wenn außerhalb des Landkreises Pinneberg deren Hilfe zum Beispiel bei der Evakuierung von Mensch und Tier bei Hochwasserlagen erforderlich wird, kann man uns über das Innenministerium auch nach außerhalb anfordern“, verdeutlichtre der Leiter des Wasserrettungszuges.

Weitere Übungsstation war schließlich die Feuerwache in Wilster. Dort saß die Wehrabschnittsleitung und koordinierte das Einsatzgeschehen aus der Ferne. Nach über sechs Stunden Arbeit ging die Übung dann zu Ende. Eine gemeinsame Abschlussbesprechung im neuen Katastrophenschutzzentrum in Breitenburg/Nordoe findet zu einem späteren Zeitpunkt statt.






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erstellt am 15.Sep.2014 | 12:42 Uhr

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