Rund 1000 Arbeitsstunden : Stundenlanges Bug abschleifen

Wollen die Jugendlichen im Beidenflether-Segler-Verein mit Hilfe der „Ellidi“ zu guten Seglern heranbilden: Andreas Dahm, Christian Niefert und Manfred Thiessen (von links).
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Wollen die Jugendlichen im Beidenflether-Segler-Verein mit Hilfe der „Ellidi“ zu guten Seglern heranbilden: Andreas Dahm, Christian Niefert und Manfred Thiessen (von links).

Waarship 725 liebevoll wieder hergerichtet. Segler dient dem Beidenflether Segler-Verein heute für die Jugendarbeit auf Stör und Elbe.

shz.de von
07. Juni 2014, 16:00 Uhr

Wie viele Jahre das Segelboot bereits Wasser verdrängt hat, das weiß im Beidenflether Segler-Verein (BSV) niemand so ganz genau. Sicher ist aber, dass das Boot vom Typ Waarship 725, das jetzt auf den Namen „Ellidi“ getauft ist, zum ersten Mal in den 1970er Jahren mit dem nassen Element Berührung gehabt hatte. Dass es immer noch im Einsatz ist und auf Stör und Elbe gesegelt wird, ist den Vereinsmitgliedern des BSV im Allgemeinen und Vereinsjugendwart Manfred Thiessen im Besonderen zu verdanken.

Eine glückliche Fügung war unzweifelhaft, dass der bis dahin einzige Eigner des Bootes, Volkmar Holst, Anfang 2012 mit Manfred Thiessen ins Gespräch kam und dabei Verkaufsabsichten signalisierte. Thiessen ahnte, was sich hinter der zukünftigen „Ellidi“ verbergen könnte und welche Vorzüge für den Verein mit einer Restaurierung des Schiffes verbunden sind. Manfred Thiessen nahm die Frage von Sein oder Nichtsein des Bootes mit in die Mitgliederversammlung seines Vereins – das war Anfang 2012. Nach Schilderung der Vorzüge und Vorstellung seines Planes hinsichtlich der Restaurierung wurde der Ankauf für den symbolischen Euro dann beschlossen. Doch als die zukünftige „Ellidi“ mit Pkw und Anhänger das Beidenflether Bootshaus erreichte, mag so manchem BSVer Zweifel an der Richtigkeit des Beschlusses gekommen sein. „Ein so kaputtes Schiff: Ob das etwas werden kann?“, fragte sich auch Andreas Dahm, zweiter Vorsitzender im BSV.

Dass das Restaurierungsprojekt letztlich in guten Händen lag, das wusste aber auch er: „Manfred Thiessen ist sachverständig und hatte den Plan, dass sich unsere älteren Mitglieder zusammen mit unseren Jugendlichen an die Arbeit machen.“ Ziel: Für die Seglerjugend des Vereins ein seetüchtiges Boot zu haben, mit dem der Segelnachwuchs auf Tour gehen kann. Über die Sommermonate wurde restauriert, im Herbst waren die Arbeiten abgeschlossen. Was jedoch bis dahin auf dem BSV-Gelände von Alt und Jung in Eigenarbeit geleistet wurde, ist beispielhaft. Manfred Thiessen und Andreas Dahm berichteten im Gespräch mit unserer Zeitung von ganz verschiedenen Arbeitsschritten der Beteiligten, die vor der Wiederzusammensetzung der bearbeiteten Teile erfolgten. So war das Boot zuvor völlig entkernt, der gusseiserne Kiel abgebaut, gesandstrahlt und konserviert worden. Außerdem wurde ein Loch in der Bootswand fachmännisch abgedichtet. Den größten Zeitanteil der Restaurierungsarbeiten nahmen das Abschleifen der alten Farbe und das Neuversiegeln des Holzes in Anspruch. Über die eigentlichen Sanierungsarbeiten hinaus ging das Fertigen von neuen Kielbolzen, die fachmännisch gedreht wurden. Vor Beginn der Segelsaison 2013 bekam die „Ellidi“ einen neuen Mast, und dann konnte der Segelmacher zum Ausmessen kommen. Ein großer Augenblick: Zum Ansegeln im Mai 2013 stand die „Ellidi“ zum ersten Mal unter Segeln und wird seitdem auch voll beim Jugendtraining eingesetzt.

Das seetüchtige Boot sei in erster Linie dazu da, um für ältere Jugendliche oder junge Erwachsene ein Ausbildungsboot für das Fahrtensegeln zu haben. „Das ist insbesondere für die wichtig, die der Piraten-Klasse entwachsen sind und sich noch kein eigenes Boot leisten können, um damit auf See zu gehen“, erklärte Andreas Dahm. Zurzeit üben 15 aktive Kinder und Jugendliche im Alter zwischen acht und 14 Jahren unter Anleitung mit der „Ellidi“.

Insgesamt sind in die Restaurierung rund 1000 Arbeitsstunden gesteckt worden, geleistet im Wesentlichen von zehn Vereinsmitgliedern im Rentenalter und von den Jugendlichen. Dahm: „Ein tolles Projekt und eine sehr gute Erfahrung für alle im Verein.“ Natürlich seien auch Gelder investiert worden – rund 8000 Euro. Gedeckt wurden sie in erster Linie von Sponsoren: Stiftung Verbandssparkasse Wilster, Dentallabor Lübbe Itzehoe, Vereinsmitglieder, die auch Sachspenden beisteuerten. Dankbar sei der BSV dem Itzehoer Volkmar Holst, der bereit war, das Boot für den symbolischen Euro an den Segler-Verein und damit für einen guten Zweck zu veräußern. Der Zweite BSV-Jugendwart Christian Niefert sieht in der Verwendung der „Ellidi“ eine Ergänzung zur klassischen Jollen-Seglei: „Wir sind jetzt viel besser in der Lage, die jugendlichen im Aufgabenfeld ‚Seemannschaft’ zu unterrichten.“ Verbunden sei damit „das Wissen um die Sicherheit beim Segeln auf Schiffen“. „Es ist im Segelsport sehr wichtig zu lernen, Verantwortung zu übernehmen, Lagen zu überblicken und dann selbstständige Entscheidungen zu treffen.“



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