Stürmischer Auftakt mit „Bookmän“

Andrang am Büchertisch: Die Klasse 5c der Kaiser-Karl-Schule war eingeladen zur Eröffnung des Ferien-Leseclubs.
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Andrang am Büchertisch: Die Klasse 5c der Kaiser-Karl-Schule war eingeladen zur Eröffnung des Ferien-Leseclubs.

Achter Durchgang des Ferien-Leseclubs in der Stadtbibliothek mit Bildungsministerin Britta Ernst eröffnet

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14. Juli 2015, 05:00 Uhr

Wildes Geschrei in der Stadtbibliothek. Ein bezopfter Mann mit Maske, rotem Umhang und Ausrufezeichen auf dem blauen Oberteil stürmt heran. „Bookmän“ ist da und kommt gleich zur Sache. Er liest, nein, er spielt vor, was die achtjährige Jennifer allein zu Hause anstellt. Auf einmal taucht „Angstmän“ auf. Der ist harmlos. Aber dann dringt „Pöbelmän“ in die Wohnung ein. Was jetzt passiert – das müssen die Kinder aus der Klasse 5c der Kaiser-Karl-Schule schon selbst lesen.

Denn was „Bookmän“ alias Rainer Rudloff vom Institut für lebendige Sprache Lübeck so bewirbt, darum geht es an diesem Tag: Lesen. Zur Eröffnung der achten Auflage des Ferien-Leseclubs ist Bildungsministerin Britta Ernst angereist, 47 öffentliche Bibliotheken im Land machen mit. „Wir wollen, dass alle Kinder gut lesen lernen“, sagt die Ministerin. Nach der Pisa-Studie hätten alle das Wort Lesekompetenz neu gelernt, diese Fähigkeit werde immer gebraucht.

Denn ohne sie bringen auch das Internet und soziale Medien wenig, betont Peter Golinski von der Nordmetall-Stiftung, die das Projekt lange förderte und nun zum Abschluss noch ein jährlich wiederverwertbares Design unterstützte. Er braucht nur wenige Sätze: „Wer die Zeitung nicht lesen kann, kann auch nicht mitreden. Wer nicht mitreden kann, kann nicht mitgestalten.“ Und wer das Lesen nicht beherrsche, für den blieben interessante berufliche Türen verschlossen. Ganz die Meinung von Bürgermeister Andreas Koeppen: Lesen sei eine Notwendigkeit, um sich das Leben zu erschließen.

Hinter einem roten Band warten die gedruckten Schätze. Als es fällt, dürfen die Fünftklässler als Erste ran. Arne (11) greift sich das Abenteuer-Buch „Der Giftschmecker“, Nina (11) wählt „Wendy will ein Haustier“. Natürlich nimmt sie Bücher mit in die Ferien, ein Leseclub-Abzeichen ist ihr nicht wichtig. Julian (11) dagegen möchte nach „Die Jungs von S.W.A.P.“ noch vier Bücher mehr lesen – „damit ich Gold kriege“.

Teilnehmen dürfen Schüler, die nach den Ferien mindestens in die 5. Klasse gehen. Die neuen Romane und Sachbücher des Ferien-Leseclubs – mehr als 430 sind es in der Stadtbibliothek – bekommen sie als Erste, können nach der Lektüre Fragen beantworten und Stempel sammeln. Der Lohn: ein Zertifikat, die Einladung zur Abschlussparty in der Tanzschule Giesen und ein Eintrag im nächsten Zeugnis. Es sei toll, wenn die Kinder kämen und begierig warteten, abgefragt zu werden, sagt Büchereileiterin Traute Jankowski-Seebandt. Manche blieben mit ihrem Buch gleich da.

Mehr als 4000 Kinder und Jugendliche nahmen landesweit im vergangenen Jahr teil. Rund 300 Anmeldungen hat Elke Voß jedes Mal in Itzehoe, mit dieser Zahl rechnet sie erneut. Der Vorteil der offiziellen Eröffnung in der Stadtbibliothek: Obwohl es eigentlich noch zu früh ist, bleiben die Bücher jetzt auch stehen. Sie bieten „viele Erfahrungen, die man allein gar nicht machen kann“, sagt die Bildungsministerin. Und sie hebt hervor, dass es beim Lesen längst nicht nur um die Schule geht: „Es ist eine der besten Freizeitbeschäftigungen, die man sein Leben lang haben kann.“

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