Wahrzeichen : Stürmischer Abschied von der Flensburg

Machen klar Schiff (v.li.): Gerhard Krause, Peter Jürgs und Alfred Mantwitz.
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Machen klar Schiff (v.li.): Gerhard Krause, Peter Jürgs und Alfred Mantwitz.

Traditionsschlepper verlässt Glückstadt / Neue Crew begleitet Überführungsfahrt in den Museumshafen Flensburg

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21. Juni 2014, 16:00 Uhr

„Tschüss Flensburg“ stand gestern Morgen auf einem großen Transparent am Außenhafen. Zahlreiche Schaulustige hatten sich trotz windigen Wetters und kühler Temperaturen an der Mole eingefunden, um dem Traditionsschlepper mit der Glückstädter Fortuna am Schornstein beim Auslaufen aus seinem bisherigen Heimathafen Lebewohl zu sagen.

Mit dabei waren auch viele Kinder aus Kindergärten, die der Besatzung und ihren Gästen mit kräftigem Winken und Luftballons eine gute Fahrt wünschten. Begleitet wurde die Flensburg vom Salondampfer Alexandra, mit der sie zukünftig gemeinsam Teil des Museumshafens in Flensburg sein wird.

Der bisherige Eigentümer des Schleppers, Alfred Mantwitz, blickte der Überführungsfahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal und die Ostsee mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“ entgegen. 14 Jahre lang hatte sich Mantwitz mit einem kleinen Kreis von Unterstützern liebevoll um die Flensburg gekümmert. Unzählige Arbeitsstunden wurden in den Erhalt des Schiffes investiert, das als markantes Wahrzeichen an seinem Liegeplatz neben dem Alten Salzspeicher das Bild des Glückstädter Binnenhafens prägte.

Aus Altersgründen geben Mantwitz und seine Mitstreiter den Schlepper nun nach Flensburg: „Wir merken alle, dass es zu viel Arbeit geworden ist und denken, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, dass Schiff in gute Hände zu übergeben.“ In Glückstadt hatten die bisherigen Betreiber keine Nachfolger gefunden, die die Flensburg in ihrem Sinne hätten weiter betreiben können. „Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Museumshafens in Flensburg um Kapitän Wolfgang Weyhausen von der Alexandra kennen wir seit vielen Jahren und sind uns bei ihnen sicher, dass sie den Schlepper gut erhalten.“

Damit die Übergabe reibungslos klappt und alle Tricks und Kniffe der bisherigen Besatzung an die neue Crew weitergegeben werden können, waren der zukünftige Kapitän Lukas Marquardt und der leitende Ingenieur Wilfried Kempe bereits vorab an die Elbe gekommen, um gemeinsam die Überführung vorzubereiten und das Schiff kennen zu lernen. „Wir sind sehr beeindruckt von der Arbeit, die hier in den vergangenen 14 Jahren geleistet wurde. Ein Museumsschiff in diesem Zustand zu bekommen ist für uns fast wie ein Sechser im Lotto“, sagte Marquardt.

Letzte Vorbereitungsarbeiten wie den Austausch einiger Rettungsinseln nahmen alte und neue Crew gemeinsam vor, bevor die Flensburg, gefolgt von der Alexandra, den Hafen Richtung Kanalschleusen in Brunsbüttel verließ.

Ob die Überführungsfahrt wie geplant durchgeführt werden kann, war gestern noch unklar: Eigentlich sollte die Flensburg sich nach einem Zwischenstopp am Freitagabend in Rendsburg am Sonnabend direkt auf den Weg in ihren neuen Heimathafen machen, während die Alexandra zur Kieler Woche fährt. Angesichts des kräftigen Windes überlegten Mantwitz und Marquardt allerdings ebenfalls Kiel anzulaufen.

„Bei mehr als sechs Windstärken ist es zu gefährlich auf der Ostsee. Das müssen wir Sonnabendmorgen spontan entscheiden“, erklärte Kapitän Marquardt.

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