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Standort Brunsbüttel : Studie: Flüssigerdgas-Terminal in SH hat Zukunft

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Flüssigerdgas spielt eine zunehmend wichtige Rolle. Brunsbüttel empfiehlt sich als Terminal-Standort.

shz.de von
erstellt am 03.Nov.2015 | 13:56 Uhr

Brunsbüttel/Kiel | Ein Importterminal für flüssiges Erdgas in Brunsbüttel bietet wichtiges Potenzial für eine bundesweite Versorgung mit LNG (Liquified Natural Gas). Zu diesem Ergebnis kommt die „Bedarfsanalyse LNG in Brunsbüttel“, die vom Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen (CML) in Kooperation mit der ILF Business Consult erhoben wurde. Neben der Energie- und Rohstoffversorgung der Industrie sowie dem Land- und Schiffsverkehr diene es der nachhaltigen Versorgungssicherheit in Deutschland.

Flüssigerdgas gewinnt in Europa eine immer größere Bedeutung. Es wird zunehmend über eine Rohstoff-Abhängigkeit von Russland diskutiert. Diese wird mit Sorge gesehen. Flüssigerdgas gilt als ein Ausweg aus der Abhängigkeit.

„Von einem LNG-Terminal würde keineswegs nur der energieintensive ChemCoast-Park Brunsbüttel mit seinen zahlreichen potenziellen Abnehmern profitieren, sondern die gesamte Bundesrepublik - technologisch wie wirtschaftlich“, sagte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) am Dienstag in Kiel.

Obwohl es in Deutschland Bedarf an flüssigem Erdgas gebe, existiere bislang keine LNG-Infrastruktur, sagte Ralf Fiedler vom Fraunhofer-Center. „Die Belieferung erfolgt ausschließlich über das Ausland.“ Aktuell kommen derzeit rund 40 Prozent aus Russland, 26 Prozent aus den Niederlanden und 22 Prozent aus Norwegen.

Der Standort Brunsbüttel habe das Potenzial und erfülle die Voraussetzungen, diese Versorgungslücke zu schließen. Brunsbüttel qualifiziere sich durch seine Lage an der Elbe und am Nord-Ostsee-Kanal, mit der Anbindung an das überregionale Schienennetz sowie an das europäische Pipelinenetz, die LNG-Märkte effizient zu bedienen, sagte Fiedler.

Laut Gutachten kann flüssiges Erdgas für die Industrie als Ersatz für Erdölprodukte dienen - sowohl als Brennstoff als auch als Rohstoff. Schon heute ersetze es beispielsweise Rohbenzin in vielen chemischen Herstellungsprozessen. LNG könne Industrieansiedlungen in Gebieten ohne Gasverteilernetz ermöglichen und die Energieversorgung über Lkw oder Schiffs- und Schienentransport sicherstellen. Sowohl die nord- als auch die ostdeutschen Industriestandorte könnten über Brunsbüttel per Lkw, Schiff und Schiene gut mit LNG versorgt werden. Auch eine sehr gute Verbindung per Schiene nach Süddeutschland, nach Österreich, in die Schweiz und nach Zentral- und Osteuropa sei vom Standort Brunsbüttel aus gegeben.

Die Betrachtung des LNG-Gasmarktes zeige, dass das weltweite Angebot an LNG, das schon in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich mit rund sieben Prozent pro Jahr gewachsen sei, weiter zunehmen werde, hieß es in dem Gutachten.

Meyer bezeichnete das Ergebnis der Studie als gute Nachricht für den gesamten Norden. „Neben der Windenergie ist das Flüssiggas LNG eine der Ressourcen der Zukunft“, sagte der Wirtschaftsminister.

 Die EU-Kommission habe großes Interesse an einem LNG-Terminal in Deutschland. Meyer dazu: „Die Strategie der EU-Kommsision setzt auf die Nutzung von LNG-Gas, nicht nur für den Schiffsverkehr, sondern möglicherweise auch als Energiereserve. Sollte ein entsprechendes Projekt in Brunsbüttel entstehen, könnte es Möglichkeiten für eine Förderung durch die EU geben.“

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