Itzehoe : Strahlende musikalische Kostbarkeiten

Überzeugte durch Intensität: Tenor Johannes Gaubitz war einer von vier Solisten der Aufführung in der Itzehoer Hauptkirche.
1 von 2
Überzeugte durch Intensität: Tenor Johannes Gaubitz war einer von vier Solisten der Aufführung in der Itzehoer Hauptkirche.

Das Publikum feiert die Aufführung von Händel-Oratorium „Messias“ in der St-Laurentii-Kirche mit Standing Ovations.

shz.de von
19. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Ein vorweihnachtliches Geschenk der konzertanten Art machte die Kantorei St. Laurentii ihrem Publikum mit der Aufführung von Georg Friedrich Händels Oratorium „Messias“. Zusammen mit dem „Elbipolis Barockorchester“ boten die gut sechs Dutzend Chorsängerinnen und -sänger den Barock-Hit Händels als ein Zweieinhalb-Stunden-Konzert, das in der fast ausverkauften Kirche zu spontanem Beifall im Stehen führte. Dabei führte nicht nur der feierliche und strahlende Gesamteindruck zu den begeisterten Publikumsreaktionen. Vielmehr waren es die musikalischen Kostbarkeiten, die das Konzert über einen in der Vorweihnachtszeit erwartbaren Standard hinaushoben.

Zuerst zu nennen wäre das Dirigat von Dörthe Landmesser, Kantorin an St. Laurentii, die Chor und Orchester zu Höchstleistungen führt. Die Musikerin strahlt bei ihrem Dirigat Tatkraft und Zuversicht aus. Damit führt sie auch durch die schwierigsten Passagen in den Chorfugen. Dieses Sich-etwas-Zutrauen als Folge von Sich-Anvertrauen war beim grandiosen „Halleluja“ nachzuempfinden. Staunte man über die Klangschönheit und Sicherheit, mit der dieser Jubel-Chor über die Auferstehung Christi gesungen wurde, so wich das Staunen bei der Zugabe einer gewissen Bewunderung, mit welcher Kunst das Gegen- und Miteinander der Stimmen zu einem grandiosen Klangganzen verwoben wurde.

Sodann geht ein Lob an das Ensemble „Elbipolis Barockorchester“, das mit seinen historischen (Nachbau-) Instrumenten den typischen, an manchen Stellen sogar tänzerischen Barockklang nachempfand. Der Trompeter Patrice Boileau glänzte dabei an seiner Naturtrompete, als er die Schluss-Arie des Basses Sönke Tams Freier begleitete.

Alle vier Solisten waren textverständlich bis in die hinteren Reihen. Der Sopranistin Sonja Adam gelang mit ihrer Arie „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ eine besonders intensive Botschaft der christlichen Intention des Oratoriums. Der Altus Henning Voss überzeugte ebenso durch Intensität wie der Tenor Johannes Gaubitz. Ohne deren Arien wäre die von Händels Librettisten Charles Jennens beabsichtigte barocke Antithetik von Leiden und Erlösung nicht nachvollziehbar gewesen. Jennens will mithilfe alttestamentarischer Texte gegen die Vernunftreligion und für die Offenbarungsreligion Stellung beziehen. Händel unterstützt diese Intention mit der emotionalen Wucht seiner Komposition.

Wie es sich für ein schönes Geschenk gehört: Es stimmte alles. Dass das Publikum beim „Halleluja“ aufstand. Dass sich Dörthe Landmesser für die englische Version entschieden hatte. Dass der Kirchenraum mit seinem milden Kerzenlicht die Intensität der Musik verstärkte. Dass der Messias in Form des Triumphkreuzes gleichsam über Chor und Orchester schwebte. Nicht zuletzt: die Bereitschaft der Musizierenden, physisch bis an die Grenzen zu gehen. Wir als Publikum erleben nur das Konzert. Der Applaus sorgt dafür, dass die stundenlange Generalprobe, das monatelange Proben mit einem Probenwochenende in Plön und die Frage „Kann ich das wirklich singen?“ dann plötzlich der Vergessenheit angehören.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen