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Prozess vor dem Meldorfer Amtsgericht: : Störfähre Else gerammt – Bewährungsstrafe

vom
Aus der Redaktion der Wilsterschen Zeitung

22-Jähriger muss jetzt 100 000 Euro Schaden begleichen. Er stand unter Alkohol- und Drogeneinfluss, als er mit dem Kutter seines Vaters auf der Stör vor Beidenfleth fuhr und den Unfall verursachte.

Drei Monate und zwei Wochen Freiheitsstrafe brummte Strafrichter Malte Zander dem 22-jährigem Trunkenbold auf. Die Strafe setzte der Richter auf zwei Jahre zur Bewährung aus. Der aus Beidenfleth stammende, bereits siebenfach vorbestrafte und heute nahe Büsum wohnende Fischereigehilfe muss sich zudem einem Bewährungshelfer unterstellen. Auf weitere Auflagen verzichtete der Richter angesichts 100 000 Euro Schaden, die der junge Mann noch zu regulieren hat.

Verurteilt wurde er wegen Trunkenheit im Schiffsverkehr, begangen am 10. August 2013 in Büsum, und wegen gefährlichen Eingriffs in den Schiffsverkehr, begangen am 3. Oktober in Beidenfleth. In Büsum war er mit 1,71 Promille im Blut mit einem schwach motorisierten Beiboot waghalsig im Hafen herumgefahren, bis die dortige Polizei dem Spektakel ein Ende bereitete und die entsprechende Strafanzeige fertigte. In Beidenfleth feierte die dort ansässige Seglervereinigung ihr Lampionfest. Der junge Fischer feierte mit, trank und kiffte, so dass die ihm am frühen Morgen abgenommene Blutprobe 2,05 Promille Alkohol und 2,9 Nanogramm THC (Tetrahydocannabinol, Wirkstoff im Marihuana) aufwies. Erinnerung an seine wilde Fahrt auf der Stör hatte der junge Wiederholungsstraftäter keine mehr, wie er gestern vor dem Meldorfer Amtsgericht gegenüber Richter Zander bekundete. Hier konnten aufmerksame Zeugen und die Spurensicherung aushelfen. Danach verließ der am Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ADHS leidende 22-Jährige gegen 1.30 Uhr die Feier und ging an Bord des seinem Vater gehörenden Kutters „Luise“. Gegen 1.50 Uhr legte er ab und fuhr unter voller Beleuchtung wilde Manöver auf der Stör. Dabei rammte er die Beidenflethter Seilfähre „Else“ und schob sie ans Bahrenflether Ufer. Die Fähre wurde schwer beschädigt und musste bis Ende Oktober 2013 auf der Peters Werft in Wewelsfleth für 97 000 Euro repariert werden. Dazu kommt ein Verdienstausfall von 15 000 Euro.

Nach der „Else“ rammte er die nahe der Kolz-Werft liegende Privatyacht „Tessa“. Neben der wollte er offenbar anlegen. An der „Tessa“ entstand ein bei vollständiger Reparatur auf 4000 Euro deklarierter Schaden. Doch der Eigner, ein 55-jähriger Arbeitsloser aus Hohenaspe hat ein gutes Herz. Er nahm selbst eine Notreparatur vor und berechnete dem jungen Mann dafür 200 Euro, die dieser beglich. Ausdrücklich betonte der als Zeuge geladene Eigner der „Tessa“, dass sich der Angeklagte bei ihm schriftlich entschuldigt habe und er keinerlei Groll gegen ihn hege. Zwei vom Radau und Wellenschlag in der Tatnacht geweckte Männer wiesen den 22-Jährigen damals an, weg von der „Tessa“ zu bleiben und an den Liegeplatz der „Luise“ zurück zu kehren. Doch er beschimpfte die Männer auf dem Anlegesteg, drohte ihnen eine Beule ins Schiff zu fahren, kam aber letztlich deren Anweisung nach. Zurück an Land floh er und wurde von der inzwischen gerufenen Polizei auf dem Gelände der Kolz-Werft mit Pfefferspray beruhigt. Dennoch beschimpfte er bis zu seinem Abtransport zur Blutentnahme nach Itzehoe noch Polizisten, Umstehende und seine Mutter, wie ein Polizeibeamter aussagte. Seit 2006 „sammelt“ der junge Mann Vorstrafen. Fahren ohne Fahrerlaubnis und Diebstahl wechseln sich ab, 2013 kam noch das Verwenden von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen hinzu. Vor Gericht tat ihm gestern alles leid, besonders die nächtliche Irrfahrt auf der Stör. Für Bewährung sprach seine Sozialprognose. Er hat einen festen Job und will demnächst seinen Gesellenbrief als Fischer machen. Bei den 100 000 Euro Schaden weiß er zudem, wofür er die kommenden Jahre arbeiten wird.

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