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Norddeutsche Rundschau

19. Oktober 2017 | 13:15 Uhr

Rettungsaktion : Störe für die Stör

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Raubfisch war vor 25 Jahren fast ausgestorben. Jungfische wurden nun in Willenscharen und Rosdorf ausgesetzt. Der Weg der kleinen Fische wird mit einem Chip überwacht.

shz.de von
erstellt am 15.Sep.2013 | 11:30 Uhr

Sie kamen als acht Millimeter kleine Larven aus Frankreich und schwammen drei Monate in Berliner Wasser, bevor sie nun in die Freiheit entlassen wurden: 509 kleine Störe setzte Jörn Geßner, Diplombiologe vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin, an zwei Stellen im Kreis in den gleichnamigen Fluss – in Willenscharen und zwischen Rosdorf und Störkathen. Unterstützung erhielt er dabei von Mitgliedern des Vereins der Sportangler Kellinghusen (VdSA) und des Kreisanglerverbands Dithmarschen sowie von Vertretern des Landesamtes für ländliche Räume.

Das Projekt, das seit 17 Jahren besteht, wird von der Gesellschaft zur Rettung des Störs initiiert. Der europäische Raubfisch war vor etwa 25 Jahren fast ausgestorben. Damals sei die Wasserqualität in der Stör sehr schlecht gewesen, was unter anderem den chemikalienbelasteten Abwässern aus den Ledergerbereien in Neumünster zu verdanken gewesen sei, so die Fachleute. Inzwischen sei die Stör „deutlich auf dem Wege der Besserung“, wozu Renaturierungsmaßnahmen beigetragen hätten. Inzwischen steht der gleichnamige Fisch unter Naturschutz und soll mithilfe von Besatzaktionen in europäischen Gewässern wieder eingebürgert werden. Seit 1996 wird dafür der Elterntierbestand aufgebaut, seit 2008 werden Jungfische im Elbegebiet – in den Flüssen Oste, Stör, Elbe, Mulde und Havel – eingesetzt. In der Tidestör sollen sie wachsen und über die Unterelbe ins offene Meer gelangen. „Mit spätestens 16 Jahren kommen sie zum Laichen in ihr Heimatgewässer zurück“, so Geßner.

Der Besatz auch im Frühjahr statt: Bereits vor einigen Monaten hatten die Naturschützer im Itzehoer Hafen Jungtiere in die Stör gesetzt, die den Winter in der Aufzucht verbracht hatten, etwa acht Monate alt und dadurch deutlich größer als die jüngst eingesetzten Fische. So solle ermittelt werden, wann die Auswilderung von größerem Erfolg gekröhnt ist, erläuterte Geßner. Beide Varianten hätten Vor- und Nachteile: Die Tiere, die im Frühjahr ausgesetzt werden, seien zwar größer, jedoch seien während der langen Aufzuchtszeit Teile des natürlichen Verhaltens verloren gegangen. Die Prägung auf das Heimatgewässer sei hier schwieriger. Dies sei bei sehr jungen Fischen einfacher, zudem passen sie sich schneller an natürliche Feinde an und behalten ihr natürliches Verhalten bei. Zudem sei eine frühe Auswilderung wirtschaftlicher und erfordere weniger Haltungskapazität:. „Je früher raus, je besser ist es“, so Geßners Fazit. Gleichzeitig warnt er: „Teichfische gehören nicht in unsere Flüsse! Sie kommen aus Zentralasien und bringen im schlimmsten Fall Krankheiten mit.“

Um den Weg und die Entwicklung der Störe verfolgen zu können, wurden alle Tiere ab 80 Millimeter Länge mit einer äußeren Markierung versehen. „Kleinere Fische würden durch eine solche sogenannte Spaghetti-Markierung beim Schwimmen behindert werden“, so Geßner. Fischer, denen ein solcher Stör als Beifang ins Netz geht, sind dazu angehalten, die Fische zu vermessen und die Daten an die Gesellschaft zur Rettung des Störs weiterzugeben. Anschließend wird der Fisch zurück ins Wasser gesetzt. Gerade die Elbfischer und die Krabbenfischer in der Nordsee seien in der Hinsicht sehr aktiv: „Wir haben seit 2008 etwa 30 Fangmeldungen mit Informationen über Größe und Verbleib der Fische enthalten.“ Der größte Stör maß dabei 1,10 Meter, der eifrigste war bis in die dänische Nordsee vor Thorsminde geschwommen.

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