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Unfall auf der A23 : Störbrücke: Staatsanwaltschaft ermittelt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Sie wurde nach einem Autounfall in Itzehoe für tot erklärt und atmete im Krankenhaus wieder. Doch wegen ihrer schweren Kopfverletzungen starb eine 72 Jahre alte Frau nun. Die Staatsanwaltschaft will klären, ob sie zu spät in die Klinik gebracht wurde.

Itzehoe | Die 72 Jahre alte Seniorin, die nach dem Unfall auf der A23 bei Itzehoe für klinisch tot erklärt worden war, dann aber im Fahrstuhl zur Pathologie plötzlich wieder atmete, ist ihren Verletzungen erlegen. Jetzt will die Staatsanwaltschaft klären, ob die Frau womöglich starb, weil sie zu spät ins Krankenhaus gekommen ist.

Am Dienstag sei gegen Mittag entschieden worden, auf weitere Operationen zu verzichten, sagt Dr. Urs Nissen, Chefarzt der Neurochirurgie am Westküstenklinikum in Heide. Dies sei mit den Angehörigen abgestimmt worden. „Es gab keine Hoffnung mehr.“ Die Patientin starb gegen 23 Uhr und folgte ihrer Tochter (36) und dem Enkelkind (6), die am Montag bei dem Frontalcrash auf der Störbrücke ums Leben gekommen waren. Die verzögerte Behandlung sieht der Chefarzt nicht als Ursache für den Tod der Großmutter: „Die Stoßwelle des Unfalls hat zu tiefgreifenden Hirnschäden mit Quetschungen und Blutungen geführt, die nicht behandelbar und nicht überlebbar waren.“

Die Staatsanwaltschaft Itzehoe leitete trotzdem ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren ein. „Ziel ist es, zu klären, ob der Zeitverlust nicht doch ursächlich oder mitverantwortlich für den Tod der Patientin gewesen ist“, erklärt Uwe Dreeßen, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Dazu werde der Leichnam der Frau obduziert und ein rechtsmedizinisches Gutachten erstellt. Sollten sich Anhaltspunkte für ein ein schuldhaftes Verhalten ergeben, werde ein Ermittlungsverfahren gegen noch festzustellende Verantwortliche eröffnet.

Am Unfallort war die Großmutter fälschlich als „klinisch tot“ eingeschätzt und mit einem Leichenwagen zur Pathologie des Klinikums Itzehoe gebracht worden. Martin Krause, Inhaber des Itzehoer Bestattungsinstituts Alpen: „Als wir im Fahrstuhl in den Keller fuhren, bewegte sich das Tuch, mit dem die Dame zugedeckt war. Das war ein Schock. So etwas habe ich in 25 Jahren als Bestatter noch nicht erlebt.“

Wie kam es zu dem fatalen Irrtum? Eine Notärztin hatte bei der Seniorin keine Vitalfunktionen mehr feststellen können – die vermeintliche Tote wurde den Bestattern übergeben.

„Das Fahrzeug, in dem die Patientin lag, hatte eindeutig die falsche Farbe“, sagt Dr. Marko Fiege (45), ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes und Chefarzt der Anästhesiologie am Klinikum Itzehoe. „Wir tragen derzeit alle Informationen zusammen, um zu analysieren, wie es dazu gekommen ist und was wir tun müssen, damit sich so etwas in Zukunft nicht wiederholt.“ Noch sei es jedoch zu früh, konkrete Maßnahmen für künftige Einsätze zu benennen. „Wir wollen keinen Schnellschuss, sondern alle Fakten mit Abstand bewerten.“

Haben die Ärzte am Unfallort einen Fehler gemacht? „Nein“, betont Fiege. „In so einer Situation, wenn es viele Verletzte gibt, muss man abwägen, wer wie behandelt wird.“ Die Seniorin sei mehrfach begutachtet worden. „Neben den am Unfallort nicht messbaren Vitalfunktionen war auch ihr Verletzungsbild so, dass eine Reanimation gar nicht erst versucht worden ist.“ Somit sei die Entscheidung der Notärzte richtig gewesen: „Es wurden die anderen Schwerverletzten versorgt und die Kinder.“

Dr. Fiege sagt auch: „Für alle war es ein gruseliger Tag. Darüber wird vergessen, dass die Versorgung der anderen Patienten extrem gut geklappt hat.“

Die Großmutter wurde von Itzehoe nach Heide gebracht und dort vier Stunden lang operiert. Dazu öffneten die Ärzte ihren Schädel, um Blutungen abzusaugen und den Druck der Schwellungen zu mindern. Sie gehörte zu einer armenischen Familie aus Husum, die auf dem Heimweg von einer Hochzeit war. Die Großmutter saß auf der Beifahrerseite. Den Wagen, einen Audi A4 Kombi, fuhr ihr Enkel (18). Dessen Mutter und vier Brüder (6 bis 12) saßen auf der Rückbank. Gegen den Fahrer, der noch immer in Lebensgefahr schwebt, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung und Gefährdung des Straßenverkehrs. Es sei unklar, warum der junge Mann auf die Gegenfahrbahn gekommen sei, so Uwe Dreeßen. Ein Dekra-Gutachten solle Aufschluss über den Unfallhergang und über eventuelle technische Mängel des Autos geben. Das Ergebnis einer Blutprobe des Fahrers steht noch aus.

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erstellt am 04.Sep.2013 | 13:53 Uhr

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