Auf dem Weg : Störauf – die Idee wird zum Projekt

So war es, so sieht es heute aus, so könnte es werden: Bilder rund um die Störschleife hängen jetzt im Café Schwarz bei Saim Krasniqi (2. v. r.). Im Mittelpunkt steht als Dauerleihgabe ein Gemälde von Wilhelm Köhnke (93), das die Störschleife zu Beginn der 1970er Jahre im Bereich des heutigen Theater-Vorplatzes zeigt. Dort werde ein Projekt, das das Wasser zurückbringe, beginnen, sagt Heinz Köhnke, Bürgervorsteher und Sohn des Künstlers. Die Bilderschau solle anknüpfen an die positive Grundstimmung, die der Verein Störauf geschaffen habe. Dessen Vorsitzender Michael Ruff (l.) lieferte ein aktuelles Foto aus demselben Blickwinkel sowie eine Animation des möglichen zukünftigen Zustands. Gezeigt wird zudem ein Foto des Stör-Ewers Hermann an seinem früheren Platz, und es wäre noch Raum für weitere Rahmen. Heinz Köhnke: „Ich würde mich freuen, wenn da irgendwann ein Bild hängen würde, das zeigt: So ist es geworden.“
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So war es, so sieht es heute aus, so könnte es werden: Bilder rund um die Störschleife hängen jetzt im Café Schwarz bei Saim Krasniqi (2. v. r.). Im Mittelpunkt steht als Dauerleihgabe ein Gemälde von Wilhelm Köhnke (93), das die Störschleife zu Beginn der 1970er Jahre im Bereich des heutigen Theater-Vorplatzes zeigt. Dort werde ein Projekt, das das Wasser zurückbringe, beginnen, sagt Heinz Köhnke, Bürgervorsteher und Sohn des Künstlers. Die Bilderschau solle anknüpfen an die positive Grundstimmung, die der Verein Störauf geschaffen habe. Dessen Vorsitzender Michael Ruff (l.) lieferte ein aktuelles Foto aus demselben Blickwinkel sowie eine Animation des möglichen zukünftigen Zustands. Gezeigt wird zudem ein Foto des Stör-Ewers Hermann an seinem früheren Platz, und es wäre noch Raum für weitere Rahmen. Heinz Köhnke: „Ich würde mich freuen, wenn da irgendwann ein Bild hängen würde, das zeigt: So ist es geworden.“

Kommunalpolitik beschließt: Vorhaben soll im Rahmen eines Förderprogramms vorrangig untersucht werden.

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21. Juli 2015, 05:00 Uhr

Irgendwann sah sich Sönke Doll (SPD) zu einem Hinweis genötigt: „Nicht zu emotional“, bat der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses. Das fiel manchen nicht leicht, denn die Frage lautete: Soll das Projekt Störauf zu einem vordringlichen Ziel erklärt werden? Die Antwort war schließlich ein klares Ja – aber dabei geht es nur um erste Untersuchungen.

Der Beschluss: Was bisher vom Verein Störauf erarbeitet wurde an Daten und konzeptionellen Grundlagen, soll von einem Planungsbüro einbezogen werden. Dieses wird in Kürze beauftragt und soll mit den vorbereitenden Untersuchungen im Rahmen des Förderprogramms Aktive Stadt- und Ortsteilzentren beginnen. Das Ziel ist ein Gesamtkonzept für die Innenstadt, dabei sollen die Störauf-Ergebnisse berücksichtigt werden, und zwar „vorrangig“. Das Wort störte Einige, die um andere Projekte fürchteten, aber Bürgermeister Andreas Koeppen sah ein Missverständnis: Angefangenes wie das Haus der Jugend werde natürlich zu Ende gebracht und nicht alles andere unter den Tisch gekehrt.

Erst einmal gehe es darum, nach vielen einzelnen Sofortprojekten für die Innenstadt, wie sie Gutachter empfohlen hätten, nun ein Gesamtkonzept zu entwickeln. Das sei ein Gemeinschaftsprojekt, es müssten alle einbezogen werden, die Vorarbeit geleistet hätten: Stadtmanagement, Wir für Itzehoe, der Handel und eben auch Störauf. Dabei müsse irgendwann die Antwort gegeben werden, „was uns die Stadt wert ist und was wir uns zutrauen“, so Koeppen. Jetzt gehe es noch nicht um eine Grundsatz-Entscheidung zu Störauf, sondern darum, Grundlagen für spätere Beschlüsse zu schaffen. Er betonte aber auch, dass es die Mühe wert sei, sich zu konzentrieren: „Den Bürgerinnen und Bürgern muss die Chance gegeben werden, sich wieder viel stärker mit der Stadt zu identifizieren.“

Eine Umfrage des Vereins Störauf habe große Unterstützung gezeigt, sagte Koeppen. Mehr als drei Viertel sind demnach für die Pläne (wir berichteten). Eine Aufwertung der Innenstadt und mehr Lebensqualität versprechen sie sich von Außengastronomie in schöner Umgebung, schöner Gestaltung der Innenstadt, vielfältigen Läden und Angeboten, Atmosphäre und Ambiente sowie einem klaren Selbstbild, einer klaren Identität. Gerade Störauf bekommt gute Noten, wenn es um den Gewinn an Lebensqualität geht.

Doch im Ausschuss, wie zuvor in Leserbriefen in dieser Zeitung, gab es viele Zweifel an der Belastbarkeit der Aussagen. „Die Repräsentativität der Umfrage ist extrem hoch“, versetzte Koeppen. Stadtmanagerin und Störauf-Mitstreiterin Lydia Keune-Sekula erklärte: Drei Wochen lang seien an unterschiedlichen Plätzen bei verschiedenen Gelegenheiten fast 360 Interviews geführt worden. Einige wurden aussortiert, damit die Quoten der Befragten den Bevölkerungsquoten entsprachen, 323 blieben übrig. Damit, so der Verein in einer vertiefenden Mitteilung, seien mehr als ein Prozent der erwachsenen Itzehoer erfasst, die Genauigkeit schwanke nur um fünf Prozent. Für eine Wahlprognose würden 1000 Befragungen zugrunde gelegt: „Das sind gerade mal 0,001 Prozent. Niemand hätte je deren Validität angezweifelt.“ Reaktion des zuvor skeptischen Joachim Leve (IBF): „Das klingt nicht schlecht.“

Ernst Molkenthin (Linke) stieß sich dagegen an der Eingangsrede des Bürgermeisters mit viel Lob für den Verein, in dessen Vorstand Koeppen selbst Beisitzer ist. Zudem wollte er feststellen lassen, ob die Kommunalpolitiker im Ausschuss befangen sind, die Störauf angehören: Neben dem Vorsitzenden Doll sind dies Jörg Frähmcke (FDP) und Karl-Heinz Zander (Grüne). Nach einer Sitzungspause, die von Politikern und Besuchern mit intensiven Diskussionen gefüllt wurde, zitierte Doll aus den Vorschriften: Es müsse für Befangenheit ein unmittelbarer Vor- oder Nachteil vorliegen, „eine sehr hohe Hürde“. Ein Mitglied müsse sich selbst für befangen erklären – dafür sah keiner der Drei einen Grund. Das werde aber noch einmal geprüft, sicherte Koeppen zu.

Zander allerdings sah ein „schweres Missverständnis“ bei Molkenthin: „Das wäre so, als wenn ich nicht über Radwege entscheiden könnte, nur weil ich passionierter Radfahrer bin.“ Jetzt gehe es allein um die Initialzündung, Störauf mit Hilfe des Förderprogramms vorrangig zu untersuchen. Dieser Beschluss fiel einstimmig bei zwei Enthaltungen.


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