Zurück zur Störschleife : Stör öffnen? Skepsis und Zuspruch

Günter Hörnlein (83) war von 1967 bis 1990 Bürgermeister in Itzehoe. Geboren im Schwarzwald, wuchs er in Kiel auf, wo er auch studierte. Der parteilose Jurist arbeitete erst bei der Landesregierung, war dann Bürgermeister in Mölln, bevor er nach Itzehoe kam.  Als letztes seiner vielen Ehrenämter gab er den Posten im Verein der Theaterfreunde ab. Hörnlein ist seit 53 Jahren verheiratet, hat einen Sohn und zwei Enkel. Foto: ehrich
Günter Hörnlein (83) war von 1967 bis 1990 Bürgermeister in Itzehoe. Geboren im Schwarzwald, wuchs er in Kiel auf, wo er auch studierte. Der parteilose Jurist arbeitete erst bei der Landesregierung, war dann Bürgermeister in Mölln, bevor er nach Itzehoe kam. Als letztes seiner vielen Ehrenämter gab er den Posten im Verein der Theaterfreunde ab. Hörnlein ist seit 53 Jahren verheiratet, hat einen Sohn und zwei Enkel. Foto: ehrich

Der frühere Bürgermeister Günter Hörnlein und seine Meinung zur Initiative "störauf"

shz.de von
01. November 2011, 08:11 Uhr

itzehoe | Zurück zur Störschleife - dafür setzt sich der Verein "störauf" mit wachsender Unterstützung ein. Fast 40 Jahre ist es her, dass sie zugeschüttet wurde. Verwahrlosung, Verkehrs- und Hochwasserprobleme waren der Grund für den Stadtumbau. Die wegweisenden Beschlüsse fielen schon Anfang der 1960-er Jahre, als Bürgermeister setzte sie Günter Hörnlein um.

Herr Hörnlein, was halten Sie von der "störauf"-Initiative?

Hörnlein: Ich bewundere den Einsatz und den Optimismus der Mitglieder, die sich mit vielen Gedanken und mit großer Kraft für die Öffnung einsetzen. Ich wünsche ihnen viel Erfolg, habe aber ein bisschen die Befürchtung, dass sie letzten Endes an der Realität scheitern könnten. Und das wäre schade.

Warum diese Befürchtung?

In erster Linie muss die öffentliche Hand die Mittel aufbringen. Bei der heutigen Haushaltslage von Gemeinden, Land und Bund sehe ich schwarz, dass das in absehbarer Zeit realisiert werden kann, wenn überhaupt. Denn keiner weiß ja bisher, was das kostet.

Halten Sie einen Erfolg der Initiative für notwendig für die Stadt?

Es ist schon so lange her. Ich weiß wirklich nicht, ob es so viele Menschen gibt, die sich diesen alten Zustand wieder herbeisehnen. Die Gründe, die damals zur Zuschüttung geführt haben, waren ja einleuchtend. Es wäre nicht gut, wenn Teile davon wiederkämen. Ich habe in der Zeit mit fast allen Bewohnern in der Neustadt gesprochen. Ich wüsste nicht einen zu erinnern, der nicht gesagt hätte: Macht endlich dieses stinkende Rattenloch zu. Ob die Öffnung für das Image der Stadt und für den Fremdenverkehr sehr förderlich ist, kann ich schlecht beurteilen. Ich fürchte nur, dass dieser Gesichtspunkt ein bisschen überschätzt wird.

Immer wieder ist die Sorge vor dem "Stinkloch" zu hören. Das will der Verein nicht - ist das bisher zu wenig klar geworden?

Das könnte gut sein. Es stand ja wiederholt in der Zeitung, dass man in der Planung sehr weit sei. Ich glaube, es wäre gar nicht verkehrt, wenn dann auch mal zu Details Stellung genommen wird. Zum Beispiel Hochwasserschutz: Das war damals eines der gewichtigsten Argumente. Sicher gibt es heute das Störsperrwerk. Aber wenn man sich das Beispiel Kellinghusen ansieht: Da läuft es auch manchmal von hinten voll. Da müsste es Argumente geben, um zu zeigen, wie es verhindert werden könnte. Außerdem ist es nicht einfach, eine große Störschleife zu pflegen und instand zu halten. Das hat man schon an der alten Störschleife gesehen. Man kam meistens nicht nach, dieses Gewässer sauber zu halten. Ob das heute funktioniert, weiß ich nicht. Wenn man sich rundherum die Stadt ansieht, kann man da einige Zweifel haben.

Immer wieder wird die Zuschüttung als großer Fehler bezeichnet. Haben Sie das auch schon gedacht?

Wenn man involviert war, ist es schwer, solche Gedanken zu haben. Ich weiß nicht, wie groß der Prozentsatz der Leute ist, die es wirklich als den schwersten Fehler ansehen. Da gibt es andere, zum Beispiel den Verlust vieler Landesbehörden. Aber ich will nicht von Dingen reden, die sich nach meiner Amtszeit ereignet haben, das wäre unfair.

"störauf" will allein durch die Diskussion Leben in die Stadt bringen. Halten Sie das für richtig?

Das ist zweifellos richtig. Wenn sich abzeichnet, dass es eine Mehrheit dafür in der Bevölkerung gibt: Warum nicht? Nur warne ich davor, halbe Sachen zu machen. Es soll ja ein fließendes Gewässer sein - sonst hätten wir nämlich ganz schlechte Verhältnisse, fürchte ich.

Was würden Sie dem Verein raten?

Informationen, auch in den Details, so dass man nachvollziehen kann: Jawoll, das ist machbar und führt nicht dazu, dass alte Zustände auch nur ansatzweise wiederkommen.

Würden Sie "störauf" beitreten?

Ich habe beschlossen, dass ich mich - nachdem ich so vielen Vereinen angehört und das langsam abgebaut habe - aus allen Vereinen heraushalte. Vorstellen könnte ich mir das schon, aber ich habe mit 83 Jahren eigentlich mit der Vereinstätigkeit abgeschlossen. Ich wiederhole mich: Ich bewundere die Leute, die das machen, und wünsche ihnen ganz viel Kraft.

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