Stör-Express - einmaliges Projekt endet

Blicken dem 'Stör Express' wehmütig hinterher: der Vorsitzende Wolf-Dietrich Debus und der Geschäftsführer Walter Grohmann.
Blicken dem "Stör Express" wehmütig hinterher: der Vorsitzende Wolf-Dietrich Debus und der Geschäftsführer Walter Grohmann.

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08. Januar 2011, 09:51 Uhr

Kellinghusen | Die Fakten wurden schon Anfang 2010 geschaffen, nun ist es Realität: Der Verein "Stör-Express - ehrenamtlicher Fahrdienst" hat sich auf seiner letzten Hauptversammlung in Kellinghusen selber aufgelöst. "Da wir schon seit dem 16. Januar des vergangenen keine Fahrerlaubnis mehr hatten, setzen wir jetzt den obligatorischen Schlusspunkt", sagte der Geschäftsführer Walter Grohmann. Er kam mit dem Vorsitzenden Wolf-Dietrich Debus zur letzten Hauptversammlung zusammen und führte gemäß Satzung die Abwicklung des Vereins formal durch. Damit geht nach über zehn Jahren die Geschichte eines einzigartigen Projektes zu Ende - unfreiwillig, wie die Beteiligten betonen.

Die beiden Vereinsoberen sehen in der Auflösung die Zerstörung privaten Engagements für die Allgemeinheit durch Behörden und Lobbyarbeit. Während in anderen Regionen in Deutschland Bürgerbusprojekte mit Steuergeldern von bis zu 50 000 Euro im Jahr finanziert werden, werde dem Projekt in Kellinghusen der Garaus gemacht. Dabei sei der Service mit einer Anschubfinanzierung von lediglich 12 000 Euro gestartet und habe seinen Betrieb ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Sponsorengelder aufrecht erhalten - "... ohne Zuschüsse von Bund, Land, Kreis oder Kommune", so Walter Grohmann. Der Vorsitzende Wolf-Dietrich Debus dankte nun noch einmal mehreren Kellinghusener Geschäftsleuten, die den Verein in letzter Minute noch zu retten versuchten. "Allerdings auch ohne Erfolg."

Der Fahrdienst hat insbesondere Kinder und Jugendliche an Wochenenden sicher ins Schwimmbad, in die Disco, ins Kino, aber auch ins Krankenhaus oder zum Einkaufen in die Kreisstadt nach Itzehoe und zurück gebracht. Die größten Touren bewältigte der Verein in jedem Jahr beim Wacken Open Air. "Damit konnten wir für den Rest des Jahres die Beförderung für Jugendliche und Schüler fortführen", so Grohmann. "Wir hatten drei Fahrzeuge, alles Neunsitzer, zur Verfügung", so Grohmann. Die zwei VW-Busse und der Mercedes Sprinter konnten mittlerweile zu einem guten Preis veräußert werden: an ein Mietwagenunternehmen in Mecklenburg-Vorpommern, an ein Lohnunternehmen in Todenbüttel und an ein Altenheim in Weddelbrook. "Dadurch ist unser Vereinsvermögen nahezu ausgeglichen", erläuterte der Geschäftsführer.

"Jetzt bei der Auflösung schreiben wir erstmals schwarze Zahlen", so Grohmann. Übrig bleiben 2000 Euro, die genutzt werden sollen für entstehende Kosten beim Notar und Amtsgericht. Den Rest spendet der Verein an den Itzehoer Tierschutzverein und an die Katzenhilfe Itzehoe. Als Geschäftsführer hat Grohmann sogar auf seine Aufwandsentschädigung verzichtet.

Bei ihm kam noch einmal Wehmut auf: "Es ist bedrückend zu sehen: Wir haben ein Jahrzehnt lang etwas für die Gesellschaft getan und werden nun im Regen stehen gelassen. Die ganze ehrenamtliche Arbeit war für die Katz."Und: "Bedrückend sei auch, dass Kinder und Jugendliche jetzt nicht mehr auf den sicheren Fahrdienst zurück greifen können." Sie müssten auf Freunde oder Eltern bauen. Oder wie eine Schülerin aus Hohenlockstedt schrieb: "Zur Not muss ich in der Nacht die acht Kilometer zu Fuß nach Hause gehen, denn für ein Taxi habe ich kein Geld."

Richtig erbost war Wolf-Dietrich Debus: "Uns wurde durch Futterneider die Motivation genommen." Der Verein sei erst auf Druck der Fuhrunternehmer durch den Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr "platt gemacht worden, als er Erfolg hatte." Sie seien finanziell nicht in der Lage gewesen, dagegen vor Gericht anzugehen. Wolf-Dietrich Debus, auch Ratsmitglied der Kellinghusener Liste (KeLi), kündigte an: "Wir werden im ÖPNV-Zweckverband darauf hinweisen, dass der Bedarf in Zeiten, in denen kein Bus mehr fährt weiterhin besteht und befriedigt werden muss."

Walter Grohmann appellierte nun an alle Betroffenen, über Bürgermeister und Kreistagsabgeordnete Druck auf den ÖPNV-Zweckverband und den Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr auszuüben, dem Bedarf nachzukommen. "Dass er besteht, hat der Stör Express zehn Jahre lang nachgewiesen."

Zumindest virtuell soll der Stör Express weiter leben. Die Internetseite (www.stoer-express.de), so ihre Idee, würden sie so umgestalten, dass auf ihr die Geschichte des Fahrdienstes nachgelesen werden kann.

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