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Norddeutsche Rundschau

20. August 2017 | 10:29 Uhr

Kultur : Stipendiatenlesung der Extraklasse

vom
Aus der Redaktion der Wilsterschen Zeitung

Artur Dziuk, Konstantin Ames und Heike Falkenberg beeindrucken ihr Publikum im Wewelsflether Alfred-Döblin-Haus.

Zum zweiten Mal in diesem Jahr wurde zur Stipendiatenlesung ins Alfred-Döblin-Haus gebeten. Wie immer war die Wohnküche des historischen Gebäudes voll besetzt. Bei selbstgebackenem Kuchen und Getränken lauschten rund 50 Zuhörer den drei Berliner Autoren. Gastgeberin Carola Jansen begrüßte neben den Gästen auch den Leiter der Literatursektion der Akademie der Künste, Jörg Feßmann. Er war für diese Lesung extra aus Berlin angereist.

Der Abend begann mit Artur Dziuk, der als Kind mit seinen Eltern von Polen nach Berlin kam. Mit seiner Kurzgeschichte „Trabanten“ präsentierte er ein ScienceFiction-Drama. Eine kalte Welt im IT-Universum, welche von Updates beherrscht wird. Das systematisierte Arbeitsleben, dessen einzelne Phasen bis hin zum Punkt der Effizienslosigkeit und Ausmusterung von Programmen und Arbeitern minutiös durchgeplant ist, wühlte die Zuhörer auf. Schnell kam im Anschluss eine Diskussion unter den Gästen in der Wohnküche in Gang, was dem Autor sichtlich gefiel. Artur Dziuk, der seit mehreren Jahren literarisch tätig ist, arbeitet in Wewelsfleth derzeit an seinem ersten Roman.

Sein Kollege Konstantin Ames trug einzelne Gedichte vor, die stark dadaistische Züge trugen. Ames trug seine Gedichte in einer unvergleichlichen Art vor, die ihn als genüsslichen Buchstabenkünstler auswies. Jedoch sind seine Gedichte nicht zitierfähig und schon gar keine Stimmungslyrik, was dazu führte, dass das Publikum am Ende streckenweise irritiert war. Aber genau das, so sagte er, fände er gut und richtig. Ein Gedicht, welches man sofort verstünde, hinterlasse keine Spuren. So stimmten die Gäste darin überein, dass er eigentlich alles noch einmal vortragen müsse.

Zum Schluss der Lesung wurde dem Publikum ein Theaterstückchen präsentiert. Heike Falkenberg, Schauspielerin, Autorin und Regisseurin aus Berlin, las mit ihren beiden Kollegen Dziuk und Ames szenisch ihr Kurzdrama „Brede und Dürr“. Ein kleiner Streit zwischen zwei Menschen in einem Treppenhaus endet mit einer systematischen Entwürdigung und surrealen Fremdbestimmtheit der Hauptperson. Das Publikum lachte. Doch mehr als einmal blieb den Zuhörern genau dieses Lachen im Halse stecken. Hervorragend von Ames und Dziuk gelesen, und pointiert entwickelt von Heike Falkenberg, endete so ein interessanter Abend, für den sich das Publikum bei den Organisatoren Carola Jansen und Desirée Tiedemann sowie bei den Künstlern mit viel Applaus bedankte .

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