Stilllegung: 20 Jahre für den Rückbau

Knut Frisch
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Knut Frisch

Vattenfall präsentiert Planung für KKW-Zukunft

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14. Juni 2012, 03:59 Uhr

Brunsbüttel | Der schwedische Energiekonzern Vattenfall bereitet sich auf die endgültige Stilllegung seines Kernkraftwerkes in Brunsbüttel vor. Zwei Alternativen für die Gestaltung dieses Schrittes stellte der technische Geschäftsführer Ernst-Michael Züfle jetzt beim traditionellen "Klönschnack am Deich" auf dem Gelände des Kernkraftwerks vor: einen auf 50 Jahre angelegten "sicheren Einschluss" oder einen in 20 Jahren zu bewältigenden "direkten Rückbau". Dafür hat das Unternehmen Rückstellungen von 1,6 Milliarden Euro beiseitegelegt - "mehr als der Bau des Kraftwerks gekostet hat", wie Züfle bemerkte.

Zum Klönschnack hatte Vattenfall rund 120 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung sowie von Kirche und Schulen eingeladen. Vattenfall, so berichtete der für Krümmel und Brunsbüttel zuständige technische Geschäftsführer, zähle Schweden, Deutschland und die Niederlande zu seinen Kernmärkten, agiere aber auch in Großbritannien, Belgien, Frankreich, Finnland, Dänemark und Polen. "Die Welt verändert sich", stellte Züfle nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima fest. Das sei zwar "eine ganz schlimme Sache" gewesen, aber in keinem anderen Land habe die Neubewertung der Kernenergie zu derart gravierenden Folgen wie in Deutschland geführt. Vor gut einem Jahr sei man noch davon ausgegangen, dass die Kraftwerke Krümmel und Brunsbüttel bis 2035 bzw. 2025 in Betrieb sein könnten. Die jetzige "Vollbremsung" habe die über Jahre hinweg getätigten Investitionen nutzlos gemacht und führte zu erheblichen finanziellen Schäden. Züfle forderte deshalb einen "fairen Schadenersatz". Vattenfall prüfe eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht.

Beim Kernkraftwerk Brunsbüttel geht man nun von abzubauenden Massen von 330 000 Tonnen Beton, Stahl und Rohrleitungen aus. Das radioaktive Material müsse in das bis 2045 genehmigte Zwischenlager eingestellt werden. Ein direkter Abbau sei insofern vorteilhaft, als dass die wirtschaft lichen Folgen gemildert würden, man auf das erfahrene Personal zurückgreifen könne und das Gelände früher wieder genutzt werden könne. Nachteilig sei die höhere noch vorhandene Radioaktivität, so dass die Strahlenbelastung den Abbau technisch erschweren könnte. Der Leiter des Kernkraftwerks Brunsbüttel, Knut Frisch, erläuterte die in der Energiewende begründeten personellen und technischen Anpassungen. "Wir haben viele Arbeiten von Fremdfirmen auf eigene Mitarbeiter umgeschichtet", sagte Frisch. Qualifizierungsmaßnahmen, Altersteilzeitangebote, ein geändertes Ausbildungskonzept sowie neugestaltete Schichtbesetzungen führten zu einem Personalabbau von 1000 im Jahr 2010 auf jetzt nur noch gut 400 Mitarbeiter.

Im Ausstieg aus der Kernenergie und dem Ausbau von Wind- und Solarenergie befürchtet Frisch allerdings einen Stromengpass und weiter steigende Preise, weil man bei nicht verfügbarer Sonnen- und Windenergie auf teuren Spitzenlaststrom zurückgreifen müsse. Der Offshore- und Onshorebetrieb mache eine Vervierfachung des gegenwärtig 34 000 Kilometer langen Leitungsnetzes in Deutschland notwendig.

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