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Norddeutsche Rundschau

22. November 2017 | 00:28 Uhr

Theater-Aufführung : Stilles Leiden der Soldaten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Theaterstück „Kampfeinsatz“ wird am 23. Mai im Glückstädter Detlefsengymnasium aufgeführt.

von
erstellt am 05.Mai.2017 | 05:00 Uhr

„Stell Dir vor, es ist Krieg und Du gehst hin.“ So lautet die provokante Unterzeile zu dem Theaterstück „Kampfeinsatz“. Bei diesem Stück spielt Markus Voigt mit. In Glückstadt aufgewachsen, kehrt der 51-Jährige am Dienstag, 23. Mai, an seine alte Schule, das Detlefsengymnasium, zurück. Dort wird er mit dem Ensemble „Axensprung“ ab 19.30 Uhr auf Einladung von VHS Forum aktuell das Stück aufführen. Markus Voigt ist manchen eher bekannt als musikalischer Leiter am Schmidt-Theater in Hamburg. Seine Leidenschaft gilt aber auch dem Auftritt auf der Theaterbühne.

Das neue Stück des Ensembles hat es in sich. Bei „Kampfeinsatz“ geht es um Bundeswehrsoldaten, die aus einem Einsatz im Ausland kommen und unter einem Trauma leiden. „Niemand kommt aus dem Krieg wieder, wie er hineingeht“, sagt Markus Voigt. „Die Frage ist auch, wie geht die Gesellschaft damit um?“ Dies wird im Anschluss an das Theaterstück mit dem Publikum diskutiert. So auch jüngst bei einem Auftritt vor 400 Soldaten. „Es waren Gespräche auf hohem Niveau.“ Die Offenheit für das Thema sei groß gewesen.

„Es geht uns nicht darum zu sagen, was richtig oder falsch ist. Das ist schwer zu beantworten. Dazu nehmen wir keine Stellung“, sagt der gebürtige Glückstädter. Im Vorwege haben die Ensemble-Mitglieder viele Interviews geführt. „Mit Traumatherapeuten und mit Rückkehrern.“

Die Geschichte startet im Jahr 2000. „Es war damals schlimm“, sagt Markus Voigt zum Thema Trauma. „Inzwischen hat sich eine Menge geändert.“ Heute werde anerkannt, wenn ein Soldat unter einem Trauma leidet. „Früher waren sie Kameradenschweine, die sich vor dem Einsatz gedrückt haben.“

Seit einigen Jahren spielen die Darsteller von „Axensprung“ zusammen. Sich selbst bezeichnen sie als „eine sehr spezielle Theater Companie“. Es stehen auf der Bühne neben Markus Voigt auch Michael Bideller, Oliver Hermann und Mignon Remé. Die Regie hat Erik Schäffler, für Videos ist Eike Zuleeg zuständig. Das Besondere: Die Texte werden gemeinsam ausdiskutiert und erarbeitet. Die geführten Interviews sind Grundlage dafür. „Wir haben uns oft die Köpfe heißgeredet“, sagt Markus Voigt. „Es gibt keine einfachen Lösungen. “

Er selbst ist von dieser Art Arbeit begeistert: „Super, ganz toll.“ Vor allem das Recherchieren gefällt ihm, genauso wie das Beleuchten des Themas von allen Seiten. Im Theaterstück sind auch Zitate von Soldaten eingebaut. „Ich spiele den fiesen Oberarzt, der gemeine Sachen sagt“, erklärt Voigt. Traumtherapeut Karl-Heinz Biesold wurde dazu befragt. „Er sagte: Bleiben Sie hart.“

Das Stück ist eine szenische Collage, es ist unterlegt mit Videos und Zitaten von Kriegsheimkehrern, Philosophen und Politikern. Im Mittelpunkt steht der Oberstleutnant Andre Torgau, der nach sechs Monaten aus Afghanistan zurückkehrt. Nachts wacht er schweißgebadet auf. Seine Ehe steht auf dem Spiel. Es geht auch um einen Vater, dessen Sohn sich der Terrororganisation IS anschließt. Eine Mutter berichtet von ihrer Tochter, die mit den Peschmerga im Irak in den Kampf zieht.

Der Untertitel „Stell Dir vor, es ist Krieg und Du gehst hin“ bezieht sich auf einen Friedensspruch aus den 80er Jahren. Damals hieß es: „Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.“



> Theaterstück Kampfeinsatz, 23. Mai, 19.30 Uhr Detlefsengymnasium. Vorverkauf ab 6. Mai in der Bücherstube am Fleth. Der Eintritt kostet zwölf Euro für Erwachsene zwölf Euro, Schüler zahlen acht Euro (Mindestalter 16 Jahre). Ein Elternpaar mit Kind zahlt 30 Euro, für jedes weitere Kind fünf Euro. Auch Abendkasse.

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