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Steuerflucht: 30-Mann-Betrieb zieht nach Büttel

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Weitere Unternehmen kehren Brokdorf den Rücken

shz.de von
erstellt am 20.Jan.2016 | 12:11 Uhr

„Wir wollten sowieso erweitern. Das machen wir jetzt eben nicht in Brokdorf, sondern in Büttel.“ Nachdem seine Heimatgemeinde zum Jahreswechsel die Hebesätze für Gewerbesteuern von 320 auf rekordverdächtige 750 Prozent angehoben hat, hat Harry Theill für seine Rohrleitungs GmbH kurzerhand 6000 Quadratmeter Gewerbegrund im nur wenige Kilometer entfernten Büttel gekauft. Hier soll eine neue Halle gebaut werden. Offiziell umgezogen ist er mit seinem Betrieb schon zum 1. Januar.

Harry Theill zieht damit die Konsequenzen aus einer Entscheidung der Kommunalpolitik, die Wellen geschlagen hatte. „Für mich sind das jeden Monat 4500 Euro mehr“, spricht Theill von einem erheblichen Kostenfaktor für seinen Betrieb mit gut 30 Mitarbeitern. „Wir können doch nicht für den Größenwahn der Gemeinde zahlen“, nimmt er in seiner Kritik kein Blatt vor den Mund. Nach seiner Kenntnis haben inzwischen sieben bis acht Gewerbebetriebe Brokdorf den Rücken gekehrt oder wollen das kurzfristig noch tun. „Die waren sich doch gar nicht bewusst, was sie für eine Lawine auslösen.“ Unverständlich ist für Theill, dass parallel zur Gewerbesteuer die Grundsteuern nur in einem sehr geringen Maße angehoben worden seien. „Da wären wohl mehr die Landwirte von betroffen gewesen“, mutmaßt er.

Unter den Gewerbetreibenden in Brokdorf ist die drastische Steueranhebung seit Wochen ein Dauerbrenner. Nicht alle wollen in der Öffentlichkeit gerne darüber reden. Manche Betriebe können nicht mal eben umgesiedelt werden, andere wollen auch weiter Geschäfte vor Ort machen. In einem kurz vor Weihnachten verschickten Schreiben hatte Bürgermeisterin Elke Göttsche noch einmal für Verständnis geworben. Die finanzielle Situation, so schrieb sie, lasse keine andere Möglichkeit zu. Gleichzeitig kündigte sie aber auch an, dass vielleicht schon im nächsten Jahr die Gewerbesteuern wieder „auf ein relatives Normalmaß“ gesenkt werden könnten. Auch in persönlichen Gesprächen hatte die Bürgermeisterin versucht, Gewerbetreibende zu überzeugen. „Das war auch ein sehr nettes Gespräch“, sagt Harry Theill. Am Ende müsse er aber an sein Unternehmen denken.

Erklärtes Ziel der Gemeinde bleibt es allerdings, möglichst viele Betriebe im Ort zu halten und diese soweit möglich zu unterstützen. Eine einzelbetriebliche Förderung komme aus gesetzlichen Gründen dabei allerdings nicht in Frage. Welche Möglichkeiten bleiben, soll am kommenden Mittwoch mit den örtlichen Gewerbetreibenden erörtert werden. Dann sind die Unternehmer zu einem Gespräch ins Gemeindezentrum eingeladen.

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